Rechtmehring/Rosenheim – Die angeschlagene RSA-Bank aus Rechtmehring, mit Standorten in Soyen und Albaching, Wasserburg und München, möchte „ergebnisoffen“ mit der „meine Volksbank Raiffeisenbank“ (mVR) in Rosenheim über eine mögliche Fusion sprechen. Das hat sie Ende Februar mitgeteilt. Für Karl Fischberger, Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) „Rettet die RSA-Bank“, ist das nur Makulatur. Er ist überzeugt, der Genossenschaftsverband Bayern (GVB), der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) sowie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hätten diese Fusion schon längst beschlossen.
Fischberger verweist dazu auf einen Bericht des Branchenmediums Finanzbusiness. Demnach gab es am 11. Februar eine Aufsichtsratssitzung der RSA-Bank, daran sollen auch Vertreter von GVB, BVR und BaFin teilgenommen haben; dort sei das Sanierungsgutachten präsentiert worden.
Vorwürfe gegen die
Genossenschaftsverbände
Weder das Rechtmehringer Institut noch der GVB und der BVR wollen das gegenüber den OVB-Heimatzeitungen bestätigen. Der RSA-Vorstand verweist auf die „rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen solcher Gremienprozesse“.
GVB-Sprecher Dr. Gerald Schneider schreibt allerdings, dass GVB-Vertreter, die an Aufsichtsratssitzungen teilnehmen, „dort grundsätzlich nicht stimmberechtigt“ seien.
Fischberger hat „keine Zweifel“, dass es bei dem Sanierungsgutachten „ausschließlich auf eine Fusion mit und nur mit der mVR-Bank Rosenheim rausläuft“. Das sei „von Verbandsseite bereits seit Langem beschlossen“, ist er überzeugt.
„Zusammenschlüsse im genossenschaftlichen Bankensektor entstehen aus unternehmerischen Entscheidungen der beteiligten Institute“, schreibt dagegen Schneider. Der GVB erfülle seinen Prüfauftrag auf Grundlage anerkannter Standards, gesetzlicher Vorgaben und standardisierter Bewertungskriterien. Wie es dann weitergehe, liege ausschließlich bei der jeweiligen Genossenschaft. „Strategische Entscheidungen – etwa zu Kooperationen, Strukturmaßnahmen oder möglichen Zusammenschlüssen – treffen ausschließlich die zuständigen Organe des jeweiligen Mitgliedsunternehmens sowie im genossenschaftlichen System die Mitglieder selbst.“ Laut RSA-Bank bleibe ihr nur die Fusion. Fischberger glaubt dagegen weiter an eine Rettung: „Stattdessen haben der GVB und der BVR mit dem durch den Sanierungsvertrag ermöglichten Durchgriffsrecht Einfluss auf alle Entscheidungen innerhalb der Bank.“
„Das Ziel ist immer
eine Sanierung“
Externe Institutionen würden keine Organfunktionen wahrnehmen, teilt der RSA-Vorstand mit. „Sie verfügen über keine Stimmrechte in den Gremien der Bank und treffen keine strategischen Entscheidungen für das Institut.“ Ihre Aufgabe sei auf die Prüfung und Beratung sowie „– im Fall der Sicherungseinrichtungen – auf die vorsorgende Absicherung der Stabilität des genossenschaftlichen Finanzverbunds insgesamt“ beschränkt.
BVR-Sprecherin Cornelia Schulz erklärt: „Die Sicherungseinrichtung praktiziert den Institutsschutz.“ Es sei Aufgabe des BVR, „Mitgliedsbanken, denen eine existenzielle Krise droht, rechtzeitig zu identifizieren, falls nötig aufzufangen und bei einer Sanierung nach klaren Vorgaben zu begleiten.“ Alternativlose Pfade gebe es nicht: „Das Ziel ist immer eine erfolgreiche Sanierung der Bank.“ Es werde immer ergebnisoffen geprüft.
Laut Schulz beinhaltet ein Sanierungsvertrag für einzelne Bereiche Zustimmungserfordernisse und Auflagen, die die Bank zu beachten hat. „Damit wird den Interessen der Solidargemeinschaft aller Volksbanken und Raiffeisenbanken, die für Banken in einer Sanierung finanziell aufkommen, Rechnung getragen.“ Ein Sanierungskonzept benötige die Zustimmung der BVR-Sicherungseinrichtung, erläutert Schulz weiter. Aber: „Die finale Entscheidung fällen die Organe der betroffenen Bank“ – also die General- oder Vertreterversammlung.
RSA seit 2025
in Turbulenzen
Die RSA-Bank ist seit 2025 wegen ausfallgefährdeter Kredite in Turbulenzen und befindet sich derzeit in einem Sanierungsprozess. Auslöser waren Prüfungen durch den GVB und Wertberichtigungen von rund 60 Millionen Euro. Hinzu kamen laut Presseerklärungen ein zu schnelles Wachstum des Bankhauses, eine zu starke Konzentration auf wenige Geschäftsbereiche sowie gestiegene Zinsen, sinkende Immobilienwerte und strengere aufsichtsrechtliche Anforderungen. Im vergangenen Sommer ging die RSA-Bank (Bilanzsumme 1,2 Milliarden Euro) bereits eine Kooperation mit der rund zehnmal größeren mVR Rosenheim (Bilanzsumme 12,2 Milliarden Euro) ein.
In zehn Jahren jede dritte
VR-Bank verschwunden
Seit Jahren geht die Zahl der Volks- und Raiffeisenbanken (VR-Banken) zurück. 2016 gab es in Bayern noch 260 VR-Banken; 2025 waren es nur noch 175. Damit ist in zehn Jahren jede dritte VR-Bank von der Landkarte verschwunden. Dennoch meint GVB-Sprecher Schneider: „Der genossenschaftliche Bankensektor in Bayern ist stabil und verfügt über eine präventiv wirkende Institutssicherung.“ Der Rückgang sei – „wie im gesamten deutschen Bankensektor“ – auf steigende regulatorische Anforderungen, hohe Investitionen in Digitalisierung, strukturelle Veränderungen im Markt sowie betriebswirtschaftliche Skaleneffekte zurückzuführen. „Diese Entwicklung ist Ausdruck eines langfristigen strukturellen Anpassungsprozesses, nicht einer systemischen Instabilität.“
IG-Sprecher Fischberger bestreitet, dass EU-Vorgaben den Abbau von kleineren Bankhäusern vorantreiben. Für ihn sind die „Auslegung und Umsetzung der EU-Vorgaben durch die Genossenschaftsverbände im eigenen Land“ dafür verantwortlich.
Sollten die Fusionsgespräche der RSA mit der mVR erfolgreich sein, müssten dem Zusammenschluss drei von vier RSA-Mitgliedern zustimmen: 75 Prozent; die Sperrminorität liegt damit bei 25 Prozent. Auf Anfrage nennt die RSA-Bank keine aktuellen Mitgliederzahlen; laut Bank-Homepage sind es 5.223. Die IG „Rettet die RSA-Bank“ hat nach eigenen Angaben 900 Mitglieder, das wären 17 Prozent der RSA-Mitglieder. Zu wenig, um die Fusionspläne zu Fall zu bringen. Bei einer nicht repräsentativen Online-Umfrage der OVB-Heimatzeitung waren 34 Prozent der Teilnehmer gegen eine Fusion.