Traunstein – Festtag für die Zimmerer-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land: Die Innung und viele, die zum Gelingen der erfolgreichen Gesellenprüfung beigetragen hatten, würdigten die 39 erfolgreichen Zimmerergesellen, die am Freitagabend im Siegsdorfer Festsaal freigesprochen wurden. Im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal waren neben den Gesellen die Vertreter der Innung, der Ausbildungsbetriebe, des Prüfungsausschusses, der Kreishandwerkerschaft und der Berufsschule gekommen. Und natürlich waren auch bei vielen Eltern und Familienangehörige dabei – haben diese doch oft einen nicht zu unterschätzenden Teil an dem beruflichen Erfolg ihrer Kinder, wie in den Reden mehrfach betont wurde.
Kollmeier: „Am Ende
habt ihr abgeliefert“
Innungsobermeister Martin Kollmeier ließ seiner Freude in seiner Festrede freien Lauf: „Es freut mich sehr, dass die ‚Hütte‘ so voll ist.“ Die jungen Gesellen könnten stolz auf das sein, was sie erreicht hätten. „Ihr habt eine intensive und lehrreiche Zeit hinter euch – und am Ende habt ihr abgeliefert.“ Ganz besonders freue er sich, dass einige der Gesellen in der traditionellen Zimmererkluft gekommen seien. Darüber hinaus seien die meisten in bayerischer Tracht gekommen, was ebenfalls die Traditions- und Heimatverbundenheit zeige. „Das ist authentisch, das sind wir, das ist unsere Heimat!“. Gleichwohl sei es nicht der Stoff, sondern der Stolz und die Ehre, die sie als jahrhundertealtes „Symbol für Ehrbarkeit, Zusammenhalt und handwerkliche Exzellenz“ im Herzen tragen würden.
Kollmeier würdigte das Engagement der jungen Zimmerer: „Ihr habt heute einen großartigen Meilenstein erreicht! Aber es ist der erste kleine Schritt von vielen, manchmal noch größeren Herausforderungen, die in diesem Beruf noch vor euch stehen.“ Sie sollten von den Erfahrungen der älteren Kollegen profitieren.
Zu aktuellen Diskussionen rund um die Themen Bauen und Klima sagte er überzeugt: „Wir sind die echten Klimaschutz-Handwerker!“. Dämmen und Bauen in der Region mit Holz bedeute aktiver Klimaschutz, der Holzbau boome. Das Handwerk verdiene den Stellenwert, der ihm zustehe: Modern, frisch, motiviert und zukunftsfähig. Die Gesellen hätten als Zimmerer einen „krisensicheren Job“, in dem gutes Geld verdient wird. „Zeigt der Welt da draußen, dass ihr stolz auf das seid, was ihr mit euren Händen schafft!“.
Nach der Festrede des Obermeisters holte Kollmeier die beiden Ausbilder Matthias Meyer (Bildungszentrum Traunstein) und Alexander Sedlmayer (Berufsschule 1 Traunstein) auf die Bühne und diskutierte mit den beiden über Unterrichtsinhalte und den Umgang mit den Berufsschülern. Als „goldener Rat“ zum Schluss sagten die beiden „Seid stolz auf euren Beruf“ (Meyer) und „Einmal Zimmerer, immer Zimmerer!“ (Sedlmayer).
Andreas Graßl, stellvertretender Kreishandwerksmeister für den Landkreis Berchtesgadener Land, blieb es vorbehalten, die Lehrlinge gemäß der jahrhundertealten Tradition freizusprechen. „Es ist ein Tag, an dem wir ein Versprechen einlösen. Sie haben ihre Lehrzeit beendet.“ Der Zimmerermeister betonte, dass der Respekt vor der Leistung der jungen Gesellen spürbar sei. Der Bau mit dem Werkstoff Holz sorge für eine sinnvolle Nutzung. „Ökologisches Bauen gibt es nur mit dem regionalen Zimmerer. Sie sind ab heute das Rückgrat unserer regionalen Wirtschaft!“. Die Welt verändere sich gerade durch den Einsatz technischer Möglichkeiten rasend schnell. Dem setzte er lebenslanges Lernen entgegen. „Bleiben sie lernbegierig, seien sie stolz auf das was sie mit ihren Händen und ihrem Verstand erschaffen haben.“
Die Zahlen, die der neue Lehrlingswart Christian Weiß vorlegte, können sich sehen lassen: 33 Zimmerer traten nach drei Jahren Lehrzeit zur Sommerprüfung an, 31 schafften die herausfordernden Prüfungsaufgaben in Theorie und Praxis mit einem Notendurchschnitt von 2,55. Dazu kommen sechs weitere Gesellen, die ihre Prüfung bereits im Winter 2025/2026 erfolgreich in Rosenheim ablegten. Und auch den Erfolg von zwei Ausbaufacharbeitern gab es zu feiern.
Besonders geehrt wurden die prüfungsbesten Zimmerer der Sommerprüfung, die beide in Theorie und Praxis jeweils mit der Traumnote 1 abschlossen. Innungssieger Stefan Annabrunner vom Ausbildungsbetrieb Franz Plank in Obing und hauchdünn in der Bewertung dahinter Franz Grill vom Ausbildungsbetrieb Mussner in Tacherting.
Bereits bei der Jahresversammlung der Innung im April wurde Ludwig Hartl mit der silbernen Ehrennadel der Handwerkskammer eine herausragende Ehrung zuteil, der sich seit Jahrzehnten für das Zimmererhandwerk, die Auszubildenden und die Innung engagiert. Der Zimmerer- und Dachdeckermeister war als Meisterbeisitzer 20 Jahre Mitglied im Prüfungsausschuss, bevor er 2016 dessen Vorsitz übernahm, den er bis zum Tag der Hauptversammlung innehatte. Obermeister Kollmeier würdigte das hohe Engagement des Vorstandsmitgliedes: In 20 Jahren Verantwortung im Prüfungsausschuss habe er Generationen von jungen Zimmerern auf ihrem Weg begleitet und habe die Arbeit mit Herzblut und Verantwortung gemacht. „Vergelt’s Gott für deinen großartigen und unermüdlichen Einsatz“, sagte Kollmeier.
Nach dem offiziellen Teil
geht es noch lange weiter
Nach der Feier ging es zünftig weiter und bestätigte den Begriff der „Zimmererfamilie“. Stehen die Handwerker doch gewerks- und betriebsübergreifend zusammen – das Handwerk verbindet. Entsprechend lang und gemütlich ging es deshalb auch nach dem „offiziellen Teil“ weiter. Musikalisch wurde die Freisprechung von Andrea Wittmann mit dem Akkordeon und Tim Bosch mit der Ziach begleitet. Und auch der stellvertretende Kreishandwerksmeister Andreas Graßl zeigte mit der Querflöte bei einem Stick beachtenswerte Qualitäten.