Sanierungsexperte Markus Fauser Foto re
Wasserburg – Bisher galt Wasserburg als relativ sicherer Wirtschaftsstandort, auch weil hier die Lebensmittelindustrie (Molkerei Bauer und Meggle) die Hauptrolle spielt. Die letzte große Krise war in den 2010er-Jahren, als der Beschluss gefasst wurde, das Wacker-Werk zu schließen. 350 Arbeitsplätze fielen damals weg. Nur wenige Meter von diesem ehemaligen Standort des Chemieunternehmens entfernt ist jetzt eine andere Firma in Gefahr: die Wilhelm Gronbach GmbH mit Sitz nahe des Brummicenters in der Tegernau.
Anpassung an
Marktbedingungen
Dem Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung hat das Amtsgericht Rosenheim nach Unternehmensangaben stattgegeben. „Wir haben bereits in den vergangenen Monaten tief greifende Maßnahmen zur Anpassung an die veränderten Marktbedingungen eingeleitet. Mit dem nun gewählten Weg der Eigenverwaltung können wir diesen Sanierungsprozess bei vollem Geschäftsbetrieb und mit der notwendigen rechtlichen Sicherheit zu Ende führen“, erklärt Xaver Auer, Geschäftsführer der Gronbach Gruppe.
Gronbach befindet sich am Standort Wasserburg seit über einem Jahr in einem Sanierungsprozess. Es gab auch Kurzarbeit. Trotzdem kam für Bürgermeister Kölbl die Nachricht vom Insolvenzantrag überraschend, weil „ohne große Vorankündigung“. Am Donnerstagabend sei er informiert worden, so der scheidende Rathauschef, am Freitagmittag habe er mit dem Insolvenzverwalter ein erstes Gespräch geführt.
Das Insolvenzverfahren ist in den Augen von Kölbl eine Chance für das Unternehmen, weil es in Eigenverwaltung stattfindet und Gronbach so das Heft des Handels nach wie vor in der Hand hat. „Doch die Alarmglocken läuten“, räumt der Bürgermeister ein. „Ich hoffe, dass die Produktion aufrechterhalten werden kann“, sagt er, betont aber auch, dass das Risiko einer vollständigen Schließung der Produktion in Wasserburg nicht von der Hand zu weisen sei. Auf der Kippe ständen dann 180 Arbeitsplätze.
2021 hatte Gronbach im Stadtrat noch Erweiterungspläne vorgestellt, damals sollte östlich angebaut werden. Das Unternehmen gilt in Wasserburg als Vorreiter in puncto Nachhaltigkeit und Energieeffizienz, hat hier ein Top-Image.
Doch aus dem Ausbau wurde nichts. Stattdessen kam kurz danach die Krise, typisch derzeit für viele Zulieferer der Metallindustrie. „Die Branche verzeichnet seit Ende 2022 eine deutliche konjunkturelle Abschwächung. Die anhaltende Inflation und geopolitische Unsicherheiten führen zu einer ausgeprägten Investitionszurückhaltung der Endverbraucher, insbesondere im Segment Küchenmöbel und Haushaltsgeräte“, bedauert das Unternehmen. Zusätzlich habe eine strategische Volumenreduzierung und der Abzug von Kernprodukten auf der Großkundenseite die Geschäfte im vierten Quartal 2025 belastet. „Dieser Schritt zwang das Unternehmen zu einer kurzfristigen und tiefgreifenden Anpassung der Produktionskapazitäten und machte eine Intensivierung der bereits durchgeführten und weiter geplanten Sanierungsmaßnahmen erforderlich“, so die Verwalter.
Die Geschäftsführung am Standort Wasserburg bleibe im Eigenverwaltungsverfahren voll handlungsfähig und werde durch die erfahrenen Sanierungsexperten Markus Fauser und Johannes Chrocziel von der Kanzlei Anchor unterstützt, die als (Sanierungs-)Geschäftsführer fungieren.
„Wir werden uns nun mit aller Kraft um die weitere Sanierung kümmern und alles in die Wege leiten, um die Wilhelm Gronbach GmbH in Wasserburg zu stabilisieren und eine tragfähige Lösung zu erarbeiten“, betont Fauser von Anchor. Die Kanzlei betreut in der Region mehrere Verfahren ähnlicher Art. Das Eigenverwaltungsverfahren umfasse nur die Wilhelm Gronbach GmbH am Standort Wasserburg am Inn, die weiteren internationalen Standorte der Gruppe in Niederndorf (Österreich), Michalovce (Slowakei) und Laag (Italien) seien nicht Teil des Verfahrens.
Diese waren und sind finanziell und organisatorisch eigenständig, heißt es in einer Presseerklärung. Der Geschäftsbetrieb laufe an allen Standorten der Unternehmensgruppe, auch in Wasserburg, in vollem Umfang weiter. Die Löhne und Gehälter der rund 180 Mitarbeitenden seien für die Monate April bis Juni über das Insolvenzgeld gesichert.