Bruckmühl – Einen eigenen Praktikanten zu haben, obwohl man selbst noch nie ein Praktikum gemacht hat – das ist wohl eine Geschichte, die man am ehesten in einem Start-up erlebt. Genau das ist dem 16-jährigen Valentin Israel und dem 17-jährigen Korbinian Weber passiert.
Die beiden Gründer aus Bruckmühl und Vagen arbeiten seit fast einem Jahr an „CashXChain“. Vor Kurzem stellten sie ihren ersten Praktikanten ein. Der französische Student ist doppelt so alt wie Valentin und hatte sich bereits vor einem halben Jahr bei ihnen gemeldet, weil ihn die Idee des Start-ups so begeisterte. Für die jungen Gründer ist das – kurz vor der finalen Veröffentlichung ihrer Anwendung – eine wertvolle Unterstützung.
Eine Idee mit
sehr viel Potenzial
Die Idee zu ihrem Start-up hatte Valentin Israel, als er im vergangenen Jahr in der Firma seines Vaters mitarbeitete. Er habe sich mit dem internationalen Handel beschäftigt. „Dabei bin ich auch auf das Problem gestoßen, dass die internationalen Banküberweisungen oftmals sehr ineffizient sind.“ Zuvor hatte er sich bereits mit technologischen Themen wie künstlicher Intelligenz und Blockchain befasst. Der Schüler stellte ein Projekt für „Jugend forscht“ auf die Beine. Bald erkannte er das Potenzial und meldete die ersten Patente an. „Ich habe mir mehrere Leute ins Team geholt, Korbinian und zwei weitere aus unserer Schule, Nils und Merita.“ Als erste Anfragen von Firmen bei Valentin hereinflatterten, wandelte sich das Projekt in ein Start-up. „Da haben wir gesagt, wir machen es richtig, haben eine Unternehmergesellschaft gegründet und sie offiziell eingetragen.“
Seither geht es rasant weiter bei den jungen Gründern. Korbinian Weber ist als CTO (Chief Technology Officer) für die technologische Ausrichtung zuständig, Valentin Israel kümmert sich vorwiegend um die betriebswirtschaftlichen Vorgänge des Start-ups wie die Kunden-, Partner- und Investorengewinnung.
Das Konzept der Jugendlichen überzeugte auch schon Google und Amazon, bei denen sie sich für die Gründerprogramme bewarben – mit Erfolg. Im März stand ein besonderer Abend an: „CashXChain“ erreichte von über 370 teilnehmenden Teams die Top 20 beim Münchener Businessplan- Wettbewerb. So junge Gründer sind auch für die Ausrichter des Wettbewerbs etwas Besonderes. „Normalerweise sind es Studenten oder Leute aus der Industrie, die sich damit auseinandergesetzt haben, wie ein Businessplan aussieht“, sagt Max Achmedschin, Leiter des Businessplan-Wettbewerbs. „Schüler sind schon eine Ausnahme.“
Technologie basiert
auf Kryptowährungen
Das Hauptproblem ihrer bisherigen Kunden erklärt Valentin Israel so: „Bei klassischen Banküberweisungen nutzt man das Swift-System und das ist mittlerweile 50 Jahre alt. Da hat man noch sehr hohe Kosten von etwa sechs Prozent und die Überweisungsdauer hängt teilweise noch von den Öffnungszeiten der Bank ab.“ Die Lösung von „CashXChain“: „Wir können das Gleiche in ungefähr zehn Sekunden abwickeln und mit Gebühren von circa einem Prozent.“
Die Technologie dahinter basiert auf Kryptowährungen, genauer gesagt „Stablecoins“. Das sind Kryptowährungen, die an eine reale Währung wie US-Dollar oder Euro gebunden und daher stabiler als zum Beispiel Bitcoins sind. „Sobald das Geld aufgeladen wird, wird es in Stablecoins umgewandelt.
Mit diesen Stablecoins wird dann eine internationale Überweisung getätigt. Im Zielland – das kann China, Afrika, die USA sein – werden die Coins dann wieder in eine normale Währung umgewandelt.“
Aktuell arbeiten Korbinian Weber und Valentin Israel noch daran, den Umwandlungsprozess von Euro in Stablecoins zu automatisieren. Für die Abwicklung kooperiert „CashXChain“ mit regulierten Finanzinstituten in Europa und Amerika. Auch wenn sie sich selbst seit Jahren damit beschäftigen, ist ihnen bewusst, „dass sich ja eigentlich kein Mensch damit auskennt“, sagt Korbinian. Daher legen sie eine Oberfläche über die technischen Hintergründe. Die Überweisung soll am Ende so einfach wie bei Paypal werden.
„Es ist eine
Achterbahnfahrt“
Doch dabei stehen sie jede Woche vor neuen Herausforderungen. „Es ist eine Achterbahnfahrt: Es geht steil nach oben, und dann wieder steil nach unten“, sagt Valentin. Selbst die KI, mit der sie arbeiten, verändere sich jede Woche, erklärt Korbinian. „Man optimiert immer, aber das ist auch notwendig, weil wir mit Milliardenunternehmen wie Paypal und Stripe konkurrieren.“
Daher stecken Valentin und Korbinian auch viel Zeit in ihr Start-up und arbeiten in Vollzeit daran – neben der Schule. Die beiden besuchen die 10. und 11. Klasse des Bruckmühler Gymnasiums. Das heißt: „Extreme Nachtschichten – entweder man hat den ganzen Nachmittag gearbeitet und macht am Abend noch was für die Schule oder andersherum“, erklärt Korbinian. Für Valentin fühlt es sich oft an, als würde er ein Doppelleben führen. „Einmal bin ich Schüler am Gymnasium. Auf der anderen Seite bin ich Gründer und CEO von einem Start-up.“ Als solcher ist er auch schon zu einer Blockchain-Konferenz in London eingeladen worden. „Man wird auch komplett anders behandelt in diesen beiden Welten.“ Dort spiele sein Alter keine große Rolle. „Die sind beeindruckt von dem, was wir machen. Wenn ich erwähne, wie alt ich bin, wird es größtenteils positiv aufgenommen.“
Verträge mit Volumen
von fünf Millionen Euro
Einzig bei der offiziellen Gründung der Unternehmergesellschaft im September 2025 war das Alter der beiden eine Hürde. Daher laufen „alle Verträge, die wir abschließen – mit Partnern, Investoren oder unserem Praktikanten – über meinen Vater“, sagt Valentin Israel.
Aktuell befindet sich das Start-up in der ersten Finanzierungsphase, in der externes Kapital eingesammelt wird. Dabei geht Valentin Israel meist auf mögliche Sponsoren zu. Währenddessen arbeitet Korbinian an der finalen Version von „CashXChain“, die in wenigen Wochen gelauncht werden soll. Für das laufende Jahr haben die beiden Gründer bereits Verträge mit Unternehmen abgeschlossen, die ein Transaktionsvolumen von fünf Millionen Euro versprechen. Davon bleiben beim Start-up circa 0,8 Prozent als Gewinn hängen. „Das ist nicht schlecht, aber natürlich noch nicht da, wo wir hinwollen“, sagt Valentin Israel.
Da das Modell der Bruckmühler Schüler gut skalierbar ist, erhoffen sie sich, eine „Art internationale Bank zu werden, wie Revolut oder Mastercard, in der Größenordnung“, erklärt Valentin Israel. Er ist sich sicher, dass „CashXChain“ aber auch nicht ihre letzte Firmengründung ist.