„Regionalbanken können weiter bestehen“

von Redaktion

Interview Dr. Christoph Kaserer über den anstehenden Schicksalstag der RSA-Bank

Rechtmehring – Am Mittwoch, 17. Juni, ist der Schicksalstag der RSA-Bank: Dann soll die Generalversammlung in Wasserburg über die Fusion mit der „meine Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim eG“ entscheiden. Der Niedergang des Bankhauses mit Hauptsitz in Rechtmehring und Geschäftsstellen in Soyen, Albaching, Wasserburg sowie München gilt als Beispiel für das Bankensterben auf dem Land: Kleinere Geldinstitute haben schwer zu kämpfen. Ein Kampf gegen Windmühlenflügel? Professor Dr. Christoph Kaserer von der Technischen Universität München, Dekan der TUM-School of Management, beschäftigt sich intensiv mit regulatorischen Fragen und dem Kapitalmarkt. Im OVB-Interview erklärt der 62-Jährige, wie er die aktuelle Lage der Banken auf dem Land bewertet.

Die Zahl der Genossenschaftsbanken sank laut Bundesverband von über 7.000 im Jahr 1970 auf 670 im Jahr 2024. Der Fusionsdruck ist anscheinend gewaltig. Was sind die Gründe?

Aus meiner Sicht gibt es hierfür zwei wesentliche Treiber. Zum einen führt die digitale Transformation (zum Beispiel das Online-Banking) dazu, dass erhebliche Investitionen notwendig sind. Diese rechnen sich für größere Einheiten schlicht besser als für kleine. Zum anderen ist es aber auch der enorme Aufwuchs an Regulierung. Die Kosten, die die Banken dafür zu tragen haben (zum Beispiel für das Personal), sind erheblich, und sie fallen umso mehr ins Gewicht, je kleiner die Bilanzsumme ist.

Gibt es überhaupt noch Überlebenschancen für kleinere, ländliche Regio-Banken? Wenn ja, was müssen sie tun, um sich zukunftsfähig aufzustellen?

Die gibt es, aber wahrscheinlich nur durch ein klar fokussiertes Geschäft, das insbesondere die Bedürfnisse des ländlichen Raums abdeckt. Einfach nur klassisches Universalbankgeschäft anzubieten, wird sicherlich nicht die Lösung sein. Vielmehr wird man durch maßgeschneiderte und personalisierte Angebote überzeugen müssen. Nur so wird man weiterhin hinreichend hohe Kundenbindung erzeugen können. Bei austauschbaren Dienstleistungsangeboten wird man zumindest auf Kooperationen mit größeren Einheiten setzen müssen. Gerade im Genossenschaftssektor scheint mir das aber heute schon der Fall zu sein.

Die RSA hatte in den vergangenen Jahren, bis zur Krise 2024/2025, stets mit hohen Wachstumsraten auf sich aufmerksam gemacht. Sie sei zu schnell gewachsen, heißt es aus dem Prüfungsverband. Nicht wachsen, das gefährdet die Zukunft einer Bank, wachsen also auch? Gibt es eigentlich ein Patentrezept für gesundes Wachstum eines Geldinstituts?

Nein, das gibt es nicht. Für jedes Wachstumsmodell wird man gute und schlechte Beispiele finden. Letztlich hat das auch etwas mit Managementfähigkeiten zu tun. Aber angesichts der bereits eingangs genannten Entwicklungen sind Banken auch gezwungen zu wachsen – oder zumindest durch Kooperationen Größenvorteile zu realisieren.

Schuster bleib bei deinen Leisten. Diese Binsenwahrheit wird oft im Zusammenhang mit der RSA genannt. Sie machte als Regionalbank mit Sitz im Landkreis Mühldorf und Rosenheim auch große Immobiliengeschäfte in München. Ungewöhnlich, auffällig oder durchaus üblich für ein ländliches Geldinstitut?

Ob es üblich ist, kann man nicht sagen. Aber sicherlich findet man immer wieder ähnlich gelagerte Beispiele. Und manchmal geht es gut, manchmal auch schief. Um den vorliegenden Fall einzuordnen, müsste man die Details dieser Geschäfte kennen.

Wenn es zur Fusion kommt, wie wird sich diese auf Kreditnehmer, etwa aus dem Mittelstand in der Region, und Privatkunden auswirken? Die RSA erweckt den Eindruck, außer dem Namen werde sich kaum etwas ändern.

Zuerst einmal muss man sehen, dass das Bankgeschäft, gerade im ländlichen Raum, immer noch „people business“ ist. Das heißt, persönliche Kontakte der Bankmitarbeiter zu ihren Kunden spielen eine große Rolle. Diese Kontakte gehen durch eine Fusion nicht notwendigerweise verloren. Denkbar wäre ja, dass in der fusionierten Einheit die gleichen Mitarbeiter weiterhin für die gleichen Kunden zuständig sind. Auch könnte man die Filialen weiterbetreiben. Ob das im konkreten Fall aber so kommen wird, lässt sich – jedenfalls für einen Außenstehenden – schwer sagen. Die Erfahrung zeigt, dass Kostendegressionen durch Filialschließungen und (natürlichen) Mitarbeiterabbau erreicht werden.

Mitglieder von Genossenschaftsbanken sind ja auch Miteigentümer „Ihrer“ Bank. Ein Konzept in Zeiten der Bankenkonzentration, das eine Zukunft hat? Wird sich der Markt auf einige große Häuser konzentrieren oder haben Regional-Banken noch eine Chance?

Regionalbanken können weiterhin am Markt bestehen, wenn sie die richtige strategische Positionierung finden. Es wird aber in Zukunft weniger davon geben, weil der ökonomische Druck, sich zu größeren Einheiten zusammenzuschließen, weiterhin da sein wird. Ebenso wird dabei eine Rolle spielen, wie sich die Kundenpräferenzen entwickeln. In dem Maße, wie Kunden digitale Bankdienstleistungen als normal oder gar wünschenswert erachten, in dem Maße werden persönliche Kontakte eine geringere Rolle spielen. Und das wird sich dann zum Nachteil von kleineren, ländlichen Instituten auswirken.

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