Haro streicht 60 Stellen in Stephanskirchen

von Redaktion

Haro hat seine Laminatproduktion am Standort Stephanskirchen geschlossen. Damit verbunden war der Wegfall von rund 60 Arbeitsplätzen. Trotz dieses „schmerzvollen Einschnitts“ zeigten sich Geschäftsführung und Betriebsrat optimistisch für die Zukunft.

Stephanskirchen – Es ist nicht die erste Meldung dieser Art. Doch dieses Mal ist etwas anders. Etwa eine Woche nachdem die Entscheidung getroffen wurde, sitzen im Büro eines Haro-Flooring-Geschäftsführers vier Männer zusammen, um die neuesten Entwicklungen gemeinsam gegenüber der Presse bekanntzugeben. Das Besondere daran: Sowohl Geschäftsführung als auch Betriebsrat sitzen an einem Tisch – und ziehen an einem Strang. Angesichts der Hiobsbotschaft, die sie verkünden werden, eine ungewöhnliche Situation.

Laminatproduktion
wird eingestellt

Denn die ehemalige Sparte der Hamberger Industriewerke muss nun nach dem Kauf durch den Münchner Finanzinvestor Mutares einen schweren Schritt gehen: Die Laminatproduktion in Stephanskirchen wird eingestellt. Damit verbunden ist logischerweise auch der Wegfall etlicher Arbeitsplätze. „Es betrifft circa 60 Arbeitsplätze“, erklärt der operative Flooring-Geschäftsführer Michael Paringer im exklusiven OVB-Gespräch. „Diese Maßnahme ist für die betroffenen Mitarbeiter ein schmerzvoller Einschnitt. Aber in den Gesprächen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft haben wir Lösungen gefunden.“ Stand Juni arbeiteten 700 Mitarbeiter bei Flooring.

Das bestätigt auch der Betriebsratsvorsitzende Bülent Tirmik: „Wir haben für unsere Kollegen das Allerbeste rausgeholt.“ Zudem habe man eine Transfergesellschaft organisiert. „Das war eine Grundforderung, die wir gestellt haben.“ Die Verhandlungen seien „sehr fair“ abgelaufen. Dadurch habe man letztlich auch geschlossen vor der Belegschaft auftreten und gemeinsam offene Fragen klären können.

Doch warum musste die Geschäftsführung diesen Schritt gehen? „Wir fokussieren uns auf die Kernprodukte und das ist insbesondere Parkett“, erklärt Tim Kaltwasser, der von Mutares entsandte Geschäftsführer für Haro. „Diesen Bereich wollen wir hier am Standort stärken.“ Gleichzeitig werde man das Produkt Laminat nicht aus dem Sortiment nehmen. „Es wird weiterhin Haro Laminat geben, Made in Germany, allerdings nicht hier in Stephanskirchen hergestellt“, sagt Kaltwasser. Man könne es in der Menge, in der es in Stephanskirchen produziert wurde, einfach nicht mehr wettbewerbsfähig herstellen.

Eine allzu große Überraschung dürfte diese Entscheidung auch für die Mitarbeiter aus der Produktion nicht gewesen sein. „Die Mitarbeiter in der Laminat-Produktion sehen tagtäglich, wie viel wir früher produziert haben, und wie viel es heute ist“, sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Alexander Neubauer. „Daher hat jeder schon gewusst, dass etwas im Laminatbereich geschehen muss.“

Von betrübter Endzeitstimmung sei man dennoch weit entfernt, wenn man den Worten von Geschäftsführung und Betriebsrat Glauben schenken möchte. „Es herrscht Aufbruchstimmung“, betont Paringer. „Wir haben gut ausgebildete Mitarbeiter, eine Parkettproduktion, die auf dem Stand der Technik ist, und die Motivation, in eine erfolgreiche Zukunft zu starten.“ Man stelle sich mit der Fokussierung auf Parkett und einer schlanken Organisation nun wettbewerbsfähig auf.

Und mit dem Mutares-Neustart habe sich auch die Stimmung im Betrieb wieder gebessert, wie der Betriebsrat erklärt. „Ich komme ja aus der Produktion und dort hat man nach der Übernahme von Mutares schnell gemerkt, dass Probleme jetzt ganz neu angegangen werden“, berichtet Neubauer. „Da hat man dann auch schnell gemerkt, dass die Stimmung wieder steigt. Es ist wieder Motivation da.“ Auch Tirmik berichtet, dass das vergangene Jahr Spuren hinterlassen habe. „Das hat auch an der Belegschaft genagt.“ Als klar war, wie es weitergeht, habe es sich wieder gebessert. „Die Kollegen sind sehr motiviert. Was die Anlagen angeht, sind wir super aufgestellt. Wir warten quasi nur noch auf die wirtschaftliche Besserung“, betont Tirmik.

„Frischer Blick und
schnellere Entscheidungen“

Man wolle überhaupt nicht bestreiten, dass es sich bei Flooring um ein Traditionsunternehmen handelt, sagt Kaltwasser. „Klar ist es jetzt nicht mehr in der Hand von Familie Hamberger, aber man merkt auch, dass die Mitarbeiter hier stolz auf das Unternehmen sind.“ Das solle auch gerne weiterhin so sein. „Wir können jetzt neu starten, mit einem frischen Blick und schnelleren Entscheidungen.“ Nun setze man die Organisation neu auf, um letztlich in ein „ruhigeres Fahrwasser“ zu kommen. Die Geschäftsführung wolle noch in diesem Jahr möglichst viele Maßnahmen umsetzen, um im nächsten Jahr die Effekte zu sehen.

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