Burghausen – Günter Zellner, Bezirksleiter der Chemiegewerkschaft IG BCE, und Betriebsräte der Wacker Chemie stehen in Burghausen gemeinsam auf einer Brücke. Unter ihnen fließt der Verkehr auf der B20. Dieses Bild soll zeigen: Gewerkschaft und Betriebsrat stehen zusammen, kämpfen gemeinsam um die Arbeitsplätze und gegen den geplanten Stellenabbau in Burghausen, in Nünchritz und in der Hauptverwaltung in München.
Die Wacker Chemie mit rund 8.000 Mitarbeitern in Burghausen erklärt, jährlich weltweit über 300 Millionen Euro einsparen zu wollen – unter anderem durch einen Personalabbau von über 1.500 Stellen.
Der Großteil davon wird die deutschen Standorte betreffen. Im Januar hatte das Unternehmen für 2025 einen Verlust von 800 Millionen Euro vermeldet.
Die Gewerkschaft unterstützt „alle Initiativen und Aktionen zum Schutz der Arbeitsplätze“, erklärt jetzt Gewerkschafter Zellner in einer Pressemitteilung. Der Wacker-Betriebsrat verhandle bereits mit dem Unternehmen, mehr dürfe er dazu nicht sagen, so Zellner auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen.
Für die Gewerkschaft sei klar: „Wir haben ein großes Interesse an sozialverträglichen Lösungen.“ Das heißt, Kündigungen sollten vermieden werden. Ein Stellenabbau, der über drei Jahre gestreckt werde, sei „besser als alles im Jahr 2026“ abzubauen.
Die aktuellen Herausforderungen würden „entschlossenes gemeinsames Handeln“ erfordern, betonten Zellner und Manfred Köppl, Vorsitzender des Wacker-Betriebsrates: „Wir kämpfen seit Langem für verlässliche Rahmenbedingungen, damit der Industriestandort Deutschland wettbewerbsfähig bleibt.“ Zuletzt seien die Gewerkschaft und die Arbeitgeberseite beim Chemiegipfel im Bayerischen Wirtschaftsministerium geschlossen aufgetreten, „um notwendige Weichenstellungen anzumahnen“.
Im Gegenzug erwarten die Betriebsräte und die Gewerkschaft, dass die Sozialpartner auch in schwierigen Zeiten Verantwortung zeigen: „Nicht nur für strategische Standortentscheidungen, sondern vor allem für ihre Belegschaften“, so die Mitteilung. „Partnerschaft beweist sich nicht nur in wirtschaftlich guten Jahren“, unterstreicht Zellner am Telefon. „Gerade jetzt brauchen die Beschäftigten ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland und zu ihren Arbeitsplätzen.“
Zellner bewertet die Geschäftslage von Wacker nicht so dramatisch, wie es der Verlust von 800 Millionen Euro erwarten lässt. Darin seien 600 Millionen Euro Wertberichtigungen enthalten.
„Das hat nichts mit dem Geschäft zu tun.“ Das Unternehmen habe vor Kurzem noch Rekordgewinne in Milliarden-Höhe eingefahren: „Mit der gleichen Belegschaft und Struktur.“
Die Lage der Wirtschaft und der Chemie sei nicht gut, räumt Zellner ein. Aber: „Im Grunde ist der Standort Deutschland immer noch gut. Wir müssen die Herausforderungen lösen. Einen Abgesang auf die chemische Industrie würde ich nicht machen.“