Immer mehr arbeitslose Akademiker

von Redaktion

Die Vollbeschäftigung unter deutschen Akademikern ist vorbei, wie aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen. Die Quote arbeitsloser Hochschulabsolventen steigt bundesweit.In der Region Rosenheim ist die Lage im Vergleich zum Bundestrend aber noch deutlich besser.

Rosenheim/Traunstein/ Mühldorf – Man könnte von einer Art Schallmauer reden, die 2025 bei der Agentur für Arbeit durchbrochen wurde. Denn die Zahl der Arbeitslosen mit einem abgeschlossenen Studium steigt deutschlandweit das dritte Jahr in Folge und die Quote geht damit zum ersten Mal in den vergangenen zehn Jahren über die Drei-Prozent-Marke. Mit 3,3 Prozent liegen die Akademiker ohne Arbeit somit über dem Wert, der in Deutschland mit Vollbeschäftigung gleichgesetzt wird.

Wandel auf dem
Arbeitsmarkt

Ein Trend, der laut Dr. Nicole Cujai, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Rosenheim, mehrere Gründe hat. „Der Anstieg der Arbeitslosigkeit kann nicht allein als ein Ergebnis der aktuell wirtschaftlich anspruchsvollen Zeit gewertet werden, sondern kommt auch dadurch zustande, dass ein starker Wandel auf dem Arbeitsmarkt stattfindet“, meint sie.

Dadurch sind auch die Arbeitslosenzahlen in der Region um Rosenheim bei allen Personengruppen gestiegen. „Also auch bei denjenigen mit akademischem Abschluss“, sagt Cujai. Allerdings sind die Quoten rund um Rosenheim noch deutlich besser als im gesamten Bundesland. So sind es im Rosenheimer Stadtgebiet „nur“ 2,6 Prozent an fertigen Studenten ohne Arbeit, während es im Landkreis sogar lediglich 2,2 Prozent sind.

Auch Traunstein und Mühldorf sind mit 2,4 Prozent noch deutlich unter dem bundesweiten Schnitt. Aber auch hier melden sich zunehmend qualifizierte Fachkräfte arbeitslos, wie Michael Vontra, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein, bestätigt. „Der aktuelle Bestand enthält vermehrt Personen mit gefragten Qualifikationen, die aber unmittelbar oder nach kurzer Einarbeitungszeit wieder in Beschäftigung einmünden können”, heißt es im Traunsteiner Agenturbericht vom Januar.

An der Technischen Hochschule Rosenheim lässt sich auf OVB-Nachfrage „keine empirische Aussage“ über die genaue Anzahl treffen. Prof. Dr. Silke Lechner-Greite, Dekanin der Fakultät für Informatik, schildert beispielhaft die Erfahrungen aus ihrem Fachbereich. „Ob und in welchem Umfang wir Informationen über den weiteren beruflichen Werdegang unserer Absolventinnen und Absolventen erhalten, basiert auf Freiwilligkeit und betrifft nur den jeweiligen Einzelfall“, betont sie.

„Unsere Wahrnehmung ist, dass manche Unternehmen im aktuellen Marktumfeld möglicherweise etwas zurückhaltender einstellen. Gleichzeitig sehen wir einen unverändert großen Bedarf an qualifizierten Informatikerinnen und Informatikern“, fasst sie zusammen.

Auch die zunehmende Automatisierung durch Künstliche Intelligenz verändere das berufliche Umfeld. Insbesondere bei Junior-Positionen verschiebe sich in der Informatik bereits jetzt das Aufgabenprofil. „Wir sind aber überzeugt, dass gerade wegen des verstärkten Einsatzes von KI in der Wirtschaft Informatikerinnen und Informatiker jetzt und in der Zukunft eine wichtige Rolle in Unternehmen einnehmen werden“, unterstreicht die Dekanin.

Die Zahlen
richtig einordnen

Ein weiterer Faktor ist auch das geringe Stellenangebot. Im Agenturbezirk Rosenheim waren im Januar mit 1.971 rund 1.100 Stellen weniger gemeldet als vor drei Jahren. „Aktuell bewerben sich dementsprechend mehr Menschen auf weniger Stellenangebote“, meint Cujai. Grundsätzlich gelte es jedoch, die Zahl auch richtig einzuordnen. „Einen signifikanten Anstieg können wir aufgrund der vergleichsweise kleinen Anzahl der jungen Menschen mit akademischem Abschluss und der vergleichsweise kurzen Dauer der Arbeitslosigkeit nicht bestätigen“, bilanziert Cujai. Außerdem biete ein Studium weiterhin eine gewisse Sicherheit. Zum Vergleich: Die Zahl der Arbeitslosen ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung im Bezirk Rosenheim liegt bei 12,3 Prozent, rund zehn Prozentpunkte über dem Schnitt der Akademiker.

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