Alternative Energie vom Feld

von Redaktion

Auf dem Weg zur Unabhängigkeit haben Landwirte im Landkreis Traunstein auf innovative Konzepte gesetzt. In Altenmarkt und Tittmoning zeigten Betriebe, wie Rapsöl als Kraftstoff und Agri-Photovoltaik die Energieversorgung von Höfen sichern können.

Traunstein – Wie können sich Landwirte bei der Lösung der aktuellen Energiepreiskrise einbringen und ebenfalls die Unabhängigkeit ihrer Höfe in puncto Energieversorgung verbessern? Diese aktuelle Frage stand im Mittelpunkt der diesjährigen Erntepressefahrt des AELF. Diese lief unter dem Motto „Energie vom Feld“. Innovative Beispiele über den Einsatz von Ölpflanzen als Dieselersatz und die Doppelnutzung von Agri-Photovoltaikanlagen für die Erzeugung von Strom und landwirtschaftlichen Produkten sind auf zwei landwirtschaftlichen Betrieben in Altenmarkt und Tittmoning praxisnah demonstriert worden.

Dieselalternative Rapsöl
im Praxistest

Stephan Ruth betreibt mit seiner Familie in Neustadl bei Altenmarkt im Haupterwerb einen Schweinemastbetrieb mit 130 Zuchtsauen und 500 Mastschweinen. Insgesamt bewirtschaftet er eine Fläche von 100 Hektar, darunter auch zwölf Hektar Raps. Die Feldfrucht zählt in Deutschland mit einer Anbaufläche von bis zu 1,15 Millionen Hektar zu den wichtigsten Ölpflanzen. Als Speiseöl dient er der menschlichen Ernährung. Der Rapsextraktionsschrot zählt zu den wichtigsten Eiweißfuttermitteln für Tiere. Ebenso lässt sich aus Rapsöl nachhaltig zertifizierter Biodiesel gewinnen.

Mit rund 60 Betrieben und etwa 500 Hektar Anbaufläche gehört Raps in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land, die das AELF betreut, „eher zu den Exoten“, wie Stephan Ruth und der Pflanzenbaufachberater Michael Kirchstetter vom AELF betonten.

Für eine rege Diskussion sorgte der Einsatz von Rapsöl als zertifizierter Biokraftstoff und Dieselalternative. Andreas Urgibl, Betriebsleiter der Versuchsstation Osterseeon und des Versuchszentrums Südostbayern, die zu den Bayerischen Staatsgütern gehören, stellte dazu einen 130 Pferdestärken starken, im Ein-Tank-System mit Rapsöl betriebenen Schlepper der Firma John Deere vor. Er läuft seit 5.500 Stunden problemfrei. Aufgrund der höheren Viskosität von Rapsöl mussten die Kraftstoffpumpe verstärkt sowie andere Steuerungen und ein Wärmeaggregat eingebaut werden.

Ruth gab zu bedenken, dass sich bei einem hofeigenen Ernteertrag von aktuell rund 18.000 Litern Rapsöl der Einsatz prinzipiell lohnen würde. Nur würden angesichts einer teuren Motorumrüstung und der erforderlichen Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb viele Landwirte derzeit noch abwarten. Steige der Dieselpreis weiter, würden „die Karten neu gemischt“.

Welche Vorteile eine Agri-Photovoltaikanlage zur Doppelnutzung von elektrischer Energie und landwirtschaftlicher Produktion bringt, das machte der Besuch auf dem Hof von Markus Stampfl in Holzhausen (Gemeinde Tittmoning) deutlich. Der Nebenerwerbslandwirt, der im Hauptberuf als Konstruktionsleiter bei einem Industrieunternehmen arbeitet, hat einen Rindermastbetrieb mit 20 Tieren und 12,8 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Im März begann er, auf 1,44 Hektar Fläche eine Agri-Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 994 Megawatt-Peak errichten zu lassen. Unter ihr werden aktuell Sojabohnen und Kleegras angebaut. Die Anlage bietet neben dem Stromertrag auch den Vorteil von Prämien aus der Flächenförderung.

Wie Abteilungsleiter Matthias Anzinger vom AELF betonte, seien die Anforderungen an eine Agri-Photovoltaikanlage durch eine DIN-Norm genau geregelt. Ausschlaggebend für die Förderung sei, dass der Flächenverbrauch durch die hochaufgeständerten und schwenkbaren Solarmodule nur maximal zehn Prozent der Projektfläche betragen dürfe. Das unterscheide sie deutlich von Freiflächen-Photovoltaikanlagen. AELF-Leiter Michael Kaiser erklärte: „Gerade diese sehen wir sehr kritisch, weil sie besten Grund und Boden der landwirtschaftlichen Nutzung entziehen.“ Nach Zahlen des Bayerischen Wirtschaftsministeriums umfasste der Flächenverbrauchswert bei Freiflächen-Photovoltaikanlagen im Jahr 2024 rund 1.352 Hektar.

Doppelnutzung
durch Agri-Photovoltaik

Vorgestellt wurden auf dem Hof von Martin Stampfl auch Beispiele, wie sich die Nutzung von selbsterzeugtem Strom sinnvoll einsetzen lässt. Das Unternehmen Siloking aus Tittmoning präsentierte dazu einen elektrisch betriebenen Futtermischwagen, der weltweit erfolgreich ist. Das Start-up der Tadus GmbH aus Schnaitsee baut gerade an einem zweiten Prototypen für einen elektrisch betriebenen 160-PS-Schlepper, der in Kürze mit fünf Stück in Vorserie gehen soll.

Dr. Klaus Thuneke, stellvertretender Abteilungsleiter im Technologie- und Förderzentrum Straubing, hielt gerade für Maschinen im niedrigen und mittleren Leistungsbereich bis 200 Kilowatt eine Elektrifizierung für machbar, was „bis zu einer Milliarde Liter Kraftstoffersparnis“ bringen könnte. Lediglich beim Einsatz leistungsstärkerer Landwirtschaftsmaschinen seien die Optionen aktuell noch fraglich.

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