Traditionsfirma in schwierigem Wasser

von Redaktion

Der Rosenheimer Kajak-Hersteller Prijon befindet sich in vorläufiger Insolvenz

Rosenheim – Ein traditionsreicher Hersteller aus Rosenheim befindet sich im vorläufigen Insolvenz-Verfahren. Betroffen ist die Prijon GmbH Vertrieb und Herstellung von Sportgeräten mit Sitz an der Innlände. Das Amtsgericht Rosenheim hat kürzlich Sicherungsmaßnahmen angeordnet und einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Wichtig ist dabei die rechtliche Einordnung: Ein Insolvenzverfahren ist bislang noch nicht eröffnet. Derzeit befindet sich das Unternehmen im sogenannten Insolvenzeröffnungsverfahren. Ob das eigentliche Verfahren eröffnet wird, steht noch nicht fest.

Blick auf die
Firmengeschichte

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Hans-Peter Müller aus Traunstein bestellt. Aus der veröffentlichten Gerichtsentscheidung geht hervor, dass die vorläufige Insolvenzverwaltung zur Sicherung des Unternehmensvermögens angeordnet wurde.

Zu den Hintergründen der finanziellen Schwierigkeiten, zur aktuellen wirtschaftlichen Lage oder zu möglichen Folgen für Beschäftigte und Produktion liegen bislang keine belastbaren öffentlichen Angaben vor.

Die Insolvenz betrifft dabei eine Firma mit besonderer Bedeutung für den Rosenheimer Wassersport. Die Geschichte von Prijon reicht bis in die frühen 1960er-Jahre zurück. Anton Prijon senior gründete 1962 gemeinsam mit seiner Frau Lotte eine eigene Sportwerkstätte in Rosenheim. Zuvor war er selbst erfolgreicher Wildwasserfahrer und hatte unter anderem einen Weltmeistertitel gewonnen. Aus der kleinen Werkstatt entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte eine international bekannte Kajak-Manufaktur. Prijon verweist selbst darauf, dass zahlreiche Weltmeistertitel und auch olympische Goldmedaillen mit Booten aus Rosenheimer Produktion gewonnen wurden. Besonders prägend war die Einführung blasgeformter HTP-Kajaks Anfang der 1980er-Jahre. Das Unternehmen betont bis heute die Produktion in Deutschland und die Fertigung vieler Kajaks in Handarbeit.

Nach eigenen Angaben sollen möglichst viele Zulieferprodukte aus der Region beziehungsweise aus Deutschland stammen. Der Firmensitz befindet sich weiterhin an der Innlände 6 in Rosenheim. Prijon ist zudem eng mit der Rosenheimer Kanusport-Geschichte verbunden. Firmengründer Anton Prijon fand nach seiner Ankunft in Rosenheim beim Kajak-Klub eine sportliche Heimat. Auch zahlreiche spätere Erfolge der Familie und des Vereins sind eng mit den in Rosenheim gebauten Booten verknüpft.

Wie es mit dem Unternehmen nach der Anordnung der vorläufigen Insolvenzverwaltung weitergeht, ist derzeit offen. Entscheidend wird nun sein, zu welchem Ergebnis die Prüfung im Insolvenzeröffnungsverfahren kommt.

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