John verlegt Produktion nach Bulgarien

von Redaktion

Wegen stark gestiegener Kosten hat das Traditionsunternehmen John seine Ballproduktion von Freilassing nach Bulgarien verlagert. Für 26 Mitarbeiter bedeutete dieser Schritt im Jahr des 100-jährigen Bestehens den Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Freilassing – „John Toys“ kündigt 26 Mitarbeiter. „Diese wurden alle mit Abfindungen im Rahmen eines mit dem Betriebsrat verhandelten Sozialplans für den Verlust ihres Arbeitsplatzes entschädigt“, so Susanne John, eine der beiden Geschäftsführerinnen und Enkelin des Firmengründers Albin John.

Mehrheit der Mitarbeiter
verbleibt im Stammhaus

Die Ballproduktion wird in das 2023 eröffnete John-Werk in Bulgarien verlagert. „Das ist der einzig tragfähige Weg, um das Unternehmen langfristig zu halten.“ Die Mehrheit der Mitarbeiter würde im Stammhaus in Freilassing verbleiben.

Der Name „John“ ist vielen im Zusammenhang mit Reifen ein Begriff, die Firma „John Toys“ ist Hersteller von Bällen aller Art bis zu Wasserspielwaren sowie Sport- und Fitnessutensilien. Das Unternehmen im Industriegebiet feiert in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen. Die Entscheidung für die Verlagerung der Ballproduktion nach Bulgarien begründet Susanne John mit anhaltendem wirtschaftlichem Druck: „Stark gestiegene Energie- und Rohstoffkosten, ein intensiver Wettbewerb auf den Absatzmärkten sowie die allgemeine Kostenentwicklung am Produktionsstandort Deutschland haben die Ertragssituation der John GmbH in der Spielballproduktion nachhaltig beeinträchtigt.“ Man habe die Entwicklung über einen längeren Zeitraum intensiv beobachtet, analysiert und verschiedene Handlungsalternativen geprüft. „Dabei hatten wir stets das Ziel, den Standort Freilassing und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.“

Im Ergebnis sei man allerdings zur Überzeugung gelangt, dass eine Verlagerung der Ballproduktion in das 2023 eröffnete Werk in Bulgarien der einzig tragfähige Weg sei, um die John GmbH als Unternehmen langfristig zu sichern. Nach den Verhandlungen mit dem Betriebsrat steht fest: „Final mussten wir leider 26 Mitarbeitern kündigen, was wir sehr bedauern“, so Susanne John.

Für den Kreisrat und Stadtrat der Linken, Rudy Kreuzeder, steht fest, „dass die Entscheidung Beschäftigte und ihre Familien hart trifft. Sie haben Anspruch auf eine transparente Darstellung des Ablaufs, der wirtschaftlichen Gründe und der sozialen Folgen“. Die Linke Freilassing hatte sowohl mit der Geschäftsführung als auch mit dem Betriebsrat Kontakt aufgenommen und einen Fragenkatalog zur Verlagerung der Ballproduktion nach Bulgarien geschickt. Die Geschäftsführung antwortete nicht, der Betriebsrat lehnte auch ein vertrauliches Gespräch mit der Begründung ab, dass man grundsätzlich keine Gespräche mit politischen Parteien führen wolle.

„Diese unabhängige Entscheidung respektieren wir“, so Kreuzeder. Die Verantwortung für die Produktionsverlagerung und deren öffentliche Erklärung liege ohnehin bei der Geschäftsführung. Kreuzeder versteht das vereinbarte Stillschweigen zwischen der Firmenleitung und dem Betriebsrat nicht. „Das ist klärungsbedürftig, denn es geht nicht um geschützte Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse, sondern um die Frage, ob die Vereinbarung eine frühere Information der Beschäftigten erschwert hat.“

Der Vertreter der Linken will auch im Fall John einen „grundlegenden Mechanismus kapitalistischer Wirtschaft“ erkennen: „Sobald an einem anderen Standort günstiger produziert werden kann, geraten bestehende Arbeitsplätze unter Druck – unabhängig davon, wie lange die Beschäftigten zum Unternehmenserfolg beigetragen haben.“ Die wirtschaftlichen Vorteile einer Verlagerung würden beim Unternehmen verbleiben. „Die sozialen Folgen tragen vor allem die Beschäftigten, ihre Familien, die Region und teilweise die Allgemeinheit.“

Das Unternehmen John wurde 1926 im tschechischen Tetschen von Albin John als Reparaturwerkstatt für Reifen gegründet. 1927 führte der Gründer das Verfahren zur Vulkanisierung zur Runderneuerung von Reifen ein.

1945 wurde auch die Familie John wie 1,2 Millionen andere Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei vertrieben. Die Familie flüchtete nach Freilassing und eröffnete hier 1948 in einer kleinen Baracke eine Reifenwerkstatt.

Zweites Standbein
neben dem Reifenbetrieb

Ab 1953 startete dann in der Jennerstraße die Ballproduktion, sie wurde zum zweiten Standbein neben dem Reifenbetrieb. 1957 wurde das Unternehmen dann auf die beiden Söhne aufgeteilt: Walter John übernahm den Reifenbetrieb und Hans John die Thermoplastik, also auch die Ballproduktion.

Firmengründer Albin John starb 1972. In diesem Jahr begann das Unternehmen auch seine Internationalisierung, 2023 wurde die neue Ballproduktion in Bulgarien eröffnet.

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