„Mehr in der Gegenwart leben“

von Redaktion

Der langjährige Werksleiter Helmut Schwarz ist nach 22 Jahren an der Spitze von Krones in Rosenheim in den Ruhestand gegangen. Er prägte das größte Unternehmen der Region nachhaltig. Im Gespräch blickte er auf seine bewegte Dienstzeit zurück.

Rosenheim – Mit wachsamen Augen und einem verschmitzten Lächeln sitzt Dr. Helmut Schwarz beim Gespräch mit dem OVB in einem Bürosessel in Rosenheim. „Was wollen Sie denn wissen?“, fragt er und beginnt kurz darauf, ausführlich zu erzählen. Auch von dem, was in seiner Zeit von rund 30 Jahren bei Krones bislang nicht in der Öffentlichkeit zu lesen war.

Davon, wie er in München aufwuchs, seiner Leidenschaft für Fußball, speziell seinem Jugendverein TSV Grünwald, für den er sich immer noch engagiert. Von seiner Prägung durch die Landwirtschaft über sein familiäres Umfeld und das, was ihn letztlich nach dem Studium an der TU München in die Region brachte: seine Fähigkeiten als Doktor der Ingenieurswissenschaften – genauer gesagt des Maschinenbaus.

1993 bei Max Kettner
in Rosenheim begonnen

Im Jahr 1993 begann Schwarz im Alter von 30 Jahren bei der Rosenheimer Firma Max Kettner und arbeitete sich schnell in den Betrieb ein. Was folgte, waren direkt „die schwersten Jahre, die ich jemals miterleben musste“. Denn der seit 1951 etablierte Verpackungsspezialist und damalige Konkurrent von Krones geriet zusehends in Schwierigkeiten. Und so kam es, dass Schwarz eines Tages den Auftrag bekam, sich mit der Familie Kronseder, den Gründern von Krones, in Rosenheim zu treffen, um eine mögliche Übernahme zu besprechen.

„Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern“, meint Schwarz. „Volker Kronseder kam mit seinen Vorständen nach Rosenheim und fragte mich, wo denn die anderen Verantwortlichen seien.” Als Schwarz ihm damals erklärte, dass niemand mehr kommen würde, war der damalige Krones-Chef schon fast wieder dabei, die Rückreise nach Neutraubling anzutreten. Doch als Kronseder merkte, dass Schwarz auf nahezu alle Fragen eine Antwort zu haben schien, blieb er, und hörte sich alles genau an. Dieses Treffen war der erste Schritt zur Übernahme von Max Kettner durch Krones im Jahr 1997.

Was folgte, war eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält. Aus damals rund 500 Mitarbeitern, die wie Schwarz selbst größtenteils von Kettner übernommen wurden, entstand das Rosenheimer Werk. Mittlerweile gehört die Region zur zweitgrößten Produktion des Unternehmens und umfasst rund 1.200 Mitarbeiter. Ein paar Jahre später folgte die Erweiterung in Raubling. Mittlerweile wird mit den neuen Flächen im Technologiepark Mietraching in Bad Aibling an einem weiteren Standort gebaut.

Was dem 63-Jährigen in den vielen Jahren besonders in Erinnerung blieb? „Der Besuch des Präsidenten, das erlebt man auch nicht alle Tage“, meint Schwarz. Im April 2017 begrüßte der Werksleiter den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Rosenheim und führte ihn durch das Krones-Werk.

Auch über seine Tätigkeit als Werksleiter hinaus engagierte sich Schwarz für den Wirtschaftsstandort Rosenheim. Etwa im Hochschulrat der TH Rosenheim, als Mitglied im IHK-Regionalausschuss oder als Juror beim Gründerpreis. „Dr. Helmut Schwarz steht wie kaum ein anderer für Innovationskraft, unternehmerischen Weitblick und Verbundenheit mit unserer Region“, sagte Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan, als er Schwarz mit der Städtischen Verdienstmedaille auszeichnete.

Nach 22 Jahren an der Spitze des Rosenheimer Werkes geht Schwarz nun in den Ruhestand und übergibt die Nachfolge an Dr. Martin Pitsch. „Er passt super zu Krones und ich bin mir sicher, dass er die kommenden Aufgaben hier sehr gut bewältigen und die Pack- und Palettiertechnik gut in die Zukunft weiterentwickeln wird“, meint Schwarz. Sei es das Großprojekt in Bad Aibling oder die Vermarktung des neuen Verpackungs-Prototypen, der im Juni bei Auerbräu in Betrieb genommen wurde. Aber auch dem bisherigen Werksleiter wird es im Ruhestand nicht langweilig werden. „Für meine Frau, meine drei Kinder sowie zwei Enkel habe ich jetzt mehr Zeit“, erzählt Schwarz. „Ich werde jetzt einfach mehr in der Gegenwart leben.“

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