Rosenheim – Es wirkt im ersten Moment etwas seltsam, wenn ein Mann mit einer überdimensionalen Brille und einem Steuerknüppel vor einem steht, um einen Drucker zu verkaufen. Doch genau das passiert gerade bei der Rosenheimer Firma Bensegger im sogenannten virtuellen Showroom. „Es ist ein völlig neues Erlebnis“, sagt Geschäftsführer Andreas Bensegger über sein Projekt, an dem das Fachgeschäft für Büroartikel seit rund einem halben Jahr arbeitet.
Alles lässt sich wie im
echten Leben bedienen
Die Idee ist es, mithilfe einer „Virtual-Reality-Brille“ einen virtuellen Raum zu erschaffen, in dem sich der Kunde wie in einem echten Rosenheimer Laden bewegen kann. In der Ego-Perspektive schwebt man durch die Firma, kann mit anderen „Brillenträgern“ interagieren, Notizen aufzeichnen oder eben einen Drucker bedienen. Der Vorteil: „Ich muss zum Beispiel nicht mehr von Berlin nach Rosenheim fahren, um einen Eindruck von meinem Büromaterial zu bekommen“, erklärt Bensegger.
Und auch die Verkäufer müssten keine schweren Geräte, sondern „nur noch“ Laptop und Brille für ihre Präsentationen mitnehmen. Denn der Drucker steht ja in Originalgröße im virtuellen Raum. Die Anzeigen, Schalter und Klappen lassen sich wie im echten Leben bedienen und vermitteln das Gefühl, als würde man gerade tatsächlich etwas kopieren wollen.
„Im Prinzip gibt es
keine Grenzen“
„Im Prinzip gibt es keine Grenzen“, meint Michele Fuhs, der Entwickler des Systems, und deutet auf das bisher schwarze Nichts hinter dem ersten Raum. Egal ob Bürostuhl, Tisch oder Kaffeemaschine – sobald die genauen Maße für ein Objekt bekannt sind, lassen sie sich problemlos in die virtuelle Welt einfügen.
„Das einzige, was der Kunde benötigt, ist die Brille, eine stabile Internetverbindung und die passende Software“, erklärt Fuhs. Der Bad Aiblinger hat mit seiner Firma „Circle4xr“ jahrelange Erfahrung mit VR-Brillen und entwarf bereits Konzepte für große Unternehmen wie BMW, Eni oder Mercedes.
Mit dem Projekt bei Bensegger ist die Technik nun auch im Rosenheimer Handel angekommen.
„Im Moment eignet sich das Konzept vor allem für B2B-Kunden“, betont Andreas Bensegger. Für den klassischen Verkauf an den Verbraucher wäre das System zu teuer. „Eine Brille liegt bei circa 500 Euro, dazu kommen 250 bis 500 Euro pro User für die jeweiligen Lizenzen“, erklärt Fuhs. Alleine die Entwicklung der Bensegger-Welt liegt zwischen 30.000 und 50.000 Euro. Doch die Investition soll sich langfristig auszahlen. „Wir können ab sofort mit dem Programm beginnen und machen unsere Mitarbeiter bereits damit vertraut“, sagt der Geschäftsführer.
Einstiegshürden
inzwischen geringer
Da das System in der Computerspielbranche bereits vor gut zehn Jahren entwickelt wurde, sind die Einstiegshürden mittlerweile geringer. „Die Technik ist deutlich fortgeschritten. Nur selten sind User noch überfordert oder haben mit Schwindel oder Übelkeit zu kämpfen“, sagt Fuhs. Zumal es sich in dem Fall nicht um eine virtuelle Tauchexpedition oder Achterbahnfahrt handelt, sondern um einen Fachraum für Büroartikel. „Und trotzdem mache ich immer wieder die Erfahrung, dass sich viele Kunden freuen, die Welt spielerisch zu erkunden“, sagt Fuhs. Auch wenn statt eines Endgegners „nur“ ein Drucker vor ihnen steht.