Stefan Neumeier bleibt Obermeister der Bäcker-Innung

von Redaktion

Jahresversammlung der Innung Berchtesgadener Land-Traunstein – Zahl der Betrieb sinkt weiter, aber mehr Auszubildende

Traunstein/Berchtesgadener Land – Der Konzentrationsprozess im Bäckerhandwerk hält unvermindert an. Das betonte Stefan Neumeier, der alte und neu gewählte Obermeister der Bäcker-Innung Berchtesgadener Land-Traunstein bei der Jahresversammlung der Innung in Bad Reichenhall. Hauptursache für das Bäckersterben sei die mühevolle Suche im Rahmen einer Nachfolgeregelung sowie der Fachkräftemangel, wie Neumeier mit Blick auf den Zehn-Jahres-Vergleich betonte. Die Zahl der Bäckereien in Bayern ist von 2.608 Betrieben im Jahr 2015 auf nur noch 1.962 im vergangenen Jahr geschrumpft.

Verkaufs-Filialen statt Handwerksbäckereien

Dem Trend folgend sind die Betriebe in der heimischen Innung von 52 auf 37 Bäckereien geschrumpft, was einem Rückgang von rund 30 Prozent entspricht. Daraus lasse sich der Konzentrationsprozess ablesen. Gibt ein Bäcker seinen Betrieb auf, werde dieser häufig von größeren Mitbewerbern übernommen, die Standorte bleiben oft als Verkaufs-Filialen erhalten.

„Schließt eine familiengeführte Bäckerei, verschwinden alte Rezepte oft für immer“, machte er deutlich. „Ein Kulturgut und das Herz einer Ortschaft gehen verloren“, sagte er. Dies sei mit der Schließung einer Dorfwirtschaft vergleichbar.

Trotzdem zeigte er sich optimistisch: Zuletzt seien steigende Lehrlingszahlen bei den Bäckern und den Fachverkäuferinnen zu verzeichnen gewesen, was auch auf die seit Jahren engagiert durchgeführte Berufs-Informations-Messe (BIM) zurückzuführen sein dürfte.

Mit Blick auf die weltpolitische Gesamtlage stellte er die sich auch für das Handwerk verschärfenden Probleme heraus. Diese reichen von den gerade für das Bäckerhandwerk essenziellen Energiepreisen über sich abzeichnende Engpässe für Beiprodukte, die sich in brüchigen Lieferketten zeigen.

Forderung nach
Entlastungsmaßnahmen

Die Forderung an die Politik sei klar, so der Obermeister: Man müsse durch eine konsequent wirtschafts- und mittelstandsfreundliche Politik resilienter gegen Extrem-Schocks werden. „Und wenn es notwendig ist, müssen gezielte Entlastungsmaßnahmen gerade für Mittelstands- und Handwerksbetriebe zeitnah bereitgehalten werden.“

Prüfungsvorsitzender Klaus Schneider ging auf die Sommerprüfung des vergangenen Jahres ein: „Vielleicht haben wir das Tal auf niedrigem Niveau durchschritten.“ Die Teilnehmerzahlen in der vergangenen Zwischenprüfung seien vorsichtig ermutigend. Prüfungsbester Geselle in der vergangenen Gesellenprüfung war Andreas Wagner mit jeweils der Note Eins in Theorie und Praxis.

Werbewart Andreas Neumeier sensibilisierte für die verstärkte Lehrlingsgewinnung und den „Mut“, sich öffentlich mit seinen Produkten zu zeigen. Kreiha-Geschäftsstellenleiterin Manuela Deneri brachte den verstärkten Einsatz von Social-Media-Aktionen zur Sprache, der von den Anwesenden begrüßt wurde.

Im Überblick der Aktivitäten der Innung, die in diesem Jahr in Traunstein und Bad Reichenhall eine öffentliche Brotprüfung mit sieben beteiligten Innungsmitgliedern durchgeführt hatte, standen auch die Stollenprüfung auf dem Berchtesgadener Adventsmarkt sowie das Innungs-Engagement bei der Traunsteiner BIM, die ganz der Lehrlingsgewinnung gewidmet war. Die BIM wurde von der Bayerischen Staatsregierung als eine der besten Berufsorientierungsmaßnahmen in Bayern prämiert, wie Deneri unter Applaus berichtete. „Wir haben eine tolle Arbeit und brauchen uns damit nicht verstecken“, machte Bäckermeister und Kreishandwerksmeister Gerhard Kotter Werbung für die Ausbildungsmesse.

Im Nachgang wurden die Zahlen der Jahresrechnung des vergangenen Jahres vom Dagmar Sinzinger von der Kreiha präsentiert. Den ausgeglichenen Zahlen wurde nach dem Bericht der Rechnungsprüfer Josef Deisenseer und Andreas Zechmeister ohne Gegenstimme zugestimmt, dem Vorstand und der geschäftsführenden Kreiha Entlastung erteilt. Einstimmigkeit herrschte später auch beim vorgestellten Haushaltsplan für das laufende Jahr.

Im Rahmen der turnusgemäß stattfindenden Neuwahlen wurde Obermeister Stefan Neumeier in seinem Ehrenamt bestätigt. Neu im Amt ist sein Stellvertreter Franz Neumeier. Als weitere Vorstandsmitglieder wurden Gerhard Kotter, Andreas Neumeier, Alfons Neumeier und Frank Lehrbach ebenfalls einstimmig gewählt.

Daneben wurden diverse Ausschüsse neu besetzt: Meisterbeisitzer im Gesellenprüfungsausschuss sind Klaus Schneider, Alfons Neumeier, Franz Neumeier, Franz Xaver Neumeier, Michael Kotter, Manfred Bichler, Andreas Neumeier, Martin Unterreiner und Stefan Neumeier.

Den Ausschuss für Berufsbildung besetzen Lehrlingswart Gerhard Kotter und Franz Neumeier. Den Ausschuss für Lehrlingsstreitigkeiten führen Gerhard Kotter, Alfons Neumeier und Franz Neumeier. Für den Rechnungsprüfungsausschuss sind Josef Deisenseer und Andreas Zechmeister gewählt.

Prüfungen auch auf
Afghanisch oder Syrisch?

In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um die Frage, Prüfungen auch in den jeweiligen Landessprachen Afghanisch und Syrisch abzufragen. Hier wurde aber vermerkt, dass diese gesetzlich nur in deutscher Sprache vorgesehen seien, was aber dem Facharbeiterbedarf entgegenstehe. Kreishandwerksmeister Kotter betonte, dass es aber hier durchaus Möglichkeiten zum verstärkten Erlernen der deutschen Sprache gäbe, die auch in Anspruch genommen werden sollten.

Ehrungen für langjährige Treue

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