Siemens-Zugsparte

Fusion mit Alstom wahrscheinlich

von Redaktion

Von T. Magenheim-Hörmann

München – Siemens steht im Ringen um eine Zukunft der Bahnsparte vor einer wegweisenden Richtungsentscheidung. Binnen weniger Tage will der Münchner Technologiekonzern klären, mit welchem Partner er exklusiv über eine Verschmelzung der Geschäfte mit Eisenbahnen und Signaltechnik in die Endphase der Verhandlungen gehen will, sagt ein Insider.

Zur Auswahl stehen der kanadische Mischkonzern Bombardier, mit dem Siemens schon seit Monaten hinter den Kulissen spricht, oder aber die französische Alstom. Die französische Zeitung „Le Monde“ will erfahren haben, dass bereits eine Entscheidung zugunsten von Alstom gefallen ist. Der Alstom-Konzern hat Gespräche mit Siemens bestätigt, widersprach aber der Darstellung, dass eine endgültige Entscheidung gefallen sei.

Die Politik ist aber zumindest auf deutscher und französischer Seite eingeweiht und zeigt sich aufgeschlossen, berichten Medien. Kommt es zur Fusion, würde Siemens seine Sparte offenbar mit sieben Milliarden Euro bei Alstom einbringen und dafür eine Minderheitsbeteiligung von 45 bis 50 Prozent am französischen Konzern erhalten.

Schwierig bleibt eine Fusion von Bahntechnikkonzernen in jeder Variante kartellrechtlich. Denn westliche Bahnmärkte werden seit Jahren von Siemens, Alstom und Bombardier beherrscht, was Fusionen innerhalb dieser Gruppe kartellrechtlich lange undenkbar gemacht hat.

Vor zwei Jahren sind in China aber zwei Konkurrenten zum heute bei Weitem weltgrößten Bahntechnikkonzern mit dem Kürzel CRRC verschmolzen. Das Unternehmen setzt zusammen mehr um als alle drei westlichen Anbieter zusammen. Nun ist CRRC dabei, auch auf westlichen Märkten anzubieten.

Das mischt die Karten neu, sagen Siemens & Co. „Natürlich wird man eine starke Nummer zwei bauen müssen“, hatte Siemens-Chef Joe Kaeser vor wenigen Wochen erklärt. Die kann nur durch eine Fusion innerhalb des Trios Siemens, Alstom und Bombardier entstehen, was Kartellhüter auf EU-Ebene weiterhin kritisch sehen dürften. Im Weltmaßstab sähe eine Beurteilung wohl anders aus. Ein Weltkartellamt gibt es aber nicht, weshalb die Konzerne bei einer Fusion politische Schützenhilfe benötigen.

Lange verhandelt hatte Siemens vor Alstom mit Bombardier. Angedacht war in diesem Fall die Bildung zweier Gemeinschaftsunternehmen. Das eine, spezialisiert auf Signaltechnik, würde von Siemens geführt, das andere für Züge von Bombardier. Vom Sitz her angesiedelt wären beide Teile in Deutschland, weil Bombardier sein globales Bahngeschäft von Berlin aus lenkt. Diese Variante scheint nun aber vom Tisch.

Wenn Siemens und Alstom ihre Bahntechnik vereinen, entstünde die von Kaeser gewollte starke Nummer zwei hinter CRRC – allerdings unter französischer Führung. Das könnte bei einem möglichen Stellenabbau für deutsche Arbeitsplätze nachteilig sein. Unter anderem die Schnellzüge ICE von Siemens und der TGV von Alstom kämen bei dieser Fusionsvarian-te unter ein Dach, was auch technologische und Prestigefragen aufwerfen könnte.

Bereits 2014 wollte Siemens schon einmal mit den Franzosen fusionieren, war aber abgeblitzt. Eine weitere Hürde bei allen Gedankenspielen sind die Arbeitsplätze und damit Gewerkschaften. Denn bei jeder Kombination würden viele Stellen wegfallen. Allein in Deutschland beschäftigt Alstom 3000 Mitarbeiter. Im Fall von Bombardier waren es zuletzt gut 8000 Beschäftigte, wovon etwa ein Viertel sanierungsbedingt gestrichen werden soll. Siemens beschäftigt in der Bahnsparte 27 000 Mitarbeiter, in Deutschland vor allem an den Standorten Erlangen, Berlin, Krefeld, Braunschweig und München.

Geschäftlich am besten im Trio der westlichen Hersteller stand zuletzt Siemens da – mit einer operativen Marge nach Steