Töging – Den allergrößten Teil des Einkommens der Milchbauern macht das Milchgeld aus. Weil das Anfang 2025 erfreulich hoch war, wurde im Jahresschnitt ein guter Preis erzielt, der erst im Winterhalbjahr 2025 wieder abgesunken ist. Deshalb war das vergangene Jahr das beste Milchpreisjahr der Geschichte.
Inzwischen aber ist der Preis wieder deutlich gesunken, weil im vergangenen Jahr in der ganzen Welt zu viel Milch produziert wurde. Das erfuhren rund 220 Landwirte kürzlich bei der Mitgliederversammlung der Milcherzeugergemeinschaft (MeG) Altötting-Mühldorf im Veranstaltungszentrum Kantine. Nach dem Ausblick auf die nächsten Monate wurden sie auch über zwei Aspekte informiert, die ihre Betriebsführung optimieren könnten.
Teil der Milch ging
2025 in Biogasanlagen
Vorsitzender Richard Straubinger berichtete, dass das Jahr 2025 mit einem Milchpreis von im Durchschnitt 53 Cent pro Kilo begonnen habe, sich bis 55 Cent aufgeschwungen und zu einem Jahresdurchschnitt von 53,91 Cent geführt habe. Im August habe sich aber bereits abgezeichnet, dass die Anliefermengen aufgrund guter Futterqualität nicht zurückgehen, sondern um 15 Prozent über dem Vorjahreswert liegen. Gleichzeitig hätten die US-Zölle und das Kriegsgeschehen den Export in die USA erschwert, während China den Export von Milchpulver über seine Zölle gebremst habe.
„Auf der ganzen Welt war 2025 ein gutes Jahr für Milchbauern, sogar Italien hat Milch nach Bayern geliefert, weil die Italiener ihren Grana Padano nicht in die USA exportieren konnten“, erklärte Straubinger. „Nach dem Abklingen der Vogelgrippe in den USA wurde dort selbst wieder mehr Milch produziert.“ Die Folge: Im Herbst war Milch schwerer zu vermarkten, ein Teil ist laut Straubinger in Biogasanlagen gegangen.
Insgesamt haben die Mitgliedsbetriebe der MeG Altötting-Mühldorf, deren Zahl wegen Betriebsaufgaben von 724 auf zuletzt 698 gesunken ist, im letzten Jahr 265,8 Millionen Kilogramm Milch produziert. Pro Betrieb bekamen sie durchschnittlich 200.000 Euro Milchgeld von den sechs belieferten Molkereien.
Anfang 2026 aber fiel der Preis im Süden Deutschlands auf 42 Cent pro Kilo. „Die Bayern-MeG und Molkereien versuchen, wenigstens 40 Cent zu halten“, schloss der Vorsitzende.
Ganze Branche ahnte
den Absturz nicht voraus
Sebastian Kraus, Referent Milchvermarktung des Dachverbands Bayern-MeG, sprach von einem „lehrreichen Jahr 2025“, in dem „viel Unvorhergesehenes“ passiert sei. Anfang 2025 hätten sich die Molkereien noch um Milcherzeuger geschlagen und viele für die Bauern gute Milchkaufverträge verlängert. Dieses Mal aber habe sich die ganze Branche geirrt und nicht den großen Absturz geahnt, der ab September zu Preisrückgängen von bis zu zehn Cent innerhalb nur eines Monats geführt habe. „Unsere Preise sind deutlich langsamer runtergegangen“, bilanzierte Kraus. Anfang 2026 sei die Anlieferungskurve in Deutschland um sechs bis sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr weiter gestiegen. Das gelte auch EU-weit wegen der starken Milch-Nationen Frankreich, Niederlande, Irland und Polen sowie in Übersee.
Der Trend geht
zum Milch-Export
Die niedrigen Milchpreise würden immerhin helfen, Milchprodukte in den Markt zu bringen, doch sei es bei derzeit 3,60 Euro für ein Kilo Schnittkäse schwierig, 40 Cent pro Kilo Milch zu zahlen. Magermilchpulver liege immerhin preislich höher als in den letzten zwei Jahren. Der Trend gehe zum Export, der Mehrmengen aufnehmen könne. Das werde mittelfristig zu einer Erholung beim Milchpreis führen, so Kraus.
Entscheidender Faktor:
Gesunde Kühe
Die Prognose, der Preis für Biomilch werde analog zu konventionell erzeugter Milch sinken, ist ihm zufolge falsch. Er liege mit 65 bis 67 Cent noch sehr gut. Laut dem Referenten hoffen Milchviehbetriebe im Norden Deutschlands, von 36 wenigstens auf 38 Cent zu kommen. „Unklar ist, wie der Krieg im Nahen Osten den Markt noch beeinflussen wird“, schloss Sebastian Kraus. „Der Nahe Osten ist für Europa ein wichtiger Markt.“
Unabhängig von der Preisentwicklung sind gesunde Kühe, die möglichst viel Milch produzieren, für den Ertrag der Milcherzeuger ein entscheidender Faktor. An welchen „Stellschrauben einer guten Eutergesundheit“ man hier drehen muss, schilderte Dr. Corinna Schneider vom Tiergesundheitsdienst Bayern, die in Traunstein stationiert ist.
Erste Stellschrauben sah sie bei der Fütterung und einer ausreichenden Versorgung mit dem „billigsten und wichtigsten Futtermittel“: Wasser. Dies werde selbst in „Ställen für Millionen“ oft vernachlässigt. Wichtig sei außerdem, über die Einstreu mit Stroh oder Strohpellets für saubere Kühe zu sorgen und baulich zu verhindern, dass deren Schwänze im Laufgang im Kot hingen. Wenn sich eine Kuh im Liegen wohlfühle, gebe sie pro Stunde einen Liter Milch mehr. Zu guter Letzt wies die Referentin noch auf die Hygiene beim Reinigen der Zitzen vor dem Melken hin. Ihr Fazit: „Die Tiere, die weniger Milch geben als der Durchschnitt, bieten das größte Potenzial. Um die muss man sich kümmern.“
Ehrung verdienter
Mitglieder der MeG
Die Veranstaltung der MeG schloss mit der Ehrung ausgeschiedener Aufsichtsratsmitglieder. Richard Straubinger dankte dem Aufsichtsratsvorsitzenden Johann Berreiter sowie den Aufsichtsräten Reinhard Winterer, Karl Kollbeck und dem nicht anwesenden Vorstand Josef Ebenhofer für ihre Arbeit. Ein besonderer Dank galt Elisabeth Wagner, die seit 1983 in der Töginger Geschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbands arbeitet und die MeG bis zu ihrem Ruhestand als Teamassistentin begleitet.