Traunstein/Bergen – Unter dem Motto „160 Jahre Gemeinschaft, Engagement und wirtschaftliche Stärke“ feierte der Wirtschaftsverband Landkreis Traunstein sein 160-jähriges Jubiläum auf einer Freilichtbühne an der Mittelstation des Hochfelln vor der imponierenden und beeindruckenden Bergkulisse. Ein „festlicher Abend voller inspirierender Begegnungen, besonderer Momente und lebendiger Geschichte“ war von den Initiatoren des Verbands rund um den Vorsitzenden Thomas Eberl geplant – die über 300 geladenen Gäste wurden nicht enttäuscht.
Dazu trug auch die aus der Feder von Thomas Schlagenhaufer stammende historische Komödie „Woaßt es no?“ bei, die der Theaterverein Bergen mit 20 Darstellern aufführte und immer wieder für spontanen Applaus und Begeisterung sorgte. Packte man doch in die Zeitreise sechs Epochen bayerischer Wirtschafts- und Zeitgeschichte – vom Bauernhof bis zum Smartphone.
Starke Gemeinschaft
und verlässlicher Partner
Gegründet wurde der Verband 1866 als Gewerbeverband Traunstein (DGV) und hat derzeit 259 Mitglieder aus Handel, Handwerk und Dienstleistung. In seinem Selbstverständnis bündelt der mitgliederstärkste Wirtschaftsverband im Landkreis Traunstein die Interessen der Unternehmen in den 35 Kommunen gegenüber der Politik und nimmt öffentlich Stellung zu Themen rund um die heimische Wirtschaft. Mit Wirtschaftsverbänden und Kammern zeigt man sich gut vernetzt.
Zu der würdigen Jubiläumsfeier auf dem Hochfelln waren insbesondere auch die Gäste des alljährlich stattfindenden Jahresempfangs der Wirtschaft, der in den vergangenen Jahren in der Traunreuter Firma Siteco ausgerichtet wurde, eingeladen und gekommen. In diesem Jahr fand dieser vor der prächtigen Bergkulisse der heimischen Berge statt. Ein Nadelöhr war dabei die Bahnfahrt für die Gäste, die teilweise schon deutlich früher die Gondeln bestiegen, um lange Wartezeiten zu vermeiden, was aber aufgrund des sonnigen Wetters und des damit verbundenen späteren Beginns ohnehin kein Problem war.
Bergens Bürgermeister Andreas Schultes sprach in seinem Grußwort von einem „außerordentlichen Jubiläum“ und bezeichnete den Verband als „starke Gemeinschaft und verlässlichen Partner“, dem er auch für die Zukunft „Weitblick, Innovationskraft und Zusammenhalt“ wünsche.
Traunsteins Landrat Andreas Danzer machte deutlich, dass der Wirtschaftsverband und seine Mitglieder miteinander in gemeinsamer Richtung unterwegs seien. Der Verband leiste einen wichtigen Beitrag, sei gut vernetzt und mache wichtige Themen sichtbar. Auf die vergangenen 160 Jahre zurückblickend, sagte er, diese würden „Wandel“ bedeuten. „Aber eines bleibt immer gleich: Die Region lebt von Menschen, die anpacken.“
Bundestagsabgeordneter Siegfried Walch würdigte das Engagement des Verbandes mit seinem Vorsitzenden Thomas Eberl an der Spitze und hatte auch für seinen Nachfolger als Landrat für das Festhalten an den großen Bildungsprojekten (Neubau Berufsschule I und den Campus Chiemgau) lobende Worte übrig. „Das ist unsere Heimat und dafür halten wir zusammen.“ Vor 160 Jahren hätten sich Menschen für andere zusammengeschlossen, um Chancen für sie zu schaffen. „Der Verband ist ein Aushängeschild – macht weiter so“, sagte der heimische Abgeordnete anerkennend.
