Albaching/Rechtmehring – „Das ist der perfekte Bankraub“, so brachte Sebastian Linner, Bürgermeister von Rechtmehring, die drohende Übernahme der RSA aus Rechtmehring durch die zehnmal größere „meine Volksbank Raiffeisenbank“ (mVR) Rosenheim am vergangenen Freitag auf den Punkt. Die Interessengemeinschaft (IG) zur Rettung der RSA-Bank hatte zur Mitgliederversammlung ins Gasthaus Kalteneck in Albaching geladen und rund 300 der inzwischen 860 Mitglieder waren gekommen.
„Der Faktor Angst macht die Leute mürbe“, meinte Linner. Angst vor einem möglichen Aus der RSA mit Standorten in Rechtmehring, Albaching, Soyen, Wasserburg und München; die würden die mVR sowie die beteiligten Genossenschaftsverbände schüren.
„Einen Tod müssen
wir sterben“
Die RSA-Mitglieder wollen ihre Genossenschaftsbank aber nicht aufgeben. Und das, obwohl es laut dem Fachmedium Finanzbusiness bereits einen Fusionsplan gibt, an dessen Ende am 7. November 2026 die „technische Verschmelzung“ mit der mVR stehe.
„Einen Tod müssen wir sterben.“ Das sagten die Mitglieder an diesem Abend immer wieder: entweder die ungeliebte Fusion oder unter Umständen die Abwicklung der Bank in Eigenregie. Denn seit Sommer 2025 ist die RSA – zum Unverständnis ihrer Mitglieder und der ehemaligen Aufsichtsräte um Karl Fischberger – angeblich in einer Schieflage, müsse sie „gerettet“ werden.
Prüfer des Genossenschaftsverbandes hatten für 2024 Kredite im Wert von 70 Millionen Euro als ausfallgefährdet bewertet. Diese mussten folglich in der Bilanz als Verluste eingestellt werden, Fachleute nennen das Wertberichtigung. Die Folge: Der operative Gewinn von rund 15 Millionen Euro, für den Steuern bezahlt wurde, war weg und der Sicherungsfonds der Genossenschaftsbanken spannte einen „Schutzschirm“ für 60 Millionen Euro. „Das sind aber nur Bürgschaften“, betonte in der Versammlung unter anderem Florian Bauer.
Als „Retter in der Not“ erschien sogleich die mVR aus Rosenheim. Sie schloss einen Kooperationsvertrag mit der RSA-Bank und soll jetzt mit ihr fusionieren. Die Bank habe „keine dauerhaft tragfähige, eigenständige Zukunftsperspektive“, hatten die RSA-Vorstände Anfang März mit Verweis auf ein Sanierungsgutachten erklärt.
„Sie wollen, dass wir klein beigeben. Es wird darauf hinauslaufen, dass wir klein beigeben“, meinte zu Beginn der Veranstaltung noch Soyens Altbürgermeister Fischberger.
Fusion oder Untergang
als eigenständiges Haus?
Doch so einfach wollen die Mitglieder der IG nicht aufgeben. „Welchen Tod wollen wir sterben?“, fragte Bürgermeister Linner. Die Fusion oder der mögliche Untergang als eigenständiges Haus? Linner: „Ich mag mich wehren.“ „Das ist ein Bankraub mit Angst“, sagte Albachings Gemeinderat Franz Linner. „Warum sollen wir unsere Werte und Immobilien Rosenheim schenken?“ Das Eigenkapital belaufe sich auf rund 100 Millionen Euro, hieß es an dem Abend.
Gemeinderat Linner glaubt nicht an einen Zusammenbruch der RSA-Bank, das Sicherungssystem werde die Bank nicht fallen lassen. „Wenn das System nicht hilft, dann ist das System kaputt. Die malen an jede Wand fünf Teufel hin, damit wir Angst haben. Aber ich habe keine Angst. Ich sage: Ihr habt uns unsere Bank kaputt gemacht, aber wir machen euch euer Spiel kaputt.“ Langanhaltender Applaus.
„Es ist eine Unverschämtheit, was abläuft. Das ist furchtbar“, sagte Max Voglmaier, ehemaliger Vorstand der RSA-Bank. Seit 1934 sei keine Genossenschaftsbank mehr pleitegegangen. Die RSA-Bank sei für Rosenheim „ein Schnäppchen“. Sie bekäme kostenlos über 12.000 Kunden: Die RSA stehe wunderbar da, mit ihr würde ein „kleiner ländlicher, kundenfreundlicher Konkurrent“ verschwinden. Voglmaier: „Halten wir zusammen und bekämpfen die Fusion. Diese Bank ist es wert, um ihren Erhalt zu kämpfen.“ Langer Applaus.
„Der Kampf ist erst verloren, wenn man tot ist“, sagte Christian Huber aus Albaching. Wenn jemand Probleme mit seinem Hauskredit habe, würde er sein Haus auch nicht an den Nachbarn verschenken, er würde versuchen, es zu verkaufen. Wenn die RSA-Bank tatsächlich nicht zu halten sei, „dann werden wir nicht so deppert sein, sie zu verschenken. Sollen wir so blöd sein, 100 Millionen zu verschenken?“ Im schlimmsten Fall müssten die RSA-Vorstände das Vermögen für die Mitglieder bestmöglich verwerten. Huber: „Wir haben nichts zu befürchten. Stimmt komplett gegen die Fusion.“
Das Misstrauen gegen die Genossenschaftsverbände sitzt bei den Mitgliedern der IG tief, das war an diesem Abend zu spüren. Genährt wird das von Prüfern des Verbandes. „2023 war alles noch in Ordnung, 2024 dann plötzlich nichts mehr“, erklärte IG-Sprecher Karl Fischberger. Das seien die gleichen Prüfer gewesen, nur ihr Auftreten sei plötzlich ganz anders gewesen: „Die sind gekommen wie ein Exekutionskommando.“ Von den angemahnten Krediten sei seines Wissens nach bislang keiner ausgefallen. Für 2025 würden die Prüfer sicher wieder neue, gefährdete Kredite finden. „Man lässt uns da nicht raus.“
Enttäuscht
von der Politik
Auch die Politik enttäuscht die IG-Mitglieder. Bürgermeister Linner berichtete von einem Antwortschreiben von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, für das der Minister sechs Wochen gebraucht habe. Zu Aiwangers Ausführungen, die Linner verlas, sagte er immer wieder: „Das haben wir auch schon gewusst.“ Sein Fazit zur Politik: „Da hilft dir niemand.“
Die Vorstände der IG wollten den Mitgliedern keine Vorgaben machen. Sie wiesen immer wieder auf offene Fragen hin und betonten: „Geht zu den Veranstaltungen, fragt und dann entscheidet selber.“
Für den 13., 14. und 15. April hat die RSA-Bank laut IG zu Informationsveranstaltungen geladen. Für den 17. Juni ist nach Informationen von Finanzbusiness die Generalversammlung der RSA terminiert, für den 23. Juni die Vertreterversammlung der mVR und für den 17. Juli die Beurkundung des Verschmelzungsvertrags. Bei der Generalversammlung der RSA müssen 75 Prozent der anwesenden Mitglieder einer Fusion zustimmen. Nach drei Stunden war eindeutig: Die Mitglieder der IG werden nicht kampflos aufgeben. Sie haben Fragen, sie wollen Antworten. Der Tenor: Notfalls sind sie bereit, ihre Bank, die ihnen am Herzen liegt, auch selber abzuwickeln.