Rohrdorf – Was macht eigentlich ein Fruchtsafttechniker? Mit dieser Frage wurde Jonas Filgertshofer bereits konfrontiert, weit bevor er bei der Rohrdorfer Firma Oro als Azubi anfing. Dementsprechend war er wenig verwundert, als er genau diese Frage auch bei der Ehrung der Industrie- und Handelskammer (IHK) im Berliner Kongresszentrum vor rund 1.000 Gästen beantworten musste. „Sie haben die ungewöhnlichsten und spannendsten Berufe auf die Bühne geholt. Da war mir fast klar, dass ich dabei bin“, sagte Filgertshofer kurz nach seiner Ehrung als einer der besten deutschen Azubis.
Spannendes
Berufsbild
Im Gespräch mit dem OVB wirkt der 21-Jährige nicht wie jemand, der gerade frisch ausgebildet wurde. Vielmehr spricht und verhält er sich so, als würde er schon seit vielen Jahren an der Maschine stehen, um aus Obst Fruchtsäfte zu pressen. „Dabei ist es viel mehr als das“, betont Filgertshofer. „Es geht um die Eigenschaften von verschiedenen Obstsorten, Verarbeitungstechniken, Kundengespräche, Abfüllung und Lagerung“, erklärt der ausgelernte Oro-Azubi. Genau diese Vielfalt sei es, die ihm von Anfang an gefallen habe.
Das Fruchtsaftpressen ist Jonas Filgertshofer schon früh in die Wiege gelegt worden. Sein Urgroßvater produzierte vor über 70 Jahren in Lenggries die ersten Säfte. Die 1950 gegründete „Mosterei Wenig“ wird mittlerweile in dritter Generation von der Familie Filgertshofer geführt. Jonas bekam dementsprechend früh mit, wie ein solcher Betrieb funktioniert. Nach Abschluss seines Fachabiturs kam der junge Filgertshofer mit 18 Jahren in die Region zu Oro. „Da war natürlich erst einmal alles größer als in unserem Betrieb mit drei Mitarbeitern“, sagt der Azubi, der schnell einen großen Ehrgeiz entwickelte. „Ich wollte möglichst viel lernen und durfte alle Abteilungen durchlaufen“, meint er.
Dass ihm die Arbeit liegt, bestätigt die Auszeichnung der IHK als einer der besten 200 Azubis in Deutschland. Die Bundesbildungsministerin Karin Prien würdigte seine außergewöhnliche Leistung. Sie sei überzeugt, dass die jungen Auszubildenden ein Beispiel dafür sind, wie man dem Fachkräftemangel nachhaltig begegnen könne. „Das geht nur, wenn wir Bildung und Beruf von Anfang an zusammen denken“, meint die Ministerin.
Dass es bei den regionalen Fruchtsäften allerdings nicht nur an den Fachkräften, sondern auch an der Nachfrage mangelt, hat Jonas Filgertshofer bei Oro mitbekommen. „Es geht sehr nach dem Motto: Hauptsache viel und günstig. Da können lokale Anbieter nicht mit den großen Produzenten mithalten“, sagt der 21-Jährige. Aus seiner Sicht müssten daher Anbieter wie Oro kreativer werden. „Die Fruchtsäfte sind teilweise seit Generationen bekannt, der Kundenstamm seit Jahrzehnten etabliert. Das ist wichtig und sollte genutzt werden“, meint der Azubi. In einem Gespräch mit den Obstproduzenten auf deren Sorgen eingehen oder sich die Zeit nehmen, mit den Stammkunden zu ratschen. Das sei etwas, was die großen Anbieter niemals leisten könnten.
Mit seinen Ideen und „unglaublich vielen Einblicken“ kehrt Filgertshofer jetzt in den Familienbetrieb nach Lenggries zurück. Die Ausbildung in Rohrdorf ist nach drei Jahren abgeschlossen. Mit ihm werden die „Fruchtsäfte Wenig“ in die vierte Generation gehen und der Beruf, den zumindest in den Großstädten wie Berlin kaum jemand kannte, erhalten bleiben.