Traunstein – „Wir sind in einem authentischen Betrieb.“ Das hat der alte und neu gewählte Obermeister der Schreiner-Innung Traunstein, Andreas Weinzierl, im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Handwerkervereinigung betont, wie die Innung mitteilt. Traditionell treffen sich die Schreiner dazu rollierend in den Werkstätten der Mitgliedsbetriebe. Und auch die Meisterfrauen fallen durch gute Präsenz bei den Veranstaltungen auf. In diesem Jahr fand die Hauptversammlung in der Werkstatt der Schreinerei Schützinger in Traunstein statt. Die Innung weist zum Jahresultimo einen unveränderten Bestand von 79 Mitgliedern auf.
Obermeister Weinzierl ging auf die konjunkturelle Lage ein und sprach von einem „Kämpfen um die Arbeit“, was gerade für das Baunebengewerbe gelte. Die Auftragslage sei dabei sehr unterschiedlich: „Wir haben die gesamte Bandbreite von ‚ganz viel und ganz wenig‘ Arbeit.“ Er kritisierte die Forderung der Bevölkerung nach einer „Vollkaskomentalität“ und forderte einen schlanken Staat. Er forderte eine Rückbesinnung der Politik auf selbstständige Klein- und Mittelstandsbetriebe, die in Gesetzgebung und Verwaltung zu fördern seien. Sie seien „gegen Überlastung und Aufsaugung zu schützen.“ Weinzierl zog eine nüchterne Bilanz: „In den letzten 20 Jahren ist nichts besser für uns geworden.“
In seinem Rechenschaftsbericht ging er auf die EuroSkills ein, die im vergangenen Jahr im dänischen Herning stattfanden. Einige Verantwortliche des heimischen Schreinerhandwerks zeigten sich vor Ort beeindruckt von den handwerklichen Qualitäten. In der Innungsregion stellte man erstmalig Gesellenstücke in den Räumen der Kreissparkasse in Traunstein aus. Bei der Berufsinformationsmesse (BIM) präsentierte man das Schreinerhandwerk als attraktive Ausbildungsmöglichkeit und warb erfolgreich um neue Lehrlinge. Auch in diesem Jahr ist die Schreiner-Innung bei der von Sonntag (29. September) bis Dienstag (1. Oktober) stattfindenden Messe im Bildungszentrum der Handwerkskammer in Traunstein vertreten. Zudem ging er auf die diesjährigen Wahlen in der Kreishandwerkerschaft ein, bei denen Michael Röling als neuer Kreishandwerksmeister, Andreas Grassl als Stellvertreter für den Landkreis Berchtesgaden und er persönlich als Stellvertreter für den Landkreis Traunstein gewählt wurden. Er berichtete von einer konstruktiven, beginnenden Zusammenarbeit.
Der Präsident des Fachverbands Schreinerhandwerk Bayern, Bernhard Daxenberger, ging auf die aktuelle Minijob-Diskussion ein und forderte steuerliche Erleichterungen. Dies gelte insbesondere für eine arbeitnehmer- und arbeitgeberfreundliche Überstundenbesteuerung.
Prüfungsvorsitzender Gerhard Fuschlberger berichtete über gute Ergebnisse bei den Gesellenprüfungen, gleichzeitig aber über einen zahlenmäßigen Rückgang von gut 20 Prozent im Vergleich der vergangenen drei Jahre bei aktuell 101 Lehrlingen.
Die Gesellenprüfung im vergangenen Jahr haben 50 Lehrlinge erfolgreich bestanden, darunter Absolventen aus der Jugendsiedlung Traunreut und vom Gymnasium Landschulheim Marquartstein. Die Zwischenprüfung 2026 haben 35 Teilnehmer abgelegt. Fuschlberger bereitete die Anwesenden darauf vor, dass er in zwei Jahren in den Ruhestand gehe, und ermutigte interessierte Schreinermeister, sich um die Nachfolge zu bewerben.
Fachlehrer Christian Lex berichtete über die Arbeit der Jugendsiedlung Traunreut und machte deutlich, dass der Weg vom Fachpraktiker bei entsprechendem Erfolg zum Abschluss als Schreinergeselle führe. Acht Teilnehmer haben die Prüfung zum Fachpraktiker im vergangenen Jahr abgelegt. Auch in diesem Jahr treten zur Prüfung im Juli acht Lehrlinge an.
Ohne Gegenstimme sprachen sich die Mitglieder in geheimer Wahl für den bisherigen Obermeister Andreas Weinzierl aus. Auch sein Stellvertreter Bernhard Daxenberger wurde einstimmig wiedergewählt.
Andreas Wittenzellner