Rechtmehring/Wasserburg – In einer Information, die an alle Mitglieder verschickt wurde und die der Redaktion vorliegt, fasst der RSA-Vorstand unter dem Titel „Zukunft meistern“ noch einmal alle in den vergangenen Wochen in Dialogveranstaltungen aufgeführten Argumente für die Fusion zusammen. Dafür braucht es am Mittwoch, 17. Juni, 75 Prozent der Stimmen der anwesenden Mitglieder. Sie sollen in der Generalversammlung über die Fusion mit der „meine Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim“ entscheiden. Die Schicksalsversammlung findet im Zelt des Frühlingsfests in Wasserburg am Badria statt, das dafür extra stehen geblieben ist.
Für Stabilität und
Leistungsfähigkeit
Die Analysen im Zusammenhang mit dem Sanierungskonzept würden zeigen, „dass eine Fortführung des Bankhauses RSA in der bisherigen Form in keinem Szenario wirtschaftlich tragfähig ist“, heißt es im Schreiben an die Mitglieder, das von Vorstand Klaus Hatzel, Vorstand Oliver Müller und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Augustin Seidinger unterschrieben worden ist. Die „meine Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim“ sei der geeignete Partner, der die „notwendige Stabilität, Leistungsfähigkeit, Erfahrung und regionale Nähe für die anstehende Sanierung und Verschmelzung“ mitbringe. Ein „Nein“ zur Verschmelzung sei keine tragfähige Alternative: „Weder die Fortführung noch eine Eigensanierung wären möglich.“
Der Sprecher der RSA-Bank, Armin Sieber, führt im Gespräch mit der Redaktion weiter aus, warum der Erhalt der Eigenständigkeit für die RSA nicht möglich sei. Das Geldinstitut sei mit dem Jahresabschluss 2024 in Schieflage geraten. Dieser wurde im Frühjahr 2025 vorgestellt, die Problematik damit öffentlich. Doch die grundlegenden Probleme hätten Wurzeln, die viel weiter zurückliegen würden. Die RSA-Bank habe in den vergangenen Jahren „einen heißen Wachstumsreifen gefahren“, will heißen laut Sieber: Das überdurchschnittlich starke Wachstum habe auch auf Krediten basiert, für die hohe Risiken eingegangen worden seien.
Diese würden die wirtschaftliche Stabilität des Hauses stark belasten. Das strukturell nicht ausgewogene Wachstum sei nicht ausreichend durch Eigenkapital und Ertragskraft abgesichert. Die Vermutung, riskante Immobiliengeschäfte in München, hätten ausschlaggebend zur Misere geführt, weist Sieber zurück: „Das war nicht kriegsentscheidend“, betont er.
Sieber weist auf ein weiteres Problem hin: Die RSA-Bank sei „konsequent unterpersonalisiert gewesen“. „Überarbeitete Mitarbeiter“ hätten in einem hochregulierten Geschäftsumfeld mit vielen Herausforderungen tätig sein müssen. Derzeit gelte die RSA als „Sanierungsfall“, deshalb sei es schwer, Personal zu halten oder neues zu gewinnen. „Uns laufen die Leute weg.“
Ohne den Rettungsschirm des Genossenschaftsverbandes wäre die RSA schon nach Bekanntwerden des Jahresabschlusses 2024 „insolvent“ gewesen. Ohne Fusion werde die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eingreifen müssen: Das könnte von erhöhten Kreditauflagen bis zum Entzug der Banklizenz reichen. Sehr wahrscheinlich sei die Bestellung eines Sonderbeauftragten, der dann ein hartes Downsizing-Regime etablieren könnte.
Die Fusion trage die RSA nicht zu Grabe, sondern gebe ihr eine Zukunft in der Region, ist Sieber überzeugt. Das Geschäftsgebiet werde als neue Vertriebsdirektion weiter bestehen. Für 75 Prozent der Mitarbeitenden werde sich nichts ändern, für 25 Prozent der Fahrweg. Nur für die Geschäftsstelle in Wasserburg sei eine Zusammenlegung der Filialen mit Rosenheim nicht auszuschließen.
Die Fusion sei ein hochemotionales Thema, räumt der Sprecher der RSA-Bank ein. Die über 125 Jahre alte Bank habe die Region sehr geprägt und die Schicksale vieler Menschen als Finanzierungspartner aktiv begleitet. Sie habe sich selbst den Slogan „angenehm anders“ gegeben, dieses Leitmotiv hätten viele Mitarbeiter, Mitglieder und Kunden sehr geschätzt. Die Aufgabe der Eigenständigkeit sei ein schmerzliches Kapitel, doch fest stehe auch: „Es gibt keine Idee, wie es ohne Fusion weitergehen könnte.“
Alle Szenarien
wurden durchsimuliert
Auch die Mitglieder der VR-Bank Rosenheim müssen der Fusion übrigens zustimmen. Deshalb stellen sich viele die Frage, warum es sich die große Genossenschaftsbank antut, eine als risikobehaftet geltende kleine Krisen-Bank zu übernehmen. „Die sind sehr gut aufgestellt, die schaffen das“, ist Sieber angesichts der Kapitalkraft der großen VR-Bank Rosenheim überzeugt.
Hätte es nicht auch einen anderen Partner gegeben? Nein, sagt Sieber. Ein externes Institut habe alle Szenarien durchsimuliert. Und 25 Banken angeschaut, ob sie übernehmen könnten. Sechs seien in die engere Wahl gekommen, nur die Rosenheimer seien fähig, die Übernahme und Sicherung zu stemmen. „Es gibt eine Zukunft mit der VR-Bank, es gibt jedoch keine Zukunft für eine RSA-Bank.“
Über die Positionen der Interessengemeinschaft „Rettet die RSA-Bank“ berichten wir im Anschluss.