Rosenheim – Der Unmut der Unternehmer in Oberbayern hat in den vergangenen zwölf Jahren deutlich zugenommen. Das zeigt eine Studie der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Jedes Jahr werden zahlreiche Firmen aus der Region gebeten, den Standort für die Wirtschaft anhand von fünf Faktoren zu beurteilen. Das Fazit: „Der Schnitt ist seit dem Start der Befragung im Jahr 2013 in ganz Oberbayern zurückgegangen“, sagt Frank Eberle, stellvertretender Vorsitzender der vbw Bezirksgruppe München-Oberbayern und Geschäftsführer der Firma „Alpma“ aus Rott am Inn.
Schlechte Noten vor
allem für die Verwaltung
Vor allem die Verwaltung wird laut der aktuellen Studie schlecht bewertet. Schnitt das Thema rund um die Bürokratie im Jahr 2013 noch mit der Note 3,3 ab, so sank der Wert bis ins Jahr 2025 auf eine gerade noch ausreichende 4,3.
Ein Beispiel dafür nennt Andreas Bürger, Geschäftsführer der BBW Lasertechnik aus Prutting. „In meinem Betrieb mit rund 170 Mitarbeitern habe ich mittlerweile 16 Sonderbeauftragte“, meint er. So gibt es neben dem gängigen Brandschutzbeauftragten mittlerweile auch Beauftragte für die Dokumentation der Lieferketten, für Umwelt, Gefahrgut oder Datenschutz. „Bis hin zu einem Aufzugsbeauftragten“, sagt Bürger.
Vorgaben aus
Brüssel und Berlin
Hinter solchem bürokratischen Mehraufwand steckt laut den Unternehmern häufig ein sinnvoller Gedanke, wie ein sicherer Arbeitsplatz oder das Eindämmen von Kinderarbeit im Ausland. „Was dann in Brüssel oder Berlin daraus gemacht wird, ist allerdings nicht immer zielführend“, bilanziert Florian Schörgnhofer, Werksleiter des „Siloking Mayer Maschinenbau“ aus Tittmoning.
Auch die Rohstoff- und Energiepreise beschäftigen die Unternehmen. Dort fiel der bewertete Standortfaktor für Oberbayern von gut (2,1) auf befriedigend bis ausreichend (3,4). Besonders betroffen sind Betriebe wie „Rohrdorfer Sand und Kies”, was Geschäftsführer Harald Schilly verdeutlicht. „In der Theorie haben wir einen riesigen Vorrat an Kies, der aber in der Praxis nicht einfach zur Verfügung steht“, sagt er. Genehmigungen und Gutachten ziehen sich und sorgen dafür, dass bis zum Abbau des Rohstoffs im Schnitt mehr als fünf Jahre vergehen. Die Folge: „Wir müssen das Material von weit herholen und belasten damit wieder die Lieferketten und den Verkehr“, sagt Schilly.
Firmen bleiben dennoch in
der Region Rosenheim
Trotzdem gibt es auch Statistiken, die Mut machen, wie die Standorttreue vieler Firmen. „Die Standortloyalität ist mit 87,4 Prozent sehr hoch“, sagt Frank Eberle. Im bayernweiten Vergleich bleiben die Firmen damit deutlich häufiger mit ihren Wurzeln in der Region. Der Schnitt für ganz Bayern liegt bei 80,7 Prozent. Zudem gelingt es den Unternehmen, wegbrechende Märkte wie Russland, Israel oder die USA zu kompensieren. „Es eröffnen sich für uns neue Möglichkeiten in Südamerika oder Kanada“, berichtet etwa Siloking-Werksleiter Florian Schörgnhofer, der sein Werk in Tittmoning um 10.000 Quadratmeter vergrößert hat. „Auch das hat allerdings sehr lange gedauert“, betont der weltgrößte Hersteller von Futtermischtechnik. Denn: Schon im Jahr 2022 entstanden die ersten Pläne für die Erweiterung und die insgesamt 125 Meter lange und 85 Meter breite Halle.
Dennoch sehe man, dass es „Chancen in unserer Region gibt“, betont Eberle. „Es wird Zeit, dass wir sie mit der notwendigen politischen Unterstützung nutzen können.“