Rosenheim – Immer wieder gibt es Versuche, heimisches Bier zum Weltkulturerbe zu erheben. Die Belgier haben das bereits geschafft. In Deutschland dagegen müssen die Brauer derzeit aufpassen, dass ihr Getränk nicht zu einem Fall für den Denkmalschutz wird: Laut Statistischem Bundesamt lag der Absatz 2025 6,7 Prozent unter dem des Vorjahres.
Der Trend geht zum Alkoholfreien. Und mancherorts womöglich wohl auch zu weniger Geselligkeit im Wirtshaus.
Weniger Wirtschaften,
weniger Konsum
Auch in der Region spüren die Brauer den Gegenwind. Vielerorts aber eher als Brise. Sie spüren die Einbußen, können sich aber noch gut behaupten. „Der Markt ändert sich, man muss sich anpassen“, sagt etwa Max Vetter, Chef von Innbräu in Mühldorf. Damit meint Vetter geänderte Trinkgewohnheiten: Die Menschen bevorzugen leichtere Alternativen oder Softgetränke wie Cola Mix. Bange ist ihm nicht, was den Absatz von Bier in der Zukunft betrifft. „Sonst würden wir ja auch nicht den Bau einer eigenen Brauerei vorantreiben“, sagt Vetter. Er will in Mühldorfs Norden bauen, und das wohl ab März.
Amelie und Marlies Röhrl, die beiden Bräu-Schwestern aus Erharting, verhehlen Einbußen nicht. Man verkaufe weniger, aber Amelie Röhrl sagt, dass es „nicht dramatisch“ sei. Geholfen habe ihnen zum Beispiel das Mühldorfer Volksfest. Ebenso wie Innbräu hofft man weiterhin auf Vereinsfeste. Dadurch könnte man den Verlust vieler Wirtshäuser in den vergangenen Jahren teilweise ausgleichen. Auf den Vorteil der Regionalität und der guten Wirtshauskultur in ihrer Gegend pocht Alisa Pflug vom Hofbräuhaus Berchtesgaden. Das Bier vom Hofbräu sei eine Angelegenheit für den Berchtesgadener Talkessel. Die Leute identifizieren sich mit ihrem Bier und schätzen das Produkt des Hofbräuhauses. „Qualität ist das A und O“, sagt sie.
Vielleicht ist auch kluge Selbstbeschränkung das Gebot der Stunde für eine Biermarke. „Wir liefern nicht weit aus“, sagt sie, „in Siegsdorf ist schon Schluss.“ So behaupte man sich im Berchtesgadener Land „als gallisches Dorf“, sagt Pflug lachend.
Flötzinger
verzeichnet Plus
Dass der Bierabsatz in Deutschland schon seit Jahren rückläufig sei und sich das Konsumverhalten der Menschen geändert habe, hat man auch bei Flötzinger Bräu in Rosenheim registriert. „Während früher eigentlich jeden Tag getrunken wurde, wird heutzutage vor allem am Freitagabend oder am Samstag zum Alkohol gegriffen“, stellt Geschäftsführer Lorenz Stiglauer fest.
„Umso erfreulicher ist es, dass es unsere Brauerei trotzdem geschafft hat, in den vergangenen sieben Jahren die Herstellung deutlich zu steigern – nämlich von 140.000 auf 350.000 Hektoliter.“ Diese Zahlen verzeichne Flötzinger natürlich nicht nur des Bieres wegen, sondern auch wegen Limonade. Und wegen dieses Trends zum Bleifreien, wie Stiglauer hinzufügt: „Bei alkoholfreiem Bier verzeichnen wir ein starkes Wachstum.“