Rosenheim – „Barrieren aufbrechen, junge Menschen begeistern, Fachkräftemangel stoppen”, das ist der Grundgedanke, den TH-Vizepräsidentin Prof. Nicole Strübbe und CSU-Landtagsabgeordneter Daniel Artmann vermitteln wollen. Dafür setzen sich beide seit rund drei Jahren für „MINT“ ein. Der Begriff, der sich aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik zusammensetzt, kursiert bereits seit gut 20 Jahren in Deutschland. Seit 2023 gibt es auch eine vom Kultusministerium offiziell ernannte „MINT“-Region 18 in Südostoberbayern.
Interaktive Stationen an
der TH Rosenheim
So richtig konkret wird es allerdings erst, wenn daraus Projekte wie jetzt an der TH Rosenheim entstehen. Die Idee: „minTHROpia, ein Ort der Begegnung, bei dem an verschiedenen Stationen spielerisch die Aspekte eines technischen Elements vorgestellt werden”, erklärt Strübbe. Um es konkreter zu machen, nennt die Professorin ein Beispiel. „Nehmen wir das Bernoulli-Prinzip, das erklärt, wie Flugzeuge aufgrund des Druckunterschieds an den Tragflächen Auftrieb erzeugen.” Dieses Phänomen ließe sich an anschaulichen Experimenten simulieren.
„Gleichzeitig wollen wir aber auch einen Bezug dazu schaffen, welcher Beruf sich später mit dieser Technik beschäftigt“, sagt Strübbe. Dafür könnte man zum Beispiel mit einer VR-Brille selbst zum virtuellen Luftstrom werden, während ein Fertigungstechniker aus einem regionalen Unternehmen erklärt, wie er mit dem Bernoulli-Prinzip arbeitet.
„Dadurch schaffen wir es, die Begeisterung von Kindern und Jugendlichen zu entfachen“, ist auch Artmann überzeugt.
Der Kuratoriumsvorsitzende der TH war von der Idee begeistert und brachte sie in das Programm der CSU-Fraktionsinitiativen bei der Landesregierung ein. Dadurch werden voraussichtlich 550.000 Euro an Förderung als „Startschuss“ in die sogenannte „minTHROpia Science Arena“ fließen. Die Fraktionsinitiativen werden im April vom bayerischen Landtag beschlossen. (wir berichteten). Die Arena soll dort entstehen, wo bisher noch die Mensa der TH Rosenheim untergebracht ist. Dementsprechend hängen die Pläne auch vom Bau des neuen Technologieparks ab, in dem die neue Mensa Platz finden wird. „Aktuell rechnen wir mit Ende 2029, Anfang 2030“, sagt Strübbe. Mit ihr arbeiten derzeit fest zwei weitere TH-Mitarbeiter an „minTHROpia”.
Auch wenn der tatsächliche Start noch weit weg scheint, angesichts der zahlreichen Visionen ist der Zeitraum knapp bemessen. Neben den interaktiven Stationen ist ein zusammenführendes Element in der Mitte des Raumes geplant. Dort sollen alle Themenwelten wie Maschinenbau, Informatik, Werkstoffe und Elektrotechnik nochmals veranschaulicht werden. Das könnte zum Beispiel ein Auto oder ein Flugzeug sein, das alle Disziplinen vereint. Außerdem sollen ein „DLR-School Lab“, ein spezieller Bereich für das Thema Luft- und Raumfahrt (Eröffnung Ende 2026), sowie ein Elterncafé integriert werden.
„Es geht auch darum, die Eltern anzusprechen. Sie müssen wissen, dass es auch Angebote gibt, die ihre Kinder in den MINT-Bereichen fördern“, sagt Artmann. Ähnlich wie viele Schülerinnen und Schüler ein Musikinstrument lernen oder einer Sportart nachgehen, müsste man auch technische Alternativen anbieten. „Und zwar noch weit bevor man das studieren kann”, betont Artmann.
Zusammenarbeit von
Politik und Wirtschaft
Beiden Initiatoren ist dabei klar, dass es gegen den Fachkräftemangel mehr benötigt als gut eine halbe Million Euro von der Landesregierung. „Deswegen haben wir auch die ersten Unternehmen angesprochen, die das Projekt unterstützen werden“, stellt Strübbe in Aussicht. Mit der Zusammenarbeit von TH, Politik und Wirtschaft möchte man dementsprechend, ein bisher einzigartiges Angebot für jegliche Altersstruktur schaffen.
Wie die finale Arena aussieht, werden die kommenden Monate und Jahre entscheiden. Genauso, ob der Ansatz von „MINT“ in der kompletten Region rund um Rosenheim funktioniert. „Wir haben das ‚MINT‘-Programm erst 2023 gestartet“, sagt Strübbe. „Messbare Auswirkungen wird man vermutlich erst in zehn Jahren oder sogar mehr bestimmen können, aber wir sind von diesem Ansatz überzeugt.“