Übersee – Holz als Rohstoff, Wirtschaftsfaktor, Innovationstreiber und nachhaltiger Zukunftsbaustoff: Einen praktischen und sehr breit gefächerten Einblick in diese Thematik verschafften sich mehrere Tausend Besucher vergangene Woche drei Tage lang bei den „Oberbayerischen Holztagen“ in Übersee.
Veranstalter waren der Verein „Wir bauen auf heimisches Holz“ zusammen mit den Bayerischen Staatsforsten und der Almdorado GmbH. Mit zahlreichen Live- und Praxisvorführungen sowie hochkarätigen Experten, Fachvorträgen, zahlreichen Messeständen, Musik- und Kunstaktionen, Wettkämpfen im Sportholzfällen und einer integrierten Ausbildungsmesse ist diese Kombination von Branchentreffen, Volksfest und Informationsforum für Bürger einzigartig in ganz Südbayern.
Eine „Braut“
für 6.854 Euro
Höhepunkte waren der Besuch von Bayerns stellvertretendem Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger, die Präsentation hochkarätiger Baumstämme bei der Wertholzsubmission Südostbayern und ein Actionspektakel mit Timbersport-Profi Florian Hägele.
Die gesteigerten Rekordsummen für außergewöhnliche Stämme sorgten bereits am Eröffnungstag für einen ersten Höhepunkt. So erzielte ein Bergahorn der Waldbesitzervereinigung Traunstein mit einer stolzen Länge von 9,20 Metern und 4,71 Festmetern den höchsten Einzelpreis mit 6.854 Euro – die sogenannte „Braut“ der Submission.
Den höchsten Einzelpreis pro Festmeter erzielte wiederum eine Eiche aus dem Staatsforstbetrieb Landsberg mit 1.506 Euro. Beide Stämme sicherte sich ein Furnierhersteller aus Salzburg. Insgesamt ersteigerten 36 Bieter in 436 Losen eine neue Rekordsumme von knapp 250.000 Euro. Bei gutbesuchten Führungen erläuterten Experten der bayerischen Forstverwaltung die besonderen Qualitätsmerkmale der unterschiedlichen Stämme.
Bei einem Rundgang zeigte sich Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger beeindruckt von den Live-Vorführungen „Holz in Aktion“ mit Auszubildenden der Bayerischen Staatsforsten, dem Einsatz eines mobilen Sägewerks und mit Auszubildenden eines Zimmererbetriebs: Sie zeigten, wie aus der Fichte im Wald nach dem Umsägen schrittweise ein Balken im Holzdachstuhl wird.
In seinem Grußwort bezeichnete Aiwanger die 154.000 Beschäftigten in der bayerischen Holz- und Forstbranche als die „wahren Klimaschützer“. Als Bau- und Rohstoff löse Holz zunehmend fossile Energien ab. Ebenso hob Aiwanger das Innovationspotenzial von Holz als Hightech-Material für eine „nachhaltige Industrie der Zukunft“ hervor.
Veranstalter freuen sich
über hohe Besucherzahl
Das Ziel der „Oberbayerischen Holztage“ machte Jorun Klinger-Illner, Vorsitzender des Vereins „Wir bauen auf heimisches Holz“ deutlich: „Die sehr hohe Besucherzahl macht das große Interesse am Thema Holz und Wald sowie für eine klimaresistente Zukunft deutlich. Indem wir in unserem Verein mehr als 80 Beteiligte der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten der Holzbaubranche sowie Kommunalpolitiker und Planer zusammenbringen, schaffen wir mehr Resilienz für regionale Wirtschaftskreisläufe, von der alle profitieren.“
Mit einer Vielzahl von Fachvorträgen gaben Experten Einblick in ein breites Themenspektrum: Das reichte von den Verarbeitungs- und Einsatzbereichen von Holz über Trends beim Holz- und Stallbau, der Bioökonomie und innovativen Materialien aus Holz bis hin zu klimaresistentem Bauen und Bauen im Bestand mit Holz, der Vermeidung von Holzschäden, Maibaumprüfungen oder einem Rückblick auf den Eishalleneinsturz von Bad Reichenhall.
Die Innungen der Schreiner und Zimmerer, das Sägehandwerk mit seinem Lehrinstitut, die Bayerischen Staatsforsten sowie die Fachschule und die Technische Hochschule (TH) Rosenheim stellten praxisnah Ausbildungsmöglichkeiten vor. Auf dem Freigelände und im Messezelt informierten zudem zahlreiche Aussteller aus der Forst-, Holz- und Baubranche über die neuesten Maschinen, Einsatz- und Anwendungsbereiche von Holz oder das Thema Waldumbau.
Drei Baumscheiben in
nur sieben Sekunden
Für spannende Momente sorgten der Motorsägenkünstler Sven Wastian und eine spektakuläre Sägeshow mit Deutschlands jüngstem Timbersport-Profi Florian Hägele. Neben dem Durchschlagen eines 32 Zentimeter dicken Pappelstammes in unter 30 Sekunden mit rasiermesserscharfen Spezialaxt sorgte der 26-jährige Sportholzfäller mit dem Einsatz einer 30 Kilogramm schweren „Hot Saw“ mit 80 PS – einer leistungsstarken Spezialsäge – für echte Schauwerte: Mit einer Kettengeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern säbelte er drei Baumscheiben in nur sieben Sekunden vom Stamm. Axel Effner