Rosenheim – Der Begriff „Transformation“ mag oft an Hollywood-Spektakel erinnern, doch im Wirtschafts- und Behördenalltag geht es um handfeste Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit. Dies bewies das Digital-Event „Real Transformers“ im Rosenheimer Gründerzentrum Stellwerk 18. Die hochkarätig besetzte Veranstaltung des DigitalHub Bayern, bei der Digitalminister Dr. Fabian Mehring und regionale Experten über Infrastruktur, Cybersicherheit und den Erfolgsfaktor Mensch diskutierten, zeigte eindrucksvoll, wie aus technologischem Potenzial echter, messbarer Mehrwert für die Region entsteht.
Geopolitische
Notwendigkeit
Den strategischen Auftakt des Nachmittags machte der bayerische Staatsminister für Digitales, Dr. Fabian Mehring, mit seinem Vortrag. Mehring weitete den Blick auf die globale Bühne und betonte, dass Digitalisierung längst kein reines Wohlfühlthema mehr sei, sondern eine Frage der geopolitischen Selbstbehauptung. In Zeiten zunehmender internationaler Spannungen und professioneller Cyberangriffe müsse Europa dringend seine technologische Eigenständigkeit stärken und digitale Abhängigkeiten abbauen. „Wir dürfen uns im digitalen Raum nicht schutzlos von internationalen Tech-Giganten oder autokratischen Systemen abhängig machen“, warnte der Minister.
Bayern gehe hier als KI- und Hightech-Standort entschlossen voran. Mehring plädierte leidenschaftlich dafür, den Fokus auf die Praxis zu lenken: „Wir müssen aufhören zu beklagen, was wir im Vergleich zum Ausland nicht haben, und stattdessen unsere eigenen industriellen Datenmodelle aufbauen. Dort liegt unsere Chance, in den Schlüsselbranchen Weltmarktführer zu bleiben.“ Er betonte zudem, dass Digitalisierung in den Köpfen beginne: „Wenn wir das Silicon Valley der Zukunft sein wollen, dann müssen wir den Wert der Gegenwart sichern. Wir müssen jungen Leuten Bock auf Zukunft machen“.
Wie die vom Minister geforderte digitale Unabhängigkeit und Sicherheit vor Ort realisiert werden kann, diskutierten die Experten im anschließenden Panel. Anton Schauer, CTO der komro GmbH, unterstrich nachdrücklich, dass eine zukunftssichere und robuste Infrastruktur – wie das flächendeckende Glasfaser-Kabelnetz der komro in Rosenheim – das Fundament bildet. Ohne die sprichwörtliche „Datenautobahn“ bleiben Cloud-Anbindungen oder KI-Anwendungen reine Theorie. Dass die Daten der Region auch physisch geschützt sein müssen, verdeutlichte Bernhard Huter, CEO der emc Home of Data GmbH, der als Moderator durch die Runde führte. Regionale, hochsichere Rechenzentren und eine ausfallsichere Multi-Standort-Architektur seien der Schlüssel, um die sensiblen Daten des Mittelstands vor Cyberkriminalität und Ausfällen zu schützen und gleichzeitig die europäische Datensouveränität zu garantieren.
Anton Schauer, CTO der komro GmbH, schlug die Brücke zur praktischen Umsetzung im Betrieb und betonte, wie wichtig agile Weiterbildungskonzepte seien, um den rasanten Wandel zu begleiten. Als sehr gelungenes Beispiel lobte Schauer ein neunmonatiges Schulungsprogramm im Rahmen des „KI-Transfer Plus“-Projekts. Dieses habe Unternehmen in der Region geholfen, künstliche Intelligenz von der Führungsebene bis zum Sachbearbeiter im echten Geschäftsalltag zu verankern und konkrete, wertschöpfende Anwendungsfälle umzusetzen.
Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan (SPD) verdeutlichte die kommunale Perspektive. Für ihn ist klar: Digitalisierung im Rathaus betrifft die Verwaltung und die Bürgerdienste gleichermaßen und muss einen echten Servicevorteil bringen. Im Rahmen der städtischen „Digitalstrategie 2035“ gelte es, Prozesse effizienter zu gestalten – auch um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Mit einem Augenzwinkern berichtete Erdogan, dass er nach seinem Amtsantritt überrascht gewesen sei, mit wie vielen verschiedenen Softwareanwendungen (weit über 300) eine Stadtverwaltung jonglieren müsse. Die Umstellung gewohnter Abläufe brauche Zeit, da rechtliche und finanzielle Strukturen der öffentlichen Hand hochkomplex seien.
Einig war sich das gesamte Podium darin, dass Technologie niemals losgelöst vom Menschen betrachtet werden darf.
Ohne Akzeptanz
kein Wandel
Digitalminister Dr. Mehring brachte es schließlich auf den Punkt: Eine echte „digitale Dividende“ – also spürbare Entlastung und Effizienz – entstehe erst dann, wenn man den Mut besitze, alte, analoge Zöpfe ganz abzuschneiden und Prozesse radikal neu zu denken, anstatt sie nur stumpf zu kopieren. Dabei dürfe man die Mitarbeiter jedoch niemals verlieren: „Wir müssen die Psychologie und die Mitnahme der Menschen, die seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag für unseren Staat und unsere Städte leisten, in dieser gesamten Transformationslogik immer im Blick behalten“, mahnte Mehring. Nur wer Ängste abbaut und die Belegschaften befähigt, wird den Wandel erfolgreich gestalten.