Ursus Krüger leitet das Forschungslabor 3D-Druck bei Siemens. Er hat sechs Drucker und ein Team von 30 Leuten, die ausloten, was mit 3D-Druck alles möglich ist.
-Was genau versteht man unter 3D-Druck?
3D-Druck ist ein Verfahren zum Aufbau dreidimensionaler Werkstücke – als würde man sie ausdrucken. Experten sprechen von additiver Fertigung. Das beschreibt ganz gut, was da passiert. Bisher wird bei einem Werkstück durch Bohren, Fräsen oder Schleifen Material weggenommen. Beim 3D-Druck wird Material additiv aufgebaut.
-Welche Vorteile hat es, ein Teil zu drucken?
Durch den 3D-Druck werden ganz neue Designs möglich. Bei komplexen Teilen wie zum Beispiel einer Turbinenschaufel kann so der Wirkungsgrad der Gasturbine erhöht werden. Ein anderes Feld, in dem 3D-Druck interessant ist, ist die Ersatzteilversorgung. Wird ein Ersatzteil erst bei Bedarf gedruckt, kann man sich das Ersatzteillager sparen.
-Welche Materialien können gedruckt werden?
Theoretisch so gut wie jedes, wenn der Druckprozess vorher virtuell optimiert wurde – denn in der Regel ändern sich die Materialeigenschaften bei der additiven Fertigung. Damit das Teil später auch so aussieht und funktioniert wie gedacht, muss es vorab simuliert werden. Es wird zuerst pulverisiert und dann im Drucker wieder aufgebaut. Je komplexer das Teil ist, desto mehr macht 3D-Druck Sinn. Bei Kunststoffen etwa sind die Druckkosten pro Teil viel höher als bei konventionellen Verfahren. Bei Metallen ist der Spielraum dagegen größer.
-Wird in der Produktion künftig nur noch gedruckt?
Nein. Die additive Fertigung wird die Produktion ergänzen. Komplexe Teile kleiner oder mittlerer Stückzahl kommen künftig aus dem Drucker, einfache werden weiterhin gestanzt oder gegossen – das geht schneller und ist kostengünstiger.
Interview: Manuela Dollinger