Ising – Der Brand des Bergwaldes am Lackenberg in Oberwössen bestimmte auch die Gespräche beim Sommerempfang der Wirtschaft in Gut Ising. „In enger Abstimmung mit den Ministerien haben wir am Donnerstagmittag den Katastrophenfall ausgerufen“, sagte Landrat Andreas Danzer mit sichtlicher Betroffenheit. Dies diene dazu, die 300 Einsatzkräfte, sechs Hubschrauber der bayerischen Polizei und aus Österreich sowie Fachstellen und Behörden zentral koordinieren zu können. „Oberstes Ziel ist für uns der Schutz der Bevölkerung und des Schutzwaldes in Oberwössen“, erklärte Danzer weiter. Nachdem bereits 2,5 Hektar vom Brand betroffen seien, drohe auch eine Ausweitung in Richtung Reit im Winkl. Dies müsse verhindert werden, so der Landrat.
Knapp 200 hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Politik sowie von Ämtern, Behörden und der Technischen Hochschule Rosenheim kamen bei dem von der Chiemgau GmbH organisierten Sommerempfang des Landkreises miteinander ins Gespräch.
In der Diskussion mit Landrat Andreas Danzer beleuchteten Geschäftsführerin Dr. Birgit Seeholzer und Franziska Danner von der Chiemgau GmbH die aktuelle Situation der regionalen Wirtschaft.
Hohe Rohstoff- und Energiepreise sowie Arbeitskosten und schleppende Inlandsnachfrage, ebenso wie der Arbeitskräftemangel drücken auf die Stimmung, wie auch die Konjunkturumfrage der IHK in Südostbayern unterstreicht. Für positive Signale sorgen der Mut und der Innovationsgeist von Start-ups. Dr. Birgit Seeholzer kam dazu ins Gespräch mit den Geschäftsführern Sebastian Knittler von der Saphira Security GmbH & Co. KG, Dominik Eibl von der DeepSynergy.AI GmbH und Christoph Schauer von der moreFactory GmbH. Alle drei Jungunternehmen aus dem Bereich Cybersicherheit und Risikomanagement sind im digitalen Gründerzentrum Stellwerk 18 mit Zweigstellen in Traunstein und Rosenheim tätig.
Ergebnisse aus dem zweijährigen EU-Förderprogramm SMASH (Smart Attraction System for Human Potential) zur Steigerung der Attraktivität von Unternehmen als Arbeitgeber stellte Franziska Danner vor. Die Chiemgau GmbH hat dazu zusammen mit der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH sowie Innovation Salzburg GmbH, der Innovations- und Standortagentur für Salzburg, 50 Unternehmen in drei Regionen durchleuchtet.
Geschäftsführer Mathias Rinke, Unternehmer aus Traunreut, berichtete im Gespräch von seinen Erfahrungen mit SMASH und wie der Blick aus der Außenperspektive auf sein Unternehmen und der regelmäßige Austausch mit Unternehmerkollegen bei der Optimierung der Firmenpräsentation geholfen habe. Landrat Andreas Danzer ergänzte, wie der Landkreis in puncto Bildung und Weiterbildung, Infrastruktur, Vernetzung und Wohnungsbau darum bemüht sei, „für möglichst positive Rahmenbedingungen für unsere Wirtschaft zu sorgen“.
Mit den unterschiedlichen Werten, Sozialisationsmustern und Lebenseinstellungen sowie der Einstellung zu Arbeit, Leistung und Verständnis von Führung der verschiedenen Generationen beschäftigte sich Prof. Dr. Jutta Rump. Sie ist Dozentin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Darüber hinaus ist sie Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen (IBE).
In ihrer Keynote-Rede nahm Rump konkret die Generation der Babyboomer sowie der nachfolgenden Geburtenjahrgangsgruppen X, Y und Z in den Blick. Dabei machte sie deutlich, wie sich die obersten Werte von Fleiß, Pflicht und Disziplin der Boomer im Zuge der antiautoritären Erziehung und dem Trend zur Einzelkind-Familie deutlich verschoben haben. Dies werde insbesondere auch in einem völlig veränderten Verhältnis und der Akzeptanz von Führung und einem deutlichen Individualismus deutlich. Ebenso zeige sich speziell an der Generation Z, also den zwischen 1995 und 2010 geborenen jungen Leuten, die maßgeblich auch von der Corona-Pandemie geprägt wurde, ein gänzlich anderes Verhalten im Umgang mit digitalen Geräten. Sicherheit, Aufmerksamkeit und ein wertschätzender Umgang seien für sie wichtige Werte. Hohe Leistungsbereitschaft für die Arbeit sei an Freude, Sinngebung und Sozialkompetenz der Vorgesetzten gekoppelt.
Rump warnte vor einem heraufziehenden Generationenkonflikt und dem Umgang mit Schulabbrechern im Lichte des Fachkräftemangels sowie zahlreicher Krisen und gesellschaftlicher Transformationsprozessen. „Wir brauchen ein neues Wertesystem, das die Generationen verbindet“, lautete ihr Plädoyer.