„Vertrauen zwischen den Akteuren ist hoch“

von Redaktion

Interview Der neue IHK-Geschäftsführer Maximilian Keneder mit Vorgänger Jens Wucherpfennig

Rosenheim – Es ist wohl das letzte Mal, dass Jens Wucherpfennig und Maximilian Keneder in der Hechtseestraße in Rosenheim zusammensitzen. Zum einen, weil Keneder seit dem gestrigen 1. September alleine die Geschäftsleitung der Rosenheimer IHK übernehmen wird. Zum anderen, weil direkt ein großer Umzug bevorsteht. Was den 33-Jährigen ausmacht und welche Aufgaben auf ihn zukommen.

Schon zwei Wochen vor dem offiziellen Wechsel sitzen der alte und der neue Leiter der IHK-Geschäftsstelle Rosenheim an einem Tisch – kein schlechter Übergang, oder?

Jens Wucherpfennig: Absolut, das ist sehr wertvoll für uns. Ich kann die Themen direkt übergeben, anstatt nur einen aufgeräumten Schreibtisch zu hinterlassen. Momentan sitzen wir tatsächlich viel zusammen, besprechen zahlreiche Themen, reden mit unserem Rosenheimer Team, aber auch direkt mit den Unternehmern. Dadurch können wir eine echte Konstanz und einen reibungslosen Übergang innerhalb der IHK gewährleisten.

Maximilian Keneder: Das ist natürlich auch für mich ein sehr angenehmer Einstieg. Ich meine, auch wenn ich aus der Region bin, hat man nicht direkt alle relevanten Kontakte. Und dann ist es top, wenn man so nahtlos einen Anschluss knüpfen kann.

Über welche wichtigen Themen reden Sie aktuell?

Wucherpfennig: Nach der IHK-Wahl vor wenigen Wochen geht es vorwiegend darum, unsere neugewählten Regionalausschüsse ins Laufen zu bekommen. Teilweise gibt es neue Mitglieder, es sind aber auch einige wiedergewählt worden. Das gilt es zusammenzuführen. Das Gute ist, dass Maximilian Keneder in seiner Funktion bei der IHK am Münchener Stammhaus auch schon Ausschussarbeit gemacht hat. Es ist also nichts Neues für ihn.

Keneder: Ein zweiter großer Punkt ist der Umzug in die Lokhöfe. Da ist schon sehr, sehr viel passiert. Jetzt geht es in die heiße Phase. Der Innenausbau läuft auf Hochtouren, demnächst wird die IT installiert und im Dezember ziehen wir dann endgültig in die neuen Räume am Bahnhof um.

Was verändert sich dadurch nicht nur für die Verwaltung, sondern auch für die Kursteilnehmer an der Akademie?

Wucherpfennig: Allen voran: Die neue Geschäftsstelle und die Akademie sind viel besser zu erreichen als am bisherigen Standort. Dank des Bahnhofs in unmittelbarer Nachbarschaft können Unternehmerinnen und Unternehmer, Prüflinge und Seminarteilnehmende aus der ganzen Region die IHK besser mit dem Zug erreichen. Zudem wird es aufgrund des Erstbezugs deutlich moderner und alles ist auf unsere Bedürfnisse angepasst.

Als neuer Geschäftsstellenleiter klingt das direkt nach viel Arbeit.

Keneder: Definitiv. Ganz neu sind mir die regionalen Themen aber nicht, das erleichtert den Start. Seit mehr als acht Jahren bin ich bei der IHK: zunächst als Werkstudent, dann im Vollzeitjob für die Tourismus-Initiative München. Danach war ich als IHK-Regionalreferent für die IHK-Regionalausschüsse Starnberg, Dachau und Fürstenfeldbruck zuständig sowie Teil des IHK-Politikteams. Außerdem komme ich selbst aus der Region Rosenheim, was mir den Einstieg hoffentlich erleichtern wird.

Ein Blick in unser Archiv zeigt einen Abschluss am Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium im Jahr 2011 sowie einen jungen Quarterback des Rosenheimer Football-Teams.

Keneder: Das stimmt beides. Ich bin in Prien geboren und in Stephanskirchen aufgewachsen. Dann hat es mich einmal kurz nach Niederbayern an die Uni in Passau verschlagen. Danach war ich zehn Jahre in München, habe dort studiert und lebe nun mit meiner Frau seit vier Jahren in Höslwang. Auch dem Football bin ich in meiner Freizeit treu geblieben, wobei ich mittlerweile die kontaktlose Variante, Flag-Football, bevorzuge.

Als Teil der Politikteams der IHK kamen Sie viel mit bundesweiten, wirtschaftspolitischen Themen in Berührung. Was nehmen Sie davon konkret mit in die Region?

Keneder: Da gibt es viele Parallelen. Sei es das Thema Infrastruktur oder Mobilität, über das in der Regel nicht hier vor Ort, sondern im politischen Berlin entschieden wird. So wird uns zum Beispiel der Brenner-Nordzulauf oder der nötige Ausbau der A8 noch sehr lange beschäftigen – beides Projekte, bei denen die regionale Wirtschaft auf mehr Tempo hofft. Aber nicht nur da werde ich versuchen, mit allen Beteiligten in den Austausch zu gehen und eigene Ideen einzubringen.

Welche Ideen sind das konkret?

Keneder: Ein Projekt nennt sich IHK Startup School Cup. Da geht es im Grunde darum, dass Schülerinnen und Schüler in der 10. Klasse einen Businessplan erstellen und dabei von regionalen Coaches unterstützt werden. Die Jugendlichen üben sich also im Gründen einer eigenen Firma und lernen gleich auch noch die Unternehmen kennen. Im vergangenen Jahr nahmen 15 Schulen im Münchner Westen an dem Projekt teil. Im kommenden Jahr sind es schon knapp 40. Aber das wäre sicher auch etwas für unsere Region hier.

Bevor Sie, Herr Wucherpfennig, in die Geschäftsführung der Firma Bensegger wechseln. Was geben Sie Ihrem IHK-Nachfolger persönlich mit?

Wucherpfennig: Ich wünsche ihm, dass er die gleichen Erfahrungen macht wie ich. Hier auf Menschen zu treffen, die Mut haben, nach vorn schauen, Neues entwickeln und etwas anpacken. Die Region zeichnet sich durch ein starkes Netzwerk aus. Das Vertrauen zwischen den handelnden Akteuren ist unheimlich hoch. Und das ist meines Erachtens die Basis dafür, dass man für die Wirtschaft wirklich gute Rahmenbedingungen schaffen kann.

Korbinian Sautter

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