Zentraler Programmpunkt der Feier war das Theaterstück „Woaßt es no?“, das mit viel Liebe im Detail geschrieben und aufgeführt wurde. Musikalisch sorgten „Baeck in Town“ mit Stücken von Rainhard Fendrich, der Spider Murphy Gang, Bob Dylan und anderen für flotte musikalische Untermalungen zwischen den Sprüngen in den Jahrzehnten. Die Raitner Blechmusik aus Schleching lieferte die passenden bayerischen Klänge zu dem Stück. Erster Vorsitzender Thomas Eberl sagte in seiner Einführung schmunzelnd, dass man aufgrund der fehlenden gemeinsamen Probemöglichkeiten die Generalprobe und die Premiere an dem Abend zusammengelegt habe.
Und dann tauchten die Anwesenden ein in „eine längst vergangene und oft verklärte Zeit“, in der man auf einem Streifzug durch die turbulenten politischen Zeiten unterwegs war, während die Industrialisierung aus England auf den Kontinent schwappte. Oskar von Miller gab dem jungen künftigen Landwirt Martin, dessen fiktive Familiengeschichte in dem Stück mit erzählt wurde, eine Einweisung in die Geheimnisse der Elektrotechnik, worauf dieser die heimische Landwirtschaft beendete, Handwerker wurde und einen kleinen Elektrobetrieb gründete. Später, zur Zeit des Dritten Reichs, verkauft sein Sohn Christian dort Radios, den Volksempfänger, auf denen Nazipropaganda lief, und Großradios, auf denen auch ausländische Sender zu hören waren. Im Wirtschaftswunder der 1950er-Jahre erkennt Tochter Josefine das Potenzial des Fernsehers. Die Darsteller streiften den Betriebsbeginn der Hochfelln-Seilbahn Anfang der 1970er Jahre, ehe es über den Bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß zu den Highlights der 1990er-Jahre ging, in denen der Siegeszug der Mobiltelefone seinen Anfang nahm, später im neuen Jahrtausend abgelöst durch Smartphones („Die ganze Welt in der Hosentasche“). In der Rückschau der vergangenen 160 Jahre blickte man mit der Fragestellung nach vorne, wie das Unternehmertum in den nächsten Jahren aussehe, wozu auch der Auftritt des humanoiden Roboters RoBodA passte, der für viel Interesse und Staunen sorgte.
Eberl schlug zum Schluss des Theaterstücks den Bogen zu den vielen Veränderungen und politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die der Verband in den vergangenen 160 Jahren miterlebt hat, was das Stück eindrucksvoll unter Beweis stellte. Von der Elektrifizierung über die Erfindung des Radios bis hin zum Robotereinsatz sei man stetig mitgewachsen. „Vielleicht erinnern sich die Leute in 160 Jahren auch an uns und sind vielleicht von unserer Leichtigkeit und Zufriedenheit beeindruckt“, sagte Eberl und schloss mit dem italienischen Satz „Il tempo, e il bene piu prezioso“, was übersetzt heißt: „Zeit ist das Wertvollste, was wir haben!“
Stehende Ovationen
der begeisterten Gäste
Am Ende gab es lang anhaltenden Applaus und Standing Ovations der begeisterten Gäste für die Mitwirkenden und vor allem für Eberl, dem die Freude an dem außergewöhnlichen und gelungenen Festabend, der in Vielem seine Handschrift trug, anzumerken war. „Ich bin überwältigt!“, ließ er seinen Emotionen freien Lauf, bevor ihm und den Theaterspielern von vielen Seiten Lob zuteilwurde, von denen Anna Rechenmacher (Erster Vorstand Theaterverein Bergen), Regina Lutz (Regie) und Josef Gehmacher (Idee und Umsetzung) besonders erwähnt wurden, die herausragend zum Gelingen des Stücks beigetragen hatten.
Nach der Aufführung war noch nicht Schluss: Beim Barbetrieb – inklusive kleiner Tanzfläche – standen viele Gäste noch lange zusammen, nutzten das Netzwerk, das der Verband den Mitgliedern bietet. RoBodA legte bei den Reggae-Sounds von Baeck in Town (Could you be loved) noch einen „heißen Tanz“ hin. Die aufziehende Gewitter- und Sturmlage und die nötigen Talfahrten passten zeitlich zum Ende des gelungenen Festabends.