Einen ehrlichen Beruf erlernt

von Redaktion

Metzger-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land spricht bei Veranstaltung in Palling elf Gesellen frei

Traunstein – „Es ist gute Tradition im Handwerk, dass nach der Lehrzeit und erfolgreich abgelegter Prüfung die Auszubildenden von ihren Pflichten freigesprochen werden“, betonte der Obermeister der Metzger-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land, Hans Reiter, am Donnerstagabend im Rahmen der Freisprechungsfeier in Palling, zu der neben den Freizusprechenden auch viele Gäste aus den Ausbildungsbetrieben, Berufsschulen und den Familien der jungen Handwerker gekommen waren. Dass man die Tradition im heimischen Metzgerhandwerk hochhält, wurde auch am ausgestellten Zunftkreuz der früheren Metzger-Innung Laufen (später in der Innung TS-BGL aufgegangen) deutlich, dessen Geschichte bis in das 17. Jahrhundert zurückreicht.

Verpflichtung, alte
Rezepturen zu bewahren

Reiter fuhr in seiner Festrede fort: „Wer die Ausbildung macht, weiß: Man lernt nicht nur, wie man Würste herstellt, Fleisch fachgerecht zerlegt oder Kunden freundlich berät. Man lernt auch Verantwortung und Präzision. Man lernt Handwerk mit Herzblut.“ Das Erlernte könne keine Maschine. Der Metzgerberuf brauche „echte Menschen“ und schaffe Qualität. Die jungen Handwerkslehrlinge hätten in den letzten Jahren viel über Fleischqualität, Hygiene, Beratung, Tierwohl, Nachhaltigkeit und über „die berühmte Prise Salz“ gelernt, die es manchmal im Leben – aber auch in den Metzgereiprodukten – braucht. Die jungen Menschen hätten einen „ehrlichen Beruf“ erlernt. „Ein Beruf mit Tradition, mit Zukunft und mit einem tiefen Wert für die Gesellschaft.“ Reiter ließ in seiner Rede den Dank an alle, die zum Gelingen der Prüfung und dem Erfolg der Gesellen einen Beitrag geleistet haben – von den Eltern über die Ausbilder, Lehrer und die 11 Mitglieder des Prüfungsausschusses. Er wies darauf hin, dass die Gesellen in den heimischen Betrieben dringend gebraucht werden: „Ihr seid unsere Zukunft, denn ohne euch gibt es sonst bald keine handwerklichen Metzgereien mehr!“

Studiendirektorin Petra Ottensarndt von der Staatlichen Berufsschule 1 Rosenheim freute sich über den Erfolg der jungen Gesellen. „Toll, dass ihr drei Jahre diesen weiten Weg nach Rosenheim gemacht habt.“ Wie weit der Weg aus der Region nach Rosenheim sei, sei ihr gerade bei der Anfahrt nach Palling bewusst geworden. Sie lobte die anwesenden Gesellen und ihr Verhalten im Unterricht.

Herbert Schultes, derzeit kommissarischer Schulleiter der Jugendsiedlung, würdigte die getroffene Ausbildungsentscheidung der jungen Leute: „Sie haben sich für einen Beruf entschieden, der echte Handwerkskunst verlangt.“ Dieser würde Können, Verantwortung, Präzession und Leidenschaft miteinander verbinden. Auszubildende im Fleischerhandwerk seien heute leider eine echte Rarität. „In einer Zeit, in der viele Menschen wieder Wert auf Regionalität, Qualität und Nachhaltigkeit legen, braucht unsere Gesellschaft Menschen wie sie.“

Stellvertretender Kreishandwerksmeister für den Landkreis Berchtesgadener Land, Andreas Graßl, nahm den offiziellen Freisprechungsakt vor. Es sei ein großer Tag für das Handwerk. „Ein Tag, an dem wir ein Versprechen einlösen.“ Die jungen Gesellen haben ihre Lehrzeit beendet. „Ihr habt bewiesen, dass ihr euer Handwerk beherrscht.“ Deshalb könne man den alten, stolzen Brauch vollziehen. Er habe hohen Respekt vor dem Metzgerhandwerk. Er könne sich persönlich als Zimmerer gar nicht vorstellen, wo der Bau „ohne a gscheide Leberkassemmel vom Metzger“ stünde.

Anhand des in der Region ausgestorbenen Gewerks des Handschuhmachers sagte er, es sei eine Verpflichtung, das Wissen, die Rezepturen und das ehrliche Lebensmittelhandwerk zu bewahren. „Das darf niemals verlorengehen.“ Die jungen Gesellen seien die Generation, die dieses Wissen nun sichere und weitertrage. In Sachen Tierwohl sagte er: „Wer es mit dem Tierwohl ehrlich meint, der muss das regionale Handwerk stärken. Echtes Tierwohl gibt es nur mit dem regionalen Metzger vor Ort!“.

Die Gesellen überzeugten überwiegend mit guten Leistungen – manche davon mit Spitzenleistungen. „Hervorragende Ergebnisse krönen die erfolgreiche Prüfung.“ Das machte Friedrich Adler von der Staatlichen Berufsschule I in Traunstein deutlich und freute sich über eine multikulturelle Mischung der Gesellen. In Traunstein wurden die Prüfungen durchgeführt, wogegen der Berufsschulunterricht aufgrund zu geringer Lehrlingszahlen seit einigen Jahren am Standort Rosenheim (Staatliche Berufsschule 1 Rosenheim) und Traunreut (Jugendsiedlung) durchgeführt wird. Die Gesellenprüfung wird in der Prüfungshoheit der Innung in Traunstein (Praxis) und in Traunreut (Theorie) durchgeführt. „Ich hoffe auf eine Trendwende bei den Ausbildungszahlen“, zeigte er sich vorsichtig optimistisch.

Bei den Fachverkäufern im Lebensmittelhandwerk Metzgerei wurden in der Winter- und Sommerprüfung vier Teilnehmer geprüft (drei weibliche, ein männlicher). Der Notendurchschnitt aus Theorie und Praxis lag im guten bis befriedigenden Bereich. Prüfungsbeste aus den beiden Prüfungen ist Magdalena Pickl bei verkürzter Lehrzeit mit einem Notendurchschnitt von 2,0. Ausbildungsbetrieb ist die Metzgerei Pickl aus Anger.

Novum aus einem
Industriebetrieb

Bei den Metzgern sind sieben erfolgreiche Teilnehmer zur Sommerprüfung angetreten (eine weibliche Teilnehmerin, sechs männliche Teilnehmer). Der Notenschnitt lag bei guten 2,5. Prüfungsbester bei den Metzgern ist Thomas Hintler mit einem Schnitt von 2,0. Sein Ausbildungsbetrieb ist die Metzgerei Michael Schmid (Salnerhof) in Rottau.

Ein Novum war die Prüfung eines Auszubildenden aus einem Industriebetrieb, der trotzdem den Handwerksgesellenbrief erhielt. Musikalisch untermalt wurde die stimmungsvolle Freisprechungsfeier von Andrea Wittmann mit einer Vielfalt von bayerischen Klängen.

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