Molkerei Bauer startet „Geheimprojekt Kartoffel“

von Redaktion

Mit dem neuen Produktionsgebäude werden die Weichen für die Zukunft gestellt – Kaniber lobt „Mut und Weitblick“

Wasserburg – Die Wasserburger Molkerei Bauer hat – wie berichtet – am Donnerstag, 16. Juli, ein neues Produktionsgebäude für rein pflanzliche Produkte eröffnet. Mit dem Innovationszentrum reagiert das Unternehmen auf die steigende Nachfrage nach Veggie-Artikeln. Von dem zuvor geheimen Projekt profitieren auch regionale Landwirte.

In dem neuen Bau – von der Firma Bauer als Innovationszentrum ausgewiesen – wird künftig etwa Soja verarbeitet. Zu Soja-Milch und -Joghurt beispielsweise. Das Wasserburger Unternehmen trägt damit einem veränderten Verbraucherverhalten Rechnung. Pflanzliche Produkte stehen seit Jahren immer mehr im Kurs. „Wir sehen hier einen wachsenden Markt“, erklärt Heiko Modell, CEO der Bauer Gruppe. „Der Milchmarkt hingegen schrumpft.“ Bauer nehme mit der Investition in pflanzliche Produkte also durchaus einen Trend auf, sagt Modell. „Damit haben wir aber auch im Blick, wie wir langfristig in Zukunft bestehen können.“

Mit dem neuen Produktionsgebäude stellt die Firma also die Weichen, um sich weiterzuentwickeln. „Auch für künftige Generationen“, unterstreicht Modell. Dieses Projekt habe auch noch Markus Bauer, Florian Bauers im Dezember 2025 überraschend verstorbener Bruder, energisch vorangebracht. Vor zwei Jahren begannen im Unternehmen die Planungen für das neue Produktionsgebäude. Die Verantwortlichen hüllten sich, was die Details betraf, etwas in Geheimhaltung. Sprachen vom „Geheimprojekt Kartoffel“. Selbst die Landwirte, mit denen die Molkerei zusammenarbeitet, wussten anfangs nichts von allen Einzelheiten.

Zwei der Bauern, die für das Projekt mit im Boot sind, sind Stefan Zierer und Martin Reslmeier aus dem Landkreis Erding. Auf Reslmeiers Feldern wachsen schon längst nicht nur Weizen, Mais und Gerste. „Vor acht Jahren haben wir bereits angefangen, Soja anzubauen.“ Lange bevor Bauer auf dem Gebiet einstieg. „Deswegen sind sie, denke ich, auch auf uns gekommen“, sagt Reslmeier. Ein örtlicher Handelspartner habe sie kontaktiert und gefragt, ob sie sich mit ihrem Soja an dem großen Projekt beteiligen wollten. „Dass die Molkerei Bauer dahintersteht, dass die Soja verarbeiten wollen, haben wir anfangs nicht gewusst.“

Die Vorteile der ostasiatischen Hülsenfrucht liegen für ihn auf der Hand. Sie reichert Stickstoff aus der Luft im Boden an. Das verbessere die Bodenstruktur – ein Gewinn für die Weizen- und Maiskulturen, die auf den geernteten Soja folgen würden. Zudem vertrage sie Hitze und Trockenheit recht gut, so die Landwirte. „Es wird immer heißer“, unterstreicht Reslmeier. „Also mussten wir uns nach alternativen Pflanzen umschauen, die wir anbauen können.“

Bauer ist wichtig, dass die Rohstoffe für ihre pflanzlichen Milch- und Joghurt-Produkte aus der Region kommen. „Die Nähe ist ein klarer Wettbewerbsvorteil“, betont Florian Bauer. So arbeite man allesamt mit bayerischen Unternehmen zusammen. Das überzeugte letztlich auch Zierer und Reslmeier, beim „Geheimprojekt Kartoffel“ mitzumachen. „Es ist cool, etwas zur regionalen Wertschöpfung beizutragen“, sagt Reslmeier.

In den vergangenen Jahren hat die Molkerei bereits Veggie-Produkte verkauft. 2024 kam etwa die Linie „Zum Glück!“ auf den Markt, deren Produkte auf pflanzlicher Basis entstanden. Sojamilch und Sojajoghurt hat das Unternehmen ebenfalls verarbeitet. Bisher ist Bauer damit allerdings noch beliefert worden. „Jetzt“, betont Wasserburgs Bürgermeister Bastian Wernthaler, „kommen die Produkte nach Hause“. Nun erfolgt auch die Verarbeitung der Rohstoffe am Hauptwerk. Wernthaler wertet das als klares Bekenntnis zum Standort in seiner Stadt. „Das Herz von Bauer ist Wasserburg“, ergänzt der Rathauschef. „Und das ist gut so.“

Michaela Kaniber (CSU), Bayerische Staatsministerin für Ernährung und Landwirtschaft, hob in ihrer Rede beim Festakt zur Eröffnung den „verdammt großen unternehmerischen Mut und Weitblick“ hervor, den Bauer mit dem Bau des neuen Produktionsgebäudes beweise. Die Produktion von pflanzlichen Produkten sei indes kein Abschied vom Kerngeschäft, sondern eine sinnvolle Ergänzung. „Milch bleibt unser Hauptfeld“, betonte auch CEO Heiko Modell. Mit der Investition in ein neues Produktionsgebäude – in dem künftig auch geforscht werden wird – sichere Bauer Arbeitsplätze, stärke die gesamte Region und übernehme Verantwortung für die heimische Landwirtschaft.

Erst einmal werde im neuen Produktionsgebäude noch ein kleines Team arbeiten. Dann komme es auf die Nachfrage an. 6.000 Liter Sojamilch könnte Bauer binnen einer Stunde aus Sojabohnen produzieren. Doch auch die festen Überreste der Sojabohne sollen weiterverarbeitet werden. beim Festakt fiel der Gedanke, etwa Okara, Faserreste der Sojabohne, die bei der Sojamilch-Produktion übrig bleiben, zu Futtermittel zu verarbeiten. Landwirt Resl- meier würde sich wünschen, wenn das Futtermittel dann zurück an die Bauern ginge. „Es wäre natürlich ideal“, sagte er, „wenn wir aus der Wertschöpfung unserer Produkte auch noch etwas zurückbekommen.“ Ob das so kommt, wird sich zeigen.

Katharina Brumbauer

Artikel 6 von 6