Zahl der Insolvenzen so hoch wie selten zuvor

von Redaktion

Die Zahl der Insolvenzverfahren in der Region Rosenheim steigt seit fünf Jahren kontinuierlich an. Allein im ersten Quartal 2026 wurden bereits 41 Verfahren eröffnet und damit mehr als im gesamten Jahr 2022. Warum es so viele sind und wohin der Trend im Jahr 2026 geht.

Rosenheim – Es ist eine beunruhigende Statistik, wenn man auf die Rosenheimer Insolvenzen der vergangenen fünf Jahre blickt. Allein im ersten Quartal 2026 finden sich für Rosenheim unter den Bekanntmachungen im bundesweiten Justizportal mehr Einträge (41) als im gesamten Jahr 2022 (31). In dieser Auswertung landen sämtliche Unternehmens- sowie Privatinsolvenzverfahren, die beim Rosenheimer Amtsgericht eröffnet werden.

192 Insolvenzen
im Jahr 2025

Der Höchstwert der vergangenen fünf Jahre wurde im Jahr 2025 erreicht, als 192 Insolvenzverfahren eröffnet wurden.

Neben Privatpersonen finden sich dort unter anderem Gastrobetriebe, IT-Start-ups oder Möbelhersteller. Die Firma Kathrein gehörte 2025 zu den prominentesten Namen bei den Insolvenzen. Gleich drei Sparten sowie die Hauptgesellschaft, Kathrein SE, meldeten Insolvenz an.

Doch wie besorgniserregend sind die aktuellen Statistiken? „Die Zahl der gestellten Insolvenzanträge unterliegt grundsätzlich Schwankungen“, sagt Dr. Nicole Cujai, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rosenheim. Ihr Anhaltspunkt sind vorwiegend die Insolvenzgeld-Anträge, die jeden Monat bei der Arbeitsagentur landen. Dabei handelt es sich im Gegensatz zu den Verfahren vor Gericht um einen Antrag auf eine Art „finanzielle Soforthilfe“ für die Unternehmen. Wie viele dieser Anträge tatsächlich in Anspruch genommen werden, ließe sich auf Agenturebene jedoch nicht nachvollziehen.

Was sich aber ablesen lässt, sind die beschriebenen Schwankungen: Anfang 2026 lagen im Geschäftsbezirk der Agentur Rosenheim 156 Insolvenzgeldanträge vor, 2025 waren es zum selben Zeitpunkt 265, im Jahr 2024 dagegen nur 67.

Anhand dieser Statistik ließ sich laut Cujai auch der Einfluss der Corona-Pandemie deutlich erkennen. So reichten Ende 2019 knapp 900 Unternehmer innerhalb eines Monats einen Antrag auf Insolvenzgeld ein.

Mittelständler zeigen sich
vergleichsweise robust

„Die Ursachen dafür sind vielschichtig und auf ein Zusammenspiel struktureller Rahmenbedingungen sowie übergeordneter wirtschaftlicher und geopolitischer Einflüsse zurückzuführen“, meint Cujai. Im Rosenheimer Agenturbezirk zeigen sich demnach vor allem die mittelständisch geprägten Unternehmen robust, während es vermehrt kleinere oder frisch gegründete Firmen trifft.

„Handwerk in diesem
Trend bis jetzt außen vor“

Zumindest die Handwerksbetriebe scheinen weniger von der potenziellen Pleitenwelle zu spüren, wie der Rosenheimer Kreishandwerksmeister Rudolf Schiller bestätigt. „Zum Glück ist das Handwerk in diesem Trend bis jetzt außen vor“, meint er. Zwar sei die Lage in manchen Branchen nicht einfach, und sowohl die Energiepreise als auch die Lieferengpässe machten einigen Betrieben zu schaffen. „Doch bisher meistert das Handwerk die Aufgaben, die auf uns zukommen“, sagt Schiller.

„Die Zahl an Insolvenzen ist noch keine, die im Rückblick auf die letzten 20 Jahre herausragt“, bilanziert Florian Reil, Pressesprecher der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern. Sollten sich aber die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen nicht bessern und das versprochene Wirtschaftswachstum ausbleiben, sei in den kommenden Jahren mit steigenden Unternehmensinsolvenzen zu rechnen, sagt er. „Bei unseren Beratungen vor Ort in der Region sehen wir aber noch keinen signifikanten Zuwachs an Krisen- oder Insolvenzgesprächen“, meint Florian Reil.

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