Rosenheim – Sommelière, Krankenpflegerin, Gastronomin, Erfinderin: Langweilig wird Sophia Clemente wohl so schnell nicht. Kein Wunder also, dass es auch gar nicht so einfach ist, sie zu einem Gespräch mit dem OVB zu erreichen. „Ich bin gerade für ein paar Monate in der Türkei und arbeite hier vorübergehend für ein Start-up, das die Lieferplattformen für die Gastronomie optimieren möchte“, berichtet sie am Telefon.
Von der Krankenpflegerin zur Weinexpertin
Spätestens im Sommer will sie aber zurück in der Region Rosenheim sein, um wieder ihrer Leidenschaft nachzugehen: Weinverkostungen anzubieten. Aufgewachsen im Landkreis Mühldorf, wo ihre Eltern ein italienisches Restaurant betreiben, entwickelte sie früh einen Bezug zur Gastronomie. Nach einer Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Psychiatrie, kehrte sie bald in die Wirtschaftsbranche zurück und legte 2024 die Prüfung bei der IHK zur Sommelière ab.
Doch die 30-Jährige störte etwas an ihrem Beruf. „Wenn ich viele verschiedene Weine probieren möchte, sehe ich danach schrecklich aus“, meint sie. Grund dafür sind die Farbstoffe sowie die natürliche Säure des Rebsaftes. „Die Säure greift die Zähne an und sorgt dafür, dass sie anfälliger für Verfärbungen werden“, erklärt die Sommelière. Vor allem beim Genuss von verschiedenen Weinen kann dadurch das zuvor strahlende Lächeln schnell verschwinden.
Vor rund eineinhalb Jahren kam Clemente auf eine Idee. „Ich wollte etwas entwickeln, das die Zähne schützt, gleichzeitig aber den Geschmack des Weins nicht verändert.“ Daher nahm sie Kontakt zu einem Kosmetikproduzenten aus Hamburg auf und entwickelte ihre eigene chemische Verbindung. Das Ergebnis ist eine Art Gelee-Paste, die mithilfe eines kleinen Sprays aufgebracht werden kann. „Mit einem Sprühstoß lässt sich die Paste in den Mund befördern. Dort lässt sie sich problemlos wie eine Art Gelee über die Zähne verteilen“, erklärt die Erfinderin. Das Ganze sei absolut unschädlich und vor allem geschmacksneutral.
Eine Idee, die auch beim Rosenheimer Gründerpreis überzeugte. „Sophia Clemente hat eine klare Vision und löst Probleme, die sie selbst erlebt hat“, sagt Dr. Manfred Ertl, Berater bei den Aktiven Wirtschaftssenioren und Juror beim Gründerpreis. Er ist überzeugt, dass der Bedarf in der „High-End-Kosmetik“ vorhanden sei und das Konzept damit sogar international konkurrenzfähig wäre. Beim Rosenheimer Gründerpreis reichte ihr Businessplan für den zweiten Platz und ein Preisgeld von 2.500 Euro.
Paste als Teil
einer Kosmetik-Serie
Momentan gibt es die Paste nur als Prototyp. Clemente hat allerdings schon einige Ideen im Kopf. Unter dem Namen „Care for taste“ könnte das Spray die erste Erfindung einer Serie werden, die sich auf Kosmetikprodukte in dieser Branche spezialisiert. „Denn auch mit Kaffee, Tee oder Zigaretten hat man ein ähnliches Problem“, beschreibt die 30-Jährige. Auch einen Lippenstift oder eine Mundspülung könnte sie sich in ihrer „Care for Taste“-Serie vorstellen.
Bis es die Paste im Handel zu kaufen gibt, wird es allerdings wohl noch ein wenig dauern. Zumal Clemente sich aktuell ganz alleine um die Weiterentwicklung kümmern muss. Als nächsten Schritt möchte sie das Produkt auf einigen Weinmessen präsentieren. „Wenn Fachleute aus der Branche meine Idee gut finden, dann hat sie wirklich Potenzial“, ist sie überzeugt.