Berlin – Die IFA hat zwar im Jahr 1924 als große deutsche Funkausstellung begonnen, sie ist inzwischen aber zu einer allumfassenden Messe für Konsumenten-Elektronik geworden. Besonders spannend sind heuer die Neuheiten aus der Küche.
Braten und Gemüse auf einem Blech
Der Hersteller Miele präsentiert dazu auf seinem Stand eine völlig neue Art des Kochens. Der „Dialoggarer“ sieht von außen zwar aus wie ein normales Backrohr, aber schon seine fast handbreit dicke Klappe lässt erahnen, dass hier etwas anders ist. Dieser Ofen überträgt seine Energie in das Kochgut nicht konventionell durch Erhitzen der Oberfläche, sondern mittels eines ständig wechselnden Frequenzspektrums von Mobilfunkwellen. Zusätzlich misst eine Antenne permanent, wie die Energie aufgenommen wird und passt Frequenz und Leistung entsprechend an. So kann der dicke Braten zusammen mit den Beilagen auf einem Blech zubereitet werden. Trotzdem bleibt das Gemüse laut Hersteller knackig, die Kartoffelecken weich und das Fleisch saftig – und das in rund einem Drittel der Zeit.
Der Kühlschrank bringt die Getränke
Bei Panasonic kann man heute schon erleben, wie unsere Küchen vielleicht schon übermorgen aussehen. In die Arbeitsplatte ist ein Touch-Bildschirm integriert, von dem man Rezepte vorgeschlagen bekommt, danach schon mal den Ofen aufheizt und mit Videos beim Kochen hilft. Auf Zuruf fährt der Kühlschrank (Movable Fridge) aus seiner Parkposition und bringt dem Koch die benötigten Lebensmittel an den Herd – und später den Gästen die Getränke an den Tisch.
Gerät erkennt Art des Schmutzflecks
Wie frisch und unbelastet die eingesetzten Lebensmittel sind, kann bald ein handliches Analysegerät verraten, das von Siemens und Bosch als Prototyp vorgestellt wird. Der X-Spect ist in etwa so groß wie eine TV-Fernbedienung. Vermutlich auf photospektrometrischem Weg analysiert er etwa die Oberfläche eines Pfirsichs und gibt Auskunft über dessen Reifegrad oder wie stark er mit Pestiziden belastet ist. Hält man ihn an verschmutzte Wäsche, so bestimmt er Stoff- und Fleckenart und stellt im vernetzten Heim an der Waschmaschine auch gleich das entsprechende Reinigungsprogramm ein.
Wäsche auch bei 20 Grad sauber
Der Effizienzsteigerung beim Waschen widmen sich die Hersteller mit ganz unterschiedlichen Konzepten. Bei Samsung etwa drehen sich in der WW8800 Trommel und Trommelrückwand in entgegengesetzte Richtungen. Diese „multidimensionale Wäschebewegung“ soll in Kombination mit einer neuen Trommelbeschichtung sowie „SpeedSpray-Düsen“ die Waschzeit halbieren. Siemens und Bosch unterstützen in ihren Geräten die Reinigung mit in der Maschine erzeugtem aktivem Sauerstoff und versprechen hygienische Sauberkeit schon bei 20 Grad. Der chinesische Hersteller Hisense setzt bei seinem „Triple Washer“ auf die große Zehn-Kilo-Haupttrommel noch zwei kleinere Trommeln mit je einem Kilo Fassungsvermögen drauf. Jede hat ihre eigene Waschmitteldosierung sowie einen eigenen Wasserkreislauf. In einem Arbeitsgang können mit dieser Maschine drei unterschiedliche Wäschearten gesäubert werden.
Saugroboter als Wachhund
Die neueste Generation von Saugrobotern hat nicht bloß ihre Reinigungsleistung von Kanten und in Ecken mit variablen Seitenbürsten gesteigert. Durch Stereokameras ist auch ihre Orientierung in den Räumen besser geworden. Und da die Roboter inzwischen alle drahtlos mit einer entsprechenden Smartphone-App kommunizieren, eröffnet sich ihnen nun ein ganz neues Betätigungsfeld als Wohnungsaufpasser. Eine Internetverbindung vorausgesetzt – können ihre Besitzer nun quasi von überall auf der Welt nachschauen, was in der heimischen Wohnung vorgeht. Man kann die Wachhunde per manueller Steuerung auch ganz gezielt an verdächtige Orte schicken. Mittels Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wollen die Hersteller dabei verhindern, dass auch Hacker damit die Wohnung ausspähen. Bei einigen Geräten gewährt zudem eine mechanische Blende den Daheimgebliebenen bei Bedarf Schutz vor fremden Blicken.
Eine App als Babysitter
Unter der Bezeichnung „uGrow“ stellt Philips ein System vor, mit dem Eltern die Entwicklung ihres Kindes von der Schwangerschaft bis zum Alter von sechs Monaten medizinisch fundiert begleiten können. Kernstück ist auch hier eine App, in der Informationen gespeichert werden und mit der Verwandtschaft aber auch dem Arzt geteilt werden können. Die Daten kommen dabei automatisch von den unterschiedlichsten Peripherie-Geräten. So übermittelt etwa das Saugfläschchen Zeitpunkt, Dauer und Menge der Fütterung. Das Babyphone meldet Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer und der Luftreiniger die Qualität der Atemluft.
Zahnbürste überwacht Putzer
Der gleiche Hersteller hat nun auch eine elektrische Zahnbürste im Programm, die drahtlos mit einer App zusammenarbeitet. Aufgeteilt in sechs Sektoren werden beim Zähneputzen für jeden Bereich Anpressdruck, Putzdauer sowie die Bürstenpositionen übertragen und so die Qualität der Reinigung berechnet. Deren Erfolg kann zusätzlich mit einem kleinen Atemanalysegerät überprüft werden.
Coole Hörgeräte mit Zusatznutzen
Bis dato stehen Hörgeräte und deren Träger, die in der Regel schon ein gewisses Alter erreicht haben, nicht im Ruf, besonders hip zu sein. Aber nun bieten diese Prothesen zusätzliche Funktionen, für die die Träger von den Jüngeren vielleicht fast schon beneidet werden. Der dänische Hersteller ReSound verbindet seine Geräte (aber nun via Bluetooth) mit dem Smartphone. Unbemerkt von seiner Umgebung kann sich der Nutzer mit allerlei zusätzlichen akustischen Informationen versorgen lassen. Seien es die Nachrichten aus dem Internetradio, die Statusmeldungen der Miele-Waschmaschine aus dem Heimnetz oder in der Fremde die Übersetzung der mit dem Smartphone aufgenommenen Sätze mit dem Google-Translator.
Die IFA
dauert noch bis 6. September. Auf dem Berliner Messegelände am Funkturm werden insgesamt 240 000 Besucher erwartet. Die Tageskarte kostet 36 Euro (ermäßigt: 13 Euro). Über 1800 internationale Aussteller zeigen auf 159 000 Quadratmetern ihre Neuheiten.