Oliver Müller wird Vorstand der kriselnden RSA

von Redaktion

Oliver Müller ersetzt Mark Mühlberger im Vorstand der kriselnden RSA-Bank mit Hauptsitz in Rechtmehring. Der Aufsichtsrat berief den erfahrenen Sanierer, um gemeinsam mit Vorstand Klaus Hatzel die Stabilisierung und die geordnete Entwicklung der Bank zu gewährleisten.

Rechtmehring/Albaching/ Soyen – Der Aufsichtsrat des Bankhauses RSA eG hat Oliver Müller zum weiteren Mitglied des Vorstands berufen. Müller tritt zum 1. Februar 2026 die Nachfolge von Mark Mühlberger an, der – wie geplant – zum 31. Dezember 2025 zur VR-Bank Vilshofen-Pocking zurückgekehrt ist. Dies teilt die RSA in einer Presseerklärung mit. Gemeinsam mit Vorstand Klaus Hatzel sowie dem Generalbevollmächtigten Reinhard Allinger übernehme Müller die operative Führung des Instituts, heißt es zu seinen Aufgaben.

RSA: Ein Mann für
„besondere Situationen“

Die Personalie ist interessant, denn Müller war Vorstand der Seligenstädter Volksbank, ein kleines Geldinstitut, das ebenfalls bereits weit über 100 Jahre alt ist und sich bisher erfolgreich gegen Übernahmen und Fusionen gestemmt hat. Sie liegt in einer Region, in der 2004 zwei Volksbanken, die Frankfurter und Aschaffenburger, fusioniert haben.

Vor Müller war ein anderer Name für die Nachfolge von Mühlberger kolportiert worden, ein Bankexperte aus dem Chiemgau. Doch stattdessen kommt Müller, der ebenfalls über langjährige Erfahrung im genossenschaftlichen Bankwesen verfügt. Er war nach RSA-Angaben über mehr als zwei Jahrzehnte Vorstand, davon viele Jahre als Vorstandsvorsitzender. Zuvor arbeitete er nahezu zehn Jahre als Banken- und Verbandsprüfer und begleitete anschließend eine Bank in einer Sanierungssituation, heißt es in der Pressemitteilung. Damit bringe Müller sowohl operative Führungserfahrung als auch vertiefte Kenntnisse regulatorischer und struktureller Anforderungen mit.

IG: „Wir wollen
bleiben, was wir sind“

„Mit Oliver Müller gewinnen wir einen erfahrenen Vorstand, der seit vielen Jahren im Genossenschaftsbereich tätig ist und dem auch besondere Situationen nicht unbekannt sind“, erklärt August Seidinger, Aufsichtsratsvorsitzender des Bankhauses RSA eG. „Er wird gemeinsam mit dem bestehenden Führungsteam einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung und zur weiteren geordneten Entwicklung unserer Bank leisten.“

Der Sprecher der IG „Rettet die RSA“, Karl Fischberger, sieht in der Berufung von Müller ein eventuell ermutigendes Zeichen. Als ehemaliger Vorstand der VR-Bank Seligenstadt habe Müller es geschafft, die Eigenständigkeit dieses Hauses zu bewahren. „Und das wollen wir auch: bleiben, was wir sind.“ Die IG – aktueller Mitgliederstand: knapp 900 – werde nun in den nächsten Wochen das Gespräch mit dem neuen Vorstand suchen.

Die Berufung erfolge vor dem Hintergrund des laufenden Sanierungsprozesses, den das Bankhaus RSA eG mit Zweigstellen in Albaching, Soyen, Wasserburg und München konsequent und planmäßig umsetze, ordnet die RSA die Personalie ein. Aktuell werde ein Sanierungskonzept erarbeitet, in dessen Rahmen die Strukturen des Instituts umfassend analysiert und bewertet würden. „Ziel ist es, auf dieser Grundlage eine stabile und tragfähige Lösung im Interesse der Mitglieder, Kunden und der regionalen Bankversorgung zu entwickeln.“

Wie genau die Sanierung gestaltet wird, welche strukturellen Änderungen geplant und welche Maßnahmen bereits durchgeführt worden sind, dazu gibt es auf Anfrage der Redaktion keine Antworten.

Die wirtschaftliche Lage, die Ursachen der Belastungen sowie der Stand der eingeleiteten Maßnahmen seien auf der Generalversammlung im November 2025 umfassend dargestellt und anschließend öffentlich kommuniziert worden, heißt es zur Begründung. Dort war unter anderem von Wertberichtigungen in Millionenhöhe als Folge ausfallgefährdeter Kredite die Rede gewesen. Die RSA-Bank steht unter einem Schutzschirm.

Sanierungskonzept
ist in Arbeit

Zu möglichen Ergebnissen, Szenarien oder strukturellen Konsequenzen des Sanierungskonzepts könne die RSA zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussagen treffen, sagt Vorstand Klaus Hatzel zusammenfassend zu 13 Fragen der Redaktion.

Unabhängig davon sei der Geschäftsbetrieb des Bankhauses RSA eG „jederzeit geordnet sichergestellt“. Die operative Führung erfolge „verantwortungsvoll und im Rahmen der bestehenden Zuständigkeiten“. Und weiter: „Kundeneinlagen sind vollständig geschützt und von den Sanierungsmaßnahmen unberührt.“

2026 gilt als Schicksalsjahr der RSA-Bank. Es entscheidet sich, ob die Eigenständigkeit bewahrt wird oder eine Fusion notwendig ist.

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