„Ihr seid die Gestalter der Energiewende“

von Redaktion

101 junge Gesellen der Elektroinnung Traunstein freigesprochen – Martin Frenzel aus Neumarkt-St.Veit unter den Prüfungsbesten

Palling – Das moderne Handwerk setzt auf Tradition. Das wird spätestens deutlich, wenn es um die Freisprechung der Gesellen nach erfolgreicher Prüfung geht – eine Tradition, die bis in das Mittelalter zurückreicht. Kürzlich wurden nun in Palling 101 junge Gesellen der Innung für Elektro- und Informationstechnik Traunstein freigesprochen. Die Innung ist ein Zusammenschluss von elektrotechnischen Handwerksbetrieben in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf. Mit den jungen Gesellen feierten Vertreter aus den Ausbildungsbetrieben, Berufsschulen und der Kreishandwerkerschaft. Daneben waren viele Eltern und Familienangehörige anwesend.

Innungs-Obermeister Peter Müller würdigte in seiner Festrede die gute Zusammenarbeit mit den Bildungszentren der Handwerkskammer in Traunstein und Mühldorf und nicht minder mit den staatlichen Berufsschulen in Traunstein und Altötting. Auch hob er das hohe ehrenamtliche Engagement des Prüfungsausschusses unter der Leitung von Alois Ortner hervor: „Ohne das Ehrenamt gäbe es keine Prüfung in dieser Form und wir wären auch heute nicht an diesem Ort zum Feiern.“ Er lobte die Ausbildungsbetriebe für ihr Engagement für die jungen Auszubildenden.

Müller gratulierte den „frischen“ Gesellen und stellte ihren Eifer und Durchhaltevermögen heraus. Ihr Wissen und ihre Leistungsfähigkeit seien jetzt auf einem hohen Niveau. Zugleich schwor er sie auf ein lebenslanges Lernen ein. Das Elektro-Handwerk habe wahrlich „Goldenen Boden“, wie man es dem Handwerk schlechthin nachsagt: „Die Energiesituation verschlechtert sich seit Jahren unaufhaltbar und die zur Verfügung stehende Energiemenge ist nicht mehr konstant verfügbar. Ohne das Elektrohandwerk wird sich keine Lösung herbeiführen lassen.“

Die Aufgabe der jungen Kräfte sei es, den Kunden zu beraten und sinnvolle Lösungen umzusetzen. „Das kann keine Automation von selbst erledigen. Sie werden sich die künstliche Intelligenz (KI) zunutze machen müssen, aber die Ausführung bleibt weiter in ihrer Hand.“ Seine Wünsche an die jungen Leute fasste er so zusammen: „Glück und Gottes Segen, verschiedene Wege probieren und falsche Fährten schnell erkennen um dann die richtigen Abzweigungen zu finden.“

Studiendirektor Matthias Lang, ständiger Vertreter des Schulleiters an den Beruflichen Schulen Altötting, lobte die jungen Gesellen: „Sie haben sich für eine Ausbildung im Handwerk entschieden und diese erfolgreich abgeschlossen. Das ist aller Ehren wert!“ Weiterhin sagte er: „Sie werden entscheiden wie die Welt von morgen aussieht.“ Die Welt entwickle sich rasend, die jungen Leute müssten sich die Frage stellen, ob sie nur „Betroffener oder Gestalter“ sein wollen.

Prüfungsvorsitzender Alois Ortner ging auf die Gesellenprüfung ein und sprach von einem Grundstein für den beruflichen Werdegang. Die jungen Handwerker müssten nun lernen, selbstständig zu handeln und Verantwortung zu übernehmen. Nach der erfolgreichen Gesellenprüfung bestünde die Möglichkeit den Meister zu machen und sich selbstständig zu machen. Der Beruf sei der Richtige, um die „Welt zu retten“ und fördere nachhaltiges Leben. Die jungen Gesellen bezeichnete er als „die Gestalter der Energiewende“, die auch langfristig gute berufliche Zukunftsaussichten hätten.

Bei der Winterprüfung haben von 74 Teilnehmern 72 bestanden. Der Notendurchschnitt lag bei 2,9. Bei der Sommerprüfung haben von 31 Gesellen 29 bestanden. Hier lag der Notendurchschnitt aus Theorie und Praxis bei 2,5. „Wir haben die Corona-Delle endgültig überwunden“, sagte Ortner dazu.

Prüfungsbester in der Winterprüfung war Florian Ponn aus der Schönau vom Ausbildungsbetrieb Elektro Walch in Berchtesgaden mit einem Notendurchschnitt von 1,5, der auch in der praktischen Prüfung mit 1,3 die beste Bewertung aufwies. In der Sommerprüfung war Martin Frenzel aus Neumarkt-St.Veit vom Ausbildungsbetrieb H und ST Elektronik aus Mettenheim mit einem Gesamtschnitt von 1,4 Prüfungsbester.

Innungs-Obermeister Müller sprach die Ex-Lehrlinge gemäß einer alten Tradition von den Pflichten ihres Lehrverhältnisses frei und hob sie in den Gesellenstand, was von einem lang anhaltenden Applaus begleitet wurde. „Ich erhebe Euch hiermit feierlich in den Stand der Gesellinnen und Gesellen als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Ihr sollt immer Freude und Erfüllung an eurem Beruf finden, das Erlernte zu meisterlichen Fähigkeiten weiterentwickeln, und stolze Vertreter Eures Standes sein“, rief er den Gesellen zu. Im Nachgang wurden die begehrten Gesellenbriefe an die jungen Handwerker verteilt, die Prüfungsbesten wurden gesondert geehrt.

Ein fester Bestandteil der Freisprechung der Elektro-innung ist die Blaskapelle Emertsham – mit Elektro-Ehrenobermeister Otto Zach in ihren Reihen –, die die Freisprechungsfeier musikalisch bereicherte. Andreas Wittenzellner

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