Stephanskirchen/Brannenburg – „Ganz kurz hatte ich neue Hoffnung“, sagte ein ehemaliger Arri-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, als er von einer sehr kurzfristig einberufenen Betriebsversammlung in München erfuhr. Über einen befreundeten Ex-Kollegen hörte der Stephanskirchener das, was einen Tag später offiziell wurde. Thomas Riedel, ein Spezialist für die Videoproduktionen von Live-Veranstaltungen, hat Arri übernommen.
„Keine Auswirkung
auf die Schließung“
Der Inhaber der Riedel-Gruppe aus Wuppertal erweitert damit sein Portfolio und möchte mit dem Licht- und Kameraspezialisten „neue Wachstumsfelder“ erschließen. Riedel kümmert sich seit 1987 vorwiegend um die Übertragung von Sportveranstaltungen und anderen Unterhaltungsformaten. Dass dieses Wachstum aber nicht mehr für Stephanskirchen und Brannenburg gilt, macht eine Nachfrage bei Arri deutlich. „Die erfolgte Transaktion hat auf die Schließung der beiden Standorte keine Auswirkung“, sagt Kevin Schwutke, Pressesprecher von Arri.
Im Juni 2025 kündigte das Traditionsunternehmen an, die Arbeit in der Region einzustellen. Betroffen waren sowohl die große Produktion und Entwicklung in Stephanskirchen als auch die Logistik in Brannenburg.
Laut den Mitarbeitern bekam nur ein Drittel der rund 150 Angestellten das Angebot, am Hauptsitz in München weiterzuarbeiten. Doch schon kurz nach dieser Ankündigung schien deutlich zu werden, dass einige nicht den Weg in die Großstadt mitgehen wollten.
Zu stark war die Verbindung in die Region Rosenheim, in der Arri seit 1953 produzierte. „Es herrscht eine gemischte Stimmung“, bestätigte auch Timo Hüther, Betriebsverantwortlicher für die IG Metall, kurz nach Abschluss der Verhandlungen. Wie viele der rund 150 Mitarbeiter nun wirklich in München unterkamen, ist unklar. „Wir treffen keine Aussage darüber, wie viele übernommen worden sind“, sagt Schwutke auf OVB-Nachfrage. Allerdings sollen zumindest die dortigen Arbeitsplätze auch nach der Übernahme erhalten bleiben.
Arri bleibt eigenes
Unternehmen
„Arri bleibt ein eigenes Unternehmen mit Hauptsitz in München“, heißt es seitens der Firma. Allerdings mit einem neuen Inhaber. „Thomas Riedel steht für unternehmerische Kontinuität und langfristiges Denken“, meint Chris Richter, Geschäftsführer von Arri, der sich auf die daraus ergebenden Marktchancen freue. Für Stephanskirchen und Brannenburg kommen diese Chancen allerdings zu spät. Am 31. Dezember 2025 wurde die Produktion wie geplant stillgelegt.
„Die künftige Nutzung der Flächen liegt somit außerhalb unseres Verantwortungsbereichs“, sagte Schwutke bereits kurz vor dem Auszug. Das Kapitel von Arri in der Rosenheimer Region ist somit wohl definitiv beendet.