Inzell – „Wir durchlaufen noch immer sehr bewegte, turbulente und nicht immer leichte Zeiten.“ Das betonte der Obermeister der Metzger-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Innung, die am Mittwochabend in Inzell unter guter Beteiligung der 22 Mitgliedsbetriebe stattfand. Reiter betonte, dass sich der Wareneinkauf nach wie vor auf einem „sehr hohen“ Preisniveau bewege und fügte hinzu: „Vor allem beim Rindfleisch ist von Entspannung keine Spur zu erkennen.“ Auf nötige Preisanpassungen reagiere der Verbraucher preissensibel, was de facto einem Umsatzrückgang in der Branche gleichkomme.
Die Personalsituation sei „weiterhin sehr angespannt“, was nicht nur für das Verkaufspersonal gelte, sondern auch für die Lehrlingszahlen – obwohl man in der Ausbildungsvergütung im Vergleich einen Spitzenplatz einnehme. Man müsse sich gezwungenermaßen mit den Alternativen Onlineverkauf, Verkaufsstätten ohne Verkaufspersonal oder dem Containerverkauf auseinandersetzen. Im Verkauf sei gemäß einer landesweiten Erhebung die Hälfte des Personals über 55 Jahre alt. „Das wird in ein paar Jahren teilweise existenzbedrohend.“ Reiter ging auf die Verbandsinitiative zur Anwerbung von Auszubildenden aus dem Ausland ein, beispielsweise aus Vietnam. „Aus Erfahrung kann ich sagen, man braucht Nerven und Geduld. Aber es lohnt sich!“ Explizit gelobt wurden die Landwirtschaftsminister auf Bundes- und bayerischer Ebene, der gelernte Metzgermeister Alois Rainer und Michaela Kaniber. Das Metzgerhandwerk fühle sich politisch gut vertreten.
Mit Blick auf die Innungsaktivitäten ging Reiter auf die Fronleichnamsprozession in Traunstein im vergangenen Jahr ein, an der man sich als Innung – das jahrhundertealte Zunftkreuz tragend – beteiligt habe. Am Regionaltag im Juli vergangenen Jahres unter dem Motto „Wald und Wild“ habe man mitgewirkt. Die Resonanz der Besucher sei großartig gewesen; sie seien von der hervorragenden Qualität der Produkte begeistert gewesen. „Diese Veranstaltung ist für unsere Innung ein Aushängeschild.“ Beim diesjährigen Regionaltag, der am Sonntag, 19. Juli, unter dem Motto „Milch und Käse“ stattfindet, werde man sich wieder mit einem Verkaufsstand beteiligen.
Mit Blick auf die letztjährige Gesellenprüfung mit der theoretischen Prüfung in Traunreut und der praktischen in Traunstein sagte Reiter, zwei Metzger und vier Verkäuferinnen seien zu wenig. Insgesamt seien derzeit 22 Lehrlinge in Ausbildung, was umgelegt auf 22 Betriebe im Schnitt einen Lehrling pro Betrieb bedeute – wobei viele im Verkauf bei den großen Lebensmittelhändlern ihre Ausbildung machten. Die Innungsbetriebe müssten in ihren Ausbildungsaktivitäten aktiver werden. Man werde sich auch in diesem Jahr wieder an der Berufsinformationsmesse (BIM) im Bildungszentrum der Handwerkskammer beteiligen, die vom Dienstag, 29. September, bis Donnerstag, 1. Oktober, stattfindet. Der Obermeister warnte: „Wenn wir fast keine Azubis mehr haben, dann sieht es in einigen Jahren sehr schlecht aus, vor allem im Verkauf.“ Er würdigte das ehrenamtliche Engagement der Innungsmitglieder und der Kreishandwerkerschaft, die sich bei den gemeinsamen Veranstaltungen einbrächten, und plädierte dafür, verstärkt um neue Innungsmitgliedschaften zu werben – seien doch eine Reihe von Betrieben in der Handwerksrolle eingetragen, gleichzeitig jedoch oft nicht Innungsmitglied.
Kreishandwerkerschafts-Geschäftsstellenleiterin Manuela Deneri präsentierte nochmals Zahlen zur letztjährigen BIM, bei der man mit über 1.400 Schülern eine Rekordbeteiligung erzielt hatte. Das über zehn Jahre andauernde Engagement und der enorme Erfolg wurden mit dem „Boby“-Preis des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gewürdigt.
Dem Anfang Januar verstorbenen Mitglied Katrin Rührgartner, einer Institution in Traunstein, gedachten die anwesenden Mitglieder mit einer Schweigeminute. Reiter betonte, dass Rührgartner die Innung stets umfangreich und tatkräftig unterstützt habe.
Im Nachgang legte Dagmar Sinzinger von der Kreishandwerkerschaft die Jahresrechnung 2025 vor, die ein leicht negatives Ergebnis aufwies. Dem positiven Votum der Rechnungsprüfer Gerhard Aicher und Hermann Braunsperger folgend wurde der Vorstand ohne Gegenstimme entlastet. Auch der Haushaltsplan für das laufende Jahr wurde einstimmig angenommen. Die beiden Mitglieder des Rechnungsprüfungsausschusses wurden in ihrem Ehrenamt einstimmig bestätigt.
Die meisten Innungsmitglieder gehören der Vereinigung oft schon seit Jahrzehnten an. Der Vorstand nutzte die diesjährige Hauptversammlung, um sechs selbstständigen Metzgermeistern mit dem Goldenen Meisterbrief seinen Dank für die Treue zur Innung und zum Metzgerhandwerk auszusprechen. Ihre Meisterprüfung und die spätere Eintragung in die Handwerksrolle liegen teilweise schon bis zu fünf Jahrzehnte zurück – weit über der Schwelle von mindestens 35 Jahren. Den Goldenen Meisterbrief erhielten Obermeister Reiter, Hermann Braunsperger, Gregor Magg, Hans Spitzauer, Rudolf Trinkberger und Johann Winklmair.
Svenja Fries, stellvertretende Geschäftsführerin des Fleischerverbands Bayern, ging im Nachgang auf neue Verkaufsstrategien für das Metzgerhandwerk ein, die vom Onlineshop über den Containerverkauf reichten. Automaten und Smartstores würden aktuell „an jeder Ecke entstehen“, betonte Fries. Gleichzeitig entstünden mehr und mehr Hybridstores, in denen nur noch an einigen Tagen in der Woche Fachpersonal verkaufe; an den übrigen Tagen würden SB-Produkte angeboten. Längere Diskussionen gab es um die von der Innung bei Ausbildungsmessen genutzte VR-Brille, die gerade bei jungen Menschen sehr gut ankomme. Mit dem virtuellen Tool, mit dem Interessierte in die Welt der Metzger eintauchen und diese in digitaler Form erleben könnten, erziele man großen Erfolg.wz