Traunstein – Festtag für die heimische Bäcker-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land, ihre Mitgliedsbetriebe und vor allem: für die erfolgreichen Bäckerlehrlinge. Für die jungen Handwerker endet mit der erfolgreichen Gesellenprüfung die Ausbildung, sie wurden im Rahmen der Freisprechungsfeier in Traunstein in den Gesellenstand gehoben – „freigesprochen“, wie es gemäß einer Jahrhunderte alten Tradition heißt.
Entsprechend groß waren Freude und Stolz bei den Anwesenden, die zu diesem Meilenstein der beruflichen Bildung geladen waren. 13 Gesellen, die ihre Berufsschulzeit in der Berufsschule 1 Traunstein und in der Jugendsiedlung Traunreut erfolgreich durchlaufen haben, wurden freigesprochen. Prüfungsbeste sind Michael Scheurl und Julia Neumeier.
Obermeister Stefan Neumeier sagte: „Heute geht es nicht nur um Brot und Brezen. Heute geht es um Menschen, die mit Können, Disziplin und echtem Einsatz ihren Weg gegangen sind.“ Die erfolgreichen Auszubildenden hätten nicht nur gelernt, wie man Brot backt, das außen knusprig und innen saftig ist. Sie hätten auch Durchhaltevermögen und Teamgeist bewiesen – inklusive einer „ordentlichen Portion Frühaufsteher-Mentalität“.
Der Beruf sei herausfordernd und benötige den Einsatz von Geruchssinn, Tastsinn, Geschmackssinn und auch Augen und Ohren seien bei der Erstellung wohlschmeckender und optisch schön anzusehender Produkte gefragt. Am Ende des Produktionsvorganges, der nicht auf theoretischen Annahmen, sondern auf praktischer Arbeit basiere, hätten die jungen Fachleute aus Mehl, Wasser und Zeit kleine Wunder gezaubert. „Ihr seid der Beweis dafür, dass unser Handwerk lebt – und dass es eine Zukunft hat“, sagte der Obermeister und stellte das Handwerk in Zeiten einer immer mehr digitalen Welt heraus: „Ein echtes Lächeln und ein ofenwarmes Handwerks-Brot wird es nie als Download geben.“ Seine Glückwünsche schloss er mit: „Der frühe Vogel fängt zwar den Wurm, aber der frühe Bäcker ‚füttert‘ Dorf und Stadt.“
Oberstudiendirektor Wolfgang Kurfer, Schulleiter der Staatlichen Berufsschule I Traunstein, gratulierte den jungen Gesellen dazu, dass sie „die Chance ergriffen haben“, speziell den Beruf des Bäckers zu erlernen. Die Ausbildungsbetriebe und die Berufsschule hätten alle Bemühungen drangesetzt, dass sie den Abschluss „mit einer hervorragenden dualen Ausbildung“ erreicht hätten. Er bedankte sich bei den Ausbildungsbetrieben und der Bäcker-Innung für die gute Zusammenarbeit.
„Der Beruf des Bäckers ist mehr als ein Job. Er ist echtes Handwerk, ein Traditionsberuf mit Zukunft, Verantwortung und ganz viel Alltagstauglichkeit. Brotbacken ist ein Stück Kultur und ein Handwerk, das Tradition und Kreativität verbindet.“ Der Beruf des Bäckers stehe für Mehrwert in jeder Hinsicht. „Ihr alle stärkt unsere Region mit eurer Handarbeit und eurem Fachwissen.“ Seine guten Wünsche formulierte er: „Eure Zukunft soll genauso gut aufgehen wie ein perfekt gerührter Hefeteig.“
Ehrenkreishandwerksmeis-
ter Gerhard Kotter lobte das gezeigte Können, Durchhaltevermögen und Fleiß. Diese verdienten große Anerkennung. Er bedankte sich bei allen, die die jungen Handwerker in ihrer Ausbildung begleitet hätten, und nannte hier die Familienangehörigen, Ausbilder und Lehrer sowie die Mitglieder des Prüfungsausschusses. Kotter ging auf die Jahrhunderte alte Tradition des „Frei-sprechens“ ein, in der die Junggesellen von der Zucht des Lehrherrn, Wanderschafts- und Eheverbot frei gesprochen wurden. Mit einigen gesprochenen Sätzen wurden die Lehrlinge unter dem lang anhaltenden Applaus der Anwesenden vom Ehrenkreishandwerksmeister in den Stand der Gesellen gehoben.
Prüfungsvorsitzender Klaus Schneider ging im Nachgang auf die Ergebnisse der Gesellenprüfung ein. 14 Teilnehmer (vier weiblich und zehn männlich) waren zur Prüfung der Bäcker angetreten. 13 haben mit einem Notendurchschnitt von 2,60 bestanden.
Die beiden Prüfungsbesten brillierten mit hervorragenden Leistungen: Michael Scheurl vom Ausbildungsbetrieb Bäckerei Kreidl in Ruhpolding und einer Zielerreichung von 95 Prozent aus Theorie und Praxis. Praktisch kaum messbar dahinter Julia Neumeier vom Ausbildungsbetrieb Andreas Neumeier, der Marktbäcker in Teisendorf, stand ihm mit 94 Prozent nichts nach. Beide konnten sich über die Note Eins in Theorie und Praxis in ihrem beruflichen Abschluss freuen.
Neumeier erhielt aufgrund ihrer guten Leistungen und des entsprechenden Zulassungsalters eine Einladung, am Leistungswettbewerb der Handwerkskammer für München und Oberbayern teilzunehmen – einer Vorstufe zur Deutschen Meisterschaft im Handwerk, den German Craft Skills.
Den Junggesellen wurde im Nachgang ihr persönlicher Gesellenbrief übergeben. Schneider betonte daneben ergänzend, dass bei der diesjährigen Zwischenprüfung der Bäcker zwölf Lehrlinge (drei weiblich, neun männlich) mit einem ansprechenden Notendurchschnitt erfolgreich teilnahmen.
Gefeiert wurde auch nach dem offiziellen Programm. Dazu fand die Bäckermusik „Holzmoasta Done“ den richtigen Ton und Stimmung. wz