Rosenheim/Hamburg – Es ist Samstagmorgen, 2.30 Uhr in der Früh, und der IT-Experte von Amazon, Zalando oder Apple wird plötzlich von einem lauten Alarmton seines Handys aus dem Schlaf gerissen. Das Verkaufssystem der Marktgiganten ist ausgefallen und es können keine Bestellungen mehr in den Warenkorb gelegt werden. Es bleibt wenig Zeit, um das Problem zu lösen. Denn jede Minute kostet Millionen von Euro.
Albtraum für
jeden Informatiker
„Das ist der Albtraum für jeden Informatiker“, beschreibt Benjamin Hofmann, selbst IT-Spezialist und Gründer des Start-ups „Hyground“, das fiktive Beispiel. Denn wenn die kritische Software in einem Großkonzern streikt, geht es um jede Sekunde, um den Fehler zu erkennen und zu beheben. Das Problem: „Je komplizierter und umfassender die Software, desto mehr Möglichkeiten für Fehler gibt es“, meint Hofmann. Im Hintergrund laufen Tausende Server, die auf der ganzen Welt verteilt sind. Alleine die Störung zu erkennen, kann daher lange dauern.
Und genau hier setzt „Hyground“ an. Um im Beispiel zu bleiben: Schon bevor der hauptverantwortliche Informatiker eines großen Online-Händlers morgens aus dem Bett geklingelt wird, analysiert eine künstliche Intelligenz die möglichen Fehler und erarbeitet Lösungsvorschläge. „Diese Fehleranalyse spart enorm viel Zeit und damit unter Umständen sehr viel Geld“, meint Hofmann.
Um diese Idee weiterzuentwickeln, hat sich der gebürtige Braunschweiger im Rosenheimer Gründerzentrum Stellwerk 18 niedergelassen. „Ich hatte anfangs noch keine Ahnung, wie und ob sich so etwas vermarkten lässt“, beschreibt Hofmann, der für die Münchner IT-Firma „MaibornWolff“ arbeitete. Doch zusammen mit seinem dortigen Kollegen Bastian de Groot und dem Vertriebsspezialisten Dominik Rehbock wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit. Da seine Kollegen in Hamburg arbeiteten und die Förderung in der Hansestadt etwas schneller ging, gründeten sie im Juni 2025 dort ihre Firma.
„Ich habe durch das Stellwerk trotzdem eine Menge gelernt und tausche mich nach wie vor mit vielen aus dem Gründernetzwerk aus“, sagt der Informatiker.
Ein knappes Jahr später ist bereits klar, dass der Ansatz funktioniert. „Die Reisendeninformation der Deutschen Bahn setzt Hyground regulär ein und steigert so die Effizienz und Stabilität ihrer IT“, bestätigt ein Sprecher der Deutschen Bahn. Das Unternehmen ist einer der ersten Kunden für Hofmann und seine Mitgründer. Mittlerweile ist das Team auf elf Mitarbeiter angewachsen.
Kundenstamm
weiter ausbauen
Im März 2026 stiegen zudem vier Investoren aus dem IT-Bereich mit rund drei Millionen Euro in „Hyground“ ein.
„Das Potenzial ist enorm“, bilanziert Moritz Steinbrecher, leitender Direktor von Partech, einem der vier Investoren. Für das Team von „Hyground“ gilt es nun, ihre Lösung an die großen Konzerne zu bringen. „Wir werden versuchen, unseren Kundenstamm weiter auszubauen“, kündigt Hofmann an.
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