Wacker gliedert Polysilicon-Sparte aus

von Redaktion

Kurz vor Ostern kündigte die Wacker Chemie an, ihre Sparte Polysilicon auszugliedern. Die Wachstumshoffnung des Konzerns soll ein eigenständiges Unternehmen werden. Von der Entscheidung sind weltweit 2.300 Mitarbeiter betroffen, davon 1.500 in Burghausen. Der Konzern plant zudem weitere Stellenstreichungen.

Burghausen/München – Kurz vor Ostern schreckte eine Nachricht aus München 2.300 Mitarbeiter der Wacker Chemie auf: Der gebeutelte Chemiekonzern, der nach einem Rekordverlust von 805 Millionen Euro im Jahr 2025 unter Druck steht, der sparen und Mitarbeiter abbauen möchte, plant, einen Teil seines Geschäfts auszugliedern – und zwar ausgerechnet einen der angedachten Wachstumsmotoren: das Polysilizium.

Zum 1. Januar 2027 soll der Geschäftsbereich Polysilicon ein eigenständiges Unternehmen werden. Der Bereich machte im vergangenen Jahr 883 Millionen Euro Umsatz, das operative Ergebnis betrug vor Abzug von Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) 96 Millionen Euro. Das waren 16 Prozent des Konzernumsatzes und 18 Prozent des Konzern-EBITDA.

Für dieses Jahr rechnete Wacker-Vorstandschef Dr. Christian Hartel bei der Bilanzpressekonferenz in diesem Bereich mit einem zweistelligen Umsatzwachstum. Polysilicon beschäftigt aktuell weltweit rund 2.300 Mitarbeiter, zwei Drittel davon in Burghausen: rund 1.500. Am Standort Burghausen hat Wacker insgesamt rund 8.000 Mitarbeiter, knapp die Hälfte der weltweit gut 16.500 Beschäftigten.

Das Polysilizium wird zum einen für Solaranlagen benötigt, zum anderen für Halbleiteranwendungen. Die Hoffnungen liegen dabei vor allem auf dem letzteren Bereich, da das Polysilizium auch für die Hardware für die künstliche Intelligenz benötigt wird. Dafür ging 2025 in Burghausen eine neue Fertigungslinie in Betrieb, die laut Hartel „das mit Abstand reinste Material auf dem Planeten“ herstellt.

Wacker setzt große Hoffnungen auf dieses Geschäftsfeld, wie es in der Pressemitteilung zum Jahresergebnis 2025 heißt: „Das Geschäft mit höchstreinem Polysilizium für Halbleiteranwendungen hat sich dagegen sehr positiv entwickelt. Im Geschäftsbereich Polysilicon wird der Umsatz voraussichtlich steigen.

Erwartet wird ein Plus im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Dabei rechnet das Unternehmen damit, dass die Absatzmengen im Bereich Halbleiterpolysilizium deutlich steigen werden.“

Jetzt also: Dieser Wachstumsbereich soll ein eigenständiges Unternehmen werden, wie die PNP zuerst gemeldet hat. Unternehmenssprecherin Manuela Dollinger bestätigt das gegenüber den OVB-Heimatzeitungen und innsalzach24.de: „Die Eigenständigkeit soll den Rahmen schaffen, das Polysilizium-Geschäft und die strategische Ausrichtung auf den Halbleiterbereich weiter voranzutreiben.“ Es soll eine neue Tochtergesellschaft geben, ähnlich wie bei Wacker Biotech. Dort sei das Biopharma-Geschäft organisiert.

„Das Polysilizium-Geschäft folgt anderen Regeln als das Geschäft in den Chemiebereichen oder im Biotech-Bereich“, begründet die Sprecherin diesen Schritt. „Mit der neuen Aufstellung will Wacker die Eigenständigkeit stärken, um das Polysilizium-Geschäft auch in Zukunft erfolgreich zu gestalten.“

„Die Unterschiede beginnen beim Herstellungsprozess und enden bei den Abnehmerindustrien“, erläutert die Sprecherin. Als Beispiele nennt sie die Zertifizierungen, die im Halbleitergeschäft notwendig seien. „Hinzu kommen Reinheitsanforderungen, die es sonst in der chemischen Industrie nicht gibt“, sowie ganz andere Kundenstrukturen und Lieferbedingungen. „Auf diese speziellen Endmärkte können wir uns genauer und besser mit einer eigenen Tochtergesellschaft einstellen.“

Die Tochter soll zum 1. Januar 2027 ihren Betrieb aufnehmen. Zu diesem Tag sollen alle Mitarbeiter von Polysilicon Teil der 100-prozentigen Wacker-Tochter werden. Die Details würden derzeit noch erarbeitet, schreibt die Wacker-Sprecherin. „In Deutschland haben dazu erste Gespräche mit dem Betriebsrat begonnen.“

Der Schritt werde keine Auswirkungen auf die Wacker-Bilanz haben, versichert Dollinger, da es eine voll konsolidierte Tochter werde. „Das bedeutet, dass Vermögenswerte, Aufwendungen und Erträge zu 100 Prozent in den Konzernabschluss der Wacker Chemie AG einfließen“, so Dollinger. Auch gebe es derzeit keine Pläne, Teile des neuen Unternehmens mittelfristig zu veräußern.

Das nimmt aber nichts vom Spardruck. Der gilt weiterhin – auch für den Bereich Polysilicon, schreibt die Wacker-Sprecherin: „Die Pläne zur Eigenständigkeit des Geschäftsbereichs Polysilicon haben nichts mit dem Kostenprojekt PACE zu tun.“ Mit dem im Oktober 2025 gestarteten Sparprogramm möchte Wacker weltweit jährlich über 300 Millionen Euro einsparen und weltweit über 1.500 Stellen abbauen. „Der Großteil davon in Deutschland“, schreibt das Unternehmen dazu immer wieder.

Auch ein halbes Jahr nach dem Start gibt es für Deutschland immer noch keine Details zum Stellenabbau, so die Wacker-Sprecherin: „Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern laufen. Es gibt hier keinen neuen Stand. Dazu, wann wir hier weitere Details nennen können, können wir aktuell keine Angaben machen.“

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