Das Schicksal der RSA-Bank ist besiegelt

von Redaktion

Für das Bankhaus RSA mit Hauptsitz in Rechtmehring ist eine Entscheidung gefallen. In der Nacht auf Donnerstag stimmten die Mitglieder nach stundenlangen Debatten im Wasserburger Festzelt mit 81 Prozent für eine Fusion. Dem Votum waren hitzige Diskussionen vorausgegangen.

Wasserburg/Rechtmehring/ Soyen/Albaching – Die Autoschlange zeigte schon eine Stunde vor Beginn das große Interesse an der Generalversammlung des Bankhauses RSA: Die Pkw stauten sich bis zum Wasserburger Kreisel. Am Parkplatz wies die Feuerwehr die Wagen ein, vor dem Zelt gab es immer wieder eine längere Schlange Richtung Einlass. 1.400 Mitglieder mit über 1.800 Stimmrechten nahmen gespannt im Zelt Platz.

Angespannte
Stimmung

Die Stimmung vor Beginn der Schicksalsversammlung, die, vorbehaltlich der Zustimmung der „meine Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim“, das Ende der Eigenständigkeit einläuten wird: gespannt, aber nicht so aufgeregt wie bei der vorherigen im November 2025. Umfangreich waren die Mitglieder schließlich im Vorfeld vom RSA-Vorstand mit Klaus Hatzel und Oliver Müller über die Hintergründe der in den Augen des Genossenschaftsverbands notwendigen Sanierung informiert worden. Die Presse war erneut nicht zugelassen zur Versammlung. Ruhig und unaufgeregt wirkte auch Karl Fischberger, ehemaliger Aufsichtsrat und Sprecher der Interessengemeinschaft „Rettet die RSA-Bank“.

„Wir haben alles versucht“, sagte der Altbürgermeister von Soyen vor dem Eintritt ins Festzelt. Die IG habe sich in hunderten Stunden in die schwierige Materie rund um die finanzielle Schieflage des Geldinstituts eingearbeitet, viele Gespräche geführt und immer wieder die Tatsache kritisch hinterfragt, dass 2024 aus der Erfolgs- auf einmal eine Sanierungsbank geworden sei. Jetzt sei die Stunde der Entscheidung gekommen, die Mitglieder müssten über den weiteren Weg abstimmen.

Franz Linner, Dritter Bürgermeister von Rechtmehring, Hauptsitz der RSA, und Mitverfasser eines Briefes, der kurz vor der Versammlung die geplante Fusion noch einmal kritisch hinterfragt hatte, deutete auf Anfrage vor Beginn nur an: Es gebe noch viele Fragen, auf die der Genossenschaftsverband und der RSA-Vorstand sowie Aufsichtsrat den Mitgliedern Antworten schuldig wären.

Kampflos gaben viele „ihre“ Bank nicht auf, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Nach den Berichten des RSA-Vorstands, des Aufsichtsrats und der Prüfer des Genossenschaftsverbands hagelte es Kritik und Fragen, trotz des Schreckensszenarios, das die Berichte heraufbeschworen. Nicht 60, wie anfangs mitgeteilt, sondern über 100 Millionen Euro an ausfallgefährdeten Krediten, zu wenig Eigenkapital, zu schnelles Wachstum, Personalschwund: Ohne Sicherheitsschirm des Genossenschaftsverbands drohe das Aus. Und ohne Fusion ein Einschreiten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Ein Schreckgespenst, mit dem das endgültige Ende des Bankhauses verbunden wird. Denn es drohen zahlreiche Repressalien bis hin zum Entzug der Banklizenz.

Das wollte die Mehrheit nicht riskieren. Schließlich geht es um ihr Geld, um ihre Einlagen, um ihre Kredite. Und um über 100 Arbeitsplätze. Nach sechs Stunden fiel weit nach Mitternacht die Entscheidung für die Fusion mit der „Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim“, 75 Prozent der Anwesenden mussten die Verschmelzung befürworten. 81 Prozent taten es: in geheimer Abstimmung.

Ob die Nachricht von der möglichen Rückkehr des Ex-RSA-Vorstands Andreas Thalmeier, der als Vertriebsleiter das Geschäftsgebiet der fusionierten RSA leiten soll, geholfen hat? Die große Mehrheit sah keine andere Chance, als die Fusion zu unterstützen. Sie sei die einzige Möglichkeit, die Bank zu retten, als Teil der zehnmal größeren VR-Bank Rosenheim. Die Kritiker der Fusion begegneten dieser mit einer großen Portion Skepsis. Die Großen schlucken die Kleinen, David gegen Goliath: Ein Bild, das immer wieder im Raum stand, wie am Morgen danach aus Teilnehmerkreisen zu erfahren war.

Der IG-Vorstand wiederholte in einem Statement seine scharfe Kritik am Genossenschaftsverband, „bei dem wir Gesetz Mitglied sind und der per Gesetz das ausschließliche Recht hat, die Bank zu prüfen“.

Vom eigenen Verband fühlt sich die IG im Stich gelassen. Das Bankhaus sei aufgrund einer Regulatorik, die die kleine Bank wie eine große bewertet, in die Knie gezwungen worden. Die Interessengemeinschaft zeigte sich enttäuscht darüber, dass der Verband nicht eingestanden habe, dass auch er einen wesentlichen Anteil an der jetzigen Situation der RSA gehabt hätte.

Kein Weiter wie bisher
mehr möglich

Doch der IG-Vorstand räumte trotz aller Kritik an den Vorgängen der vergangenen zwei Jahre ein: „Die Situation der Bank ist so, wie sie ist, und kann nicht mehr zurückgedreht werden. Ein Weiter wie bisher ist nicht möglich und im Alleingang schon gar nicht.“

Der Fusion nicht zuzustimmen, sei angesichts der drohenden Konsequenzen keine Option. Im Verschmelzungsvertrag seien zumindest einige Forderungen der IG umgesetzt und aufgenommen worden. „Es wird eine Zukunft der Bank geben, aber eben unter anderem Namen“, will heißen: als eigene Vertriebsregion.

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