Traunstein – Sorgenvoll blicken die Verantwortlichen der heimischen Bau-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land auf die aktuelle Entwicklung auf dem Bau, wo man veränderte, aber vor allem auch verlässliche Rahmeneckdaten vermisse. Das betonte Obermeister Thomas Maier kürzlich in Traunstein im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Innung und der parallel dazu stattfindenden Hauptversammlung des Berufsförderungswerks des Baugewerbes, einem Verein, der sich insbesondere der beruflichen Bildung des heimischen Bau-Nachwuchses und der Mitarbeiter verschrieben hat.
Die Kassen sind
weiterhin knapp
Der Mitgliederstand liegt aktuell bei 75 Mitgliedern. Vier zum Jahresende ausgeschiedenen Mitgliedern stehen drei neue gegenüber. Neu dazugekommen sind Johann Abstreiter Bau aus Siegsdorf, Heinz Kecht Erd- und Tiefbau aus Siegsdorf und Rico Zeiser Isoliertechnik aus Surberg. Die Jahresbauleistung der heimischen Mitgliedsbetriebe betrug zum Jahresende rund 280 Millionen Euro, die Lohnsumme lag deutlich über 55 Millionen Euro. Trotz steigender Zahlen warnte er: „Die Produktivität stagniert.“ Staatliche Aufträge würden vor dem Hintergrund knapper Kassen ausbleiben.
Für die Innung hätten die letzten Jahre sinkende Beitragseinnahmen und einen zunehmenden Mitgliederrückgang bedeutet. Gleichzeitig biete die Innung über die Kreishandwerkerschaft für die Mitgliedsbetriebe in den beiden Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land einen unverändert hohen Service an, was gerade auch für Ausbildung und Prüfung der Lehrlinge gelte. Maier forderte ein Umdenken in der Ausgabenpolitik und stellte unter anderem auch die allerorts beliebte Werkzeugkistenaktion infrage. Der Obermeister und der Innungsvorstand plädierten zum Vermögenserhalt in Innung und Berufsbildungswerk sowie für ein moderates Gegensteuern und eine – im Verlauf der Versammlung beschlossene – moderate Beitragserhöhung für die Innungsmitglieder.
Der außerordentliche Rückgang der Bautätigkeit führe zu einem starken Preisverfall. Es herrsche ein harter Wettkampf mit von ihm scharf verurteilten Dumpingpreisen. Man müsse mit erträglichen Preisen auskommen, sagte er mit Blick auf andere Gewerke wie beispielsweise Elektro und Heizung/Sanitär. „Die Rahmeneckdaten passen nicht mehr“, sagte er mit Blick auf Grundstückspreise, Steuern und die Verunsicherung von Investitionswilligen, wofür er viele – zum Teil ausbleibende, aber vor allem wenig planbare – politische Entscheidungen mit verantwortlich machte. „Notwendige Reformen werden nicht angepackt“, monierte der Obermeister.
Kritik übte er an der Gründung von kommunalen Wohnbauunternehmen, in denen Vergaben im Verhandlungsverfahren erfolgten. „Ohne Submissionsergebnis wird gehandelt wie im türkischen Basar. Die momentane Situation wird schamlos ausgenutzt“, schimpfte Maier.
Prüfungsvorsitzender Josef Valentiner und Kreiha-Geschäftsstellenleiterin Manuela Deneri, in Vertretung für Lehrlingswart Andreas Di-Qual, gingen auf die zurückliegende Zwischenprüfung ein, die 27 Teilnehmer erfolgreich bestritten. Die Gesellenprüfung legten 34 Maurergesellen erfolgreich ab. Die aktiv an der Prüfung beteiligten Ehrenamtlichen, aber auch die Mitwirkenden in den Berufsschulen in Traunreut und Freilassing sowie im Bildungszentrum der Handwerkskammer wurden gewürdigt. Aktuell würden 91 Lehrlinge in den drei Lehrjahren die Bauberufe erlernen.
Anschließend legte Kassenwart Ludwig Kaiser die Jahresrechnung 2025 für die Innung und das Berufsförderwerk vor. Die Innung schloss mit einem leicht negativen Jahresergebnis ab. Das Berufsförderungswerk machte einen leichten Verlust, der aufgrund der umfangreichen Fördertätigkeit eingeplant war.
Dem zustimmenden Votum der Rechnungsprüfer Ferdinand Brandl, Andreas Graßl und Robert Sax folgend wurden Vorstand, Kassenwart und Geschäftsführung ohne Gegenstimme entlastet. Auch der vorgelegte Haushaltsplan für das laufende Jahr wurde für beide – mit Stimmenmehrheit beziehungsweise einstimmig – angenommen. Die drei Mitglieder des Rechnungsprüfungsausschusses wurden in ihrem Ehrenamt einstimmig bestätigt.
Obermeister Maier stellte sich bei der ordentlichen Wahl wieder zur Verfügung und wurde wie sein Stellvertreter Kaindl ohne Gegenstimme gewählt. Als Vorstandsmitglieder wurden Bernhard Fuchs, Andreas Di-Qual, Ludwig Kaiser, Bernhard Posch, Siegfried Rehrl und Josef Valentiner gewählt. Für den Gesellenprüfungsausschuss wurden für die kommenden fünf Jahre als Meisterbeisitzer Valentiner, Brandl, Di-Qual, Florian Eder und Josef Hogger gewählt. Rechnungsprüfer sind weiterhin Brandl, Graßl und Sax.
Im Berufsförderwerk wurden Maier als Vorsitzender, Kaindl als sein Stellvertreter und Norbert Memminger als weiteres Mitglied der Vereinsleitung ohne Gegenstimmen gewählt. Andreas Graßl wurde als Stimmberechtigter für die Vollversammlung der Kreishandwerkerschaft gewählt. Für den Rechnungsprüfungsausschuss wurden Brandl, Graßl und Sax gewählt.
Eine besondere Würdigung seiner ehrenamtlichen Tätigkeit wurde Norbert Memminger zuteil. Für 24 Jahre Mitgliedschaft im Prüfungsausschuss wurde er von Obermeister Maier mit der Silbernen Ehrennadel der Handwerkskammer geehrt.
Reise mit
unbestimmtem Ziel
Abschließend ging Thomas Schmid, Geschäftsführer des Landesverbands Bayerischer Bau-Innungen für Oberbayern, auf aktuelle Themen rund um das Bau-Handwerk ein und machte deutlich, dass sinkende Mitgliedszahlen auch auf die Finanzen des Verbandes durchschlagen würden. Dies beträfe auch die 60 bayerischen Bau-Innungen.
Er betonte die Schwierigkeiten, die sich für die Bauunternehmer aktuell durch stark schwankende Preise für Rohstoffe ergäben. „Wir wissen nicht, wo die Reise hingeht“, machte er die Risiken deutlich.