Aschau wird Hoffnungsträger der Aufrüstung

von Redaktion

Ministerpräsident Markus Söder kommt, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ebenso, die Sicherheitsstufe ist hoch: Am heutigen Mittwoch schaut Europa auf das kleine Aschau am Inn. Die Rheinmetall-Tochter Nitrochemie legt den Grundstein für eines der größten Pulverwerke in Europa. Wie das Unternehmen in Aschau die Aufrüstung bestimmt.

Aschau am Inn – Als die Erweiterung der Nitro-Chemie in Aschau am Inn im Gemeinderat diskutiert wurde, ging es vor allem um typische Themen, die den Bürgern unter den Nägeln brennen: Sorge um zu viel Lkw-Verkehr, um Lärmbelästigungen, Flächenversiegelung und den Grundwasserschutz. In der Sondersitzung im Mai 2026 ackerte sich der Gemeinderat durch alle Stellungnahmen und beschloss die beantragte Erweiterung der Industrieanlagen trotzdem mehrheitlich.

Eine der modernsten
Fabriken Europas

Rheinmetall ist nach eigenen Angaben einer der größten Munitionshersteller der westlichen Welt und deckt als einer der wenigen Hersteller in der Munitionsfertigung die komplette Wertschöpfungskette ab – von der Treibladung (dem Pulver) über den Primer und den Zünder, die Geschosshülle bis zur Sprengladung beziehungsweise der Wirkladung. Um die steigende Nachfrage weiter bedienen zu können, baue Rheinmetall seine Produktionskapazitäten deutlich aus, heißt es vonseiten des Unternehmens.

Am traditionsreichen Rheinmetall-Standort in Aschau am Inn entsteht dafür eine der größten und modernsten Pulverfabriken Europas. Auf einer Grundstücksfläche von insgesamt rund 90 Hektar soll die Produktionskapazität von Treibladungskomponenten für Rohrartillerie und weitere großkalibrige Systeme signifikant erweitert werden. Anlässlich der Grundsteinlegung am heutigen Mittwoch kommen Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sowie Wirtschaftsminister Huber Aiwanger.

Auf der Firmenhomepage von Rheinmetall wird deutlich, welch großen Stellenwert das Bauvorhaben in Aschau am Inn hat. Es ist Teil des Projekts „Firepower“, mit dem Rheinmetall auf den akuten Munitionsbedarf in Deutschland und in Europa reagiert. Der Technologiekonzern investiere massiv in den Ausbau seiner Standorte – auch in der Pulverherstellung. Für die Konzerntochter Nitrochemie setze damit eine beispiellose Transformation ein.

Aufstockung von 700 auf rund 1.200 Mitarbeiter

Ab 2030 will Rheinmetall nach eigenen Angaben in der Lage sein, jährlich 20.000 Tonnen Treibladungspulver herzustellen. Für die Konzerntochter Nitrochemie, einer der großen Produzenten von Treibladungspulver, bedeutet das Personalaufstockung: in Aschau von bisher 700 auf rund 1.200 Mitarbeiter, in Wimmis (Schweiz), ein weiterer Standort, von 250 auf 300.

Länderübergreifend sollen die Standorte in Aschau und Wimmis mit Rheinmetall Expal Munitions in Burgos (Spanien) kooperieren.

Im Fokus ständen Veränderungen im Produktionsprozess: Das Pulver werde in Zukunft größtenteils aus Granulat gepresst, nicht mehr gewalzt, um den Output zu erhöhen. Dafür müsse die Infrastruktur ausgebaut werden, das bedeute für den Standort Aschau eine deutliche Erweiterung des Firmengeländes, teilt Nitrochemie mit.

Das Unternehmen ist vornehmlich auf die Herstellung von Treibladungspulver spezialisiert. Von 2023 bis heute wuchs die Belegschaft um 20 Prozent auf über 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so Rheinmetall. Gearbeitet werde im Schichtbetrieb rund um die Uhr. 1.700 Tonnen Pulver und rund 200.000 Treibladungsmodule produziere das Werk inzwischen pro Jahr.

Produktion soll
verdoppelt werden

In den nächsten 24 Monaten soll die Produktion von Pulver und Treibladungsmodulen mehr als verdoppelt werden, teilt das Unternehmen auf seiner Internetseite mit. „Wir wollen in Aschau 2.500 Tonnen Pulver und 550.000 Module zusätzlich herstellen“, so Oliver Becker, Senior Vice President Operations in Aschau. In Aschau wolle das Unternehmen rund 500 neue Arbeitskräfte gewinnen, in Wimmis rund 50.

Hintergrund der Munitions-Initiative sind die geopolitischen Herausforderungen seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Seit dem Rückzug der USA muss die EU aufrüsten und ihre Verteidigung selbst in die Hand nehmen.

Munition spielt dabei eine große Rolle. „Die Treibladung, oft auch Pulver genannt, ist eine wichtige Komponente. Sie treibt bei der Zündung das Projektil mit hoher Geschwindigkeit aus dem Waffenrohr und gibt somit dem Geschoss die Energie, die es braucht, sein Ziel zu erreichen“, so Rheinmetall.

Artikel 2 von 5