Mettenheim – Dreimal jährlich informiert das Fachzentrum Rinderzucht des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Töging Milcherzeuger aus den Landkreisen Altötting und Mühldorf über die neueste Zuchtwertschätzung. Sie verteilen dabei DIN-A4-Tabellen mit Bildchen und Kenndaten von Zuchtbullen von sechs Besamungsstationen. Was wie eine Art Quartettspiel aussieht, hat einen ernsten betriebswirtschaftlichen Hintergrund.
Marco Wiesheu und Franziska Jäger zeigen den Züchtern und den wenigen Züchterinnen, welche Stiere Gewinner der Zuchtwertschätzung sind und bei welchen die Leistungen nachlassen. Anschließend zeigen sie für jeden Top-Stier seine wichtigsten Kenndaten, um dann ins Detail zu gehen. Aus einem übersichtlichen Diagramm wird dabei ersichtlich, bei welchen von 24 Kriterien ein Zuchtbulle besser als der Durchschnitt ist und bei welchen er schlechter abschneidet. Es geht dabei hauptsächlich um die Milchleistung der Nachkommen, aber auch um die Fleischqualität, denn beides zusammen entscheidet beim Fleckvieh über die Wirtschaftlichkeit der Tiere. Bei wichtigen Eigenschaften, auch solchen, die Einfluss auf die Gesundheit der Tiere haben, kann ein Züchter leichte Defizite ausgleichen, wenn er die Kühe entsprechend auswählt, die mit dem Samen des jeweiligen Bullen künstlich befruchtet werden. „Es kommt immer drauf an, wo man einen Stier drauftut“, erklärte dazu die von einem Milchviehbetrieb stammende Franziska Jäger in der deutlichen Sprache der Bauern.
Voraussetzung für eine passende Paarung ist allerdings, dass die Milchviehhalter ihre Kühe typisieren, das heißt, ihre Erbanlagen untersuchen lassen. Das bezuschusst das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus über das Programm „Gesundheit und Robustheit“. Vermittelt über den Zuchtverband Mühldorf unterstützen dann Berater des „Landeskuratoriums der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e.V.“ (LKV) die Landwirte vor Ort bei der regelmäßigen Ermittlung der Daten, die in die Zuchtwertschätzung eingehen.
„Im Zuchtverband Mühldorf beteiligen sich 371 Betriebe von rund 1200 aktiven am Programm, was eine neue Spitzenzahl ist“, berichtete Marco Wiesheu beim Kreuzerwirt. „Wir sind an einem Punkt, an dem wir keine weiteren Betriebe mehr aufnehmen können.“ Der Freistaat gibt laut Zuchtleiter Hans Vorderwestner nämlich derzeit keine Zusage für die Erhöhung der Fördersumme für die nächsten Jahre. In den nächsten ein bis zwei Jahren wolle die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) die Wirtschaftlichkeitswerte noch besser errechnen lassen, berichtete Wiesheu weiter. Dabei solle auch das Merkmal „Klauengesundheit“ in den Zuchtwert integriert werden, das seit einem Jahr berechnet wird. Das sei ein wichtiges, aber unbeliebtes Merkmal. Manche Betriebe überließen die „Klauenmeldung“, die man mindestens einmal jährlich pro Tier machen sollte, ihrem Klauenpfleger. Dabei käme es zu vielen Falschmeldungen.
Franziska Jäger wies ihr Publikum auf zwei Verlierer der aktuellen Zuchtwertschätzung hin und ging dann auf Stiere ein, deren Zuchtwert sich gesteigert hat. Dabei arbeitete sie heraus, dass zum Teil die Söhne schon bessere Zuchtwerte als ihr Vater aufweisen, weil die Qualität des Samens während der Entwicklung vom ein Jahr alten „genomischen Jungvererber“ zum vier bis fünf Jahre alten „nachkommengeprüften Bullen“ nicht konstant bleibt.
Ein Besucher erklärte, die „Strichlänge“, also die Länge der vier Zitzen einer Kuh, sei für den Einsatz von Melkrobotern einer der wichtigsten Faktoren. Bei kurzen Zitzen könne der Roboter nicht richtig ansetzen. fud