Burgkirchen – Die Zukunft der chemischen Industrie Bayerns und Deutschlands hat am 30. April im Chemiepark Gendorf offiziell begonnen. Das war die Botschaft von Dr. Christoph von Reden, Geschäftsführer des Standortbetreibers Infraserv Gendorf bei der Veranstaltung „GENfuture“. Vor über 90 Gästen aus Politik, Industrie und Verbänden gaben von Reden und unter anderem der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer und der Landtagsabgeordnete Martin Huber den symbolischen Startschuss für das „Start-up-Launchpad“. Es soll der Startpunkt für Weltmarktführer von morgen sein.
Aus Ideen industrielle
Wirklichkeit machen
Unter dem Titel „Home of Bavarian Deeptech“ wirbt Infraserv in einer neuen, bunten, hippen Aufmachung jetzt gezielt um Start-up-Unternehmen. Infraserv biete ihnen im Chemiestandort die Chance, aus ihren Ideen industrielle Wirklichkeit zu machen, erklärte von Reden. Hier sollen „mutige Ideen wachsen können“. „Deeptech steht für Innovation und Disruption“, erläuterte von Reden. Gendorf soll ein Standort für Unternehmen sein, „die das Potenzial haben, zu neuen Weltmarktführern zu werden, die nicht einfach Bestehendes verbessern und effizienter machen“, sondern die Herausforderungen bewältigen wollen. Er nannte zum Beispiel Klimaneutralität, geschlossene Kreisläufe, Upcycling, Biotechnologie und kritische Rohstoffe. „Es geht um komplett neue Technologien und Verfahren.“ Für von Reden ist das nicht nur eine Antwort auf die aktuellen Herausforderungen für den Chemiepark Gendorf, sondern auch für die Probleme der chemischen Industrie: Die kämpfe mit den „weltweit höchsten Energiekosten, gepaart mit einer Regulierungswut, die Produktion und Gestaltungsmöglichkeiten lähmt und somit Wachstum verhindert.“
Dem möchte Infraserv nicht tatenlos begegnen. Von Reden: „Wir wollen als Standort ein starker Baustein der bayerischen Startup-Offensive werden.“ Gendorf soll von einem historischen Chemiestandort „zu einem Standort mit einer anderen Zukunft“ werden: „Wir wollen wieder eine Aufbruchgeschichte schreiben.“
Dazu setzt Infraserv auf das „Start-up-Launchpad“, von dem aus die Neuen „direkt durchstarten können“, verspricht von Reden. Herzstück ist die 3.500 Quadratmeter große Fläche „Base ONE“, die speziell für Pilotanlagen junger Technologieunternehmen konzipiert wurde. Gas-, Wasser-, Dampf-, CO- und weitere Medienleitungen sind nach Unternehmensangaben dort bereits verlegt und ermöglichen einen schnellen Produktionsstart. Ergänzt werde das durch ein voll ausgestattetes Gebäude, in dem auf 300 Quadratmetern Büros, Kollaborations- und Meeting-Zonen sowie Sozialbereiche zur Verfügung stehen. Infraserv bietet dazu auch das technische und juristische Fachwissen, um Anlagen aufbauen und betreiben zu können. „Wir packen an, wir denken um die Ecke, wagen den Aufbruch“, unterstreicht von Reden.
Wirtschaftsminister Aiwanger lobte diese Verbindung zwischen Bewährtem und Neuem. Genau das sei nötig. Damit könne die Chemie „als Zukunftstechnik, als Querschnittstechnik, als Grundlagentechnik“ auch wieder in ein neues, positives Licht rücken, wieder attraktiv werden. Aiwanger: „Dann ist Deutschland wieder gerettet. Damit kommen wir wieder aus der negativen Stimmung heraus.“
„Wir wollen nicht sterben“, unterstrich Aiwanger. „Mit diesem Ansatz werden wir nicht sterben.“ Es sei Aufgabe der Politik, das zu unterstützen: „Wir müssen ermöglichen. Wir müssen uns freuen über neue Geschäftsideen.“ Das „Start-up-Launchpad“ ist nicht Theorie. Das Münchener Start-up Tozero plant hier bereits das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien. Pruvia aus Fürth möchte hier Europas größte Anlage für thermochemisches Recycling errichten. Und Caphenia, das an der synthetischen Herstellung von Flugkraftstoffen arbeitet, möchte hier bis 2030 eine Anlage bauen, um Wasserstoff aus Methan abzuspalten.
Infraserv
unterstützt
Mit diesem Angebot ist „Gendorf für uns der ideale Standort“, sagte Dr. Ksenija Neumann, Geschäftsführerin und Co-Gründerin von Tozero. „Wir können uns vollständig auf unsere Technologie konzentrieren, während Infraserv Gendorf uns bei Genehmigungen, Infrastruktur und operativen Fragen unterstützt.“ Ihre Mitgründerin Sarah Fleischer ergänzte: „Wir wären nicht so weit gekommen, wenn wir nicht hierhergekommen wären.
In zehn Jahren gibt es hier wohl mehr Start-ups als Großunternehmen.“