Regionale Firmen setzen auf E-Mobilität

von Redaktion

Der Umstieg auf Elektromobilität in Firmenfuhrparks hat sich in der Region Rosenheim zunehmend zu einer wirtschaftlichen Alternative entwickelt. Während sich die Investitionen oft in zwei bis fünf Jahren amortisieren, warnten Experten vor unüberlegten Schnellschüssen. Eine vorausschauende Planung der Ladeinfrastruktur sei für den Erfolg entscheidend.

Rosenheim – Immer mehr Unternehmen aus der Region setzen bei ihren Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge. Was vor wenigen Jahren noch als Zukunftsthema galt, wird zunehmend zu einer wirtschaftlich interessanten Alternative. Dennoch bringt der Umstieg auf Elektromobilität weiterhin Herausforderungen mit sich.

Diese Entwicklung beobachtet auch Rached Kaiser, Geschäftsführer des Rosenheimer Unternehmens Flottenwende und Vorstandsmitglied des Bundesverbands Neue Mobilität. Klimaschutz spiele zwar weiterhin eine wichtige Rolle, in der Praxis sei die Entscheidung für oder gegen Elektrofahrzeuge jedoch meist ein Zusammenspiel aus ökologischen und wirtschaftlichen Überlegungen. Während manche Unternehmen bewusst nachhaltiger wirtschaften wollten, rechneten andere die Investition bis ins Detail durch.

Umstieg lohnt
sich zunehmend

Dass sich der Umstieg zunehmend lohnt, beobachtet Kaiser seit Jahren. Zwar seien die Anschaffungskosten vieler Elektrofahrzeuge noch höher als bei Verbrennern, der Abstand werde jedoch kleiner. Gleichzeitig seien Strom- und Wartungskosten häufig deutlich niedriger. „Wenn man die Gesamtheit betrachtet, amortisiert sich das in zwei bis fünf Jahren“, sagt Kaiser. Vor allem größere Unternehmen könnten wegen ihres höheren Investitionsbudgets die Anfangsinvestitionen leichter stemmen.

Auch technisch habe sich viel getan. Reichweiten von rund 400 Kilometern und schnelle Ladezeiten von weniger als 15 Minuten bis 80 Prozent Akkuladung machen viele Fahrzeuge inzwischen alltagstauglich, erklärt Kaiser. „Die Reichweite war immer ein K.-o.-Kriterium“, weiß er. „Mittlerweile werden die Fahrzeuge aber immer konkurrenzfähiger.“ Erst kürzlich tauschte sich Kaiser auf der Elektromobilitätsmesse „Power2Drive“ in München mit Fuhrparkverantwortlichen über die Elektrifizierung von Unternehmensflotten aus.

Wie der Wandel in der Praxis aussieht, zeigen regionale Beispiele. Marc O’Polo in Stephanskirchen nahm 2020 die ersten Elektrofahrzeuge in den Fuhrpark auf. Heute sind es 59 Fahrzeuge – knapp 40 Prozent der Flotte. „Elektromobilität ist für uns heute ein fester Bestandteil unserer Mobilitätsstrategie“, sagt CEO Maximilian Böck. Neben der Reduzierung von Treibhausgasemissionen spielten auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle. Dank geringerer Energie- und Wartungskosten sank der Diesel- und Benzinverbrauch des Fuhrparks im vergangenen Geschäftsjahr um 22 Prozent. Dies zeige, „dass nachhaltige Mobilität und wirtschaftliches Handeln sehr gut zusammenpassen“, erklärt Böck.

Auch der Maschinen- und Anlagenbauer Krones setzt seit mehr als fünf Jahren auf Elektrofahrzeuge. Ursprünglich standen Nachhaltigkeitsziele im Vordergrund, inzwischen wirkten sich „insbesondere die geringeren Energiekosten positiv aus“, erklärt Unternehmenssprecher Peter Mörtl. Die anfangs noch lückenhafte Ladeinfrastruktur und geringen Reichweiten sind heute deutlich weniger problematisch. Deshalb soll der Anteil der Elektrofahrzeuge weiter steigen, prognostiziert er. Ein Selbstläufer sei der Umstieg dennoch nicht. Sowohl Marc O’Polo als auch Krones betonen, dass eine vorausschauende Planung von Ladeinfrastruktur, Reichweiten und Betriebsabläufen entscheidend ist.

Nach Einschätzung von Andreas Bensegger, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Rosenheim, ist ein klarer Trend zur Elektromobilität erkennbar. Vor allem im Außendienst, in der Verwaltung oder bei regional eingesetzten Firmenfahrzeugen wird zunehmend auf Elektroautos gesetzt. Bei Transportern und Lastwagen dominierten dagegen weiterhin Dieselantriebe. Als größte Hürden nennt Bensegger die höheren Anschaffungskosten, den Aufbau der Ladeinfrastruktur sowie die Unsicherheit über Strompreise und steuerliche Rahmenbedingungen. Planungssicherheit sei für Unternehmen ein entscheidender Faktor, betont er.

Dass der Umstieg nicht immer geradlinig verläuft, hat Bensegger selbst erlebt. Vor rund fünf Jahren testete sein Unternehmen ein vollelektrisches Fahrzeug. Wegen der damals begrenzten Reichweite verzichtete er jedoch zunächst auf eine weitere Umstellung. Mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur gehe die Entwicklung inzwischen aber wieder „Richtung vollelektrischer Fahrzeuge“, meint Andreas Bensegger.

Schlüssel
zum Erfolg

Genau darin sieht auch Rached Kaiser den Schlüssel zum Erfolg. Viele Unternehmen seien grundsätzlich offen für Elektromobilität. Probleme entstehen häufig erst, wenn Ladeinfrastruktur und Fahrzeuge nicht gemeinsam geplant oder Investitionen zu kurzfristig gedacht werden, meint er. Man sollte heute schon überlegen, „wo das Unternehmen in zehn Jahren steht“. Für die Zukunft rechnet Kaiser mit einer weiteren Beschleunigung der Elektrifizierung von Unternehmensflotten. Neue Technologien wie das bidirektionale Laden könnten zusätzliche wirtschaftliche Vorteile bringen. Seine Prognose: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass Diesel-Fahrzeuge in zehn Jahren die Ausnahme sind.“

Bidirektionales Laden

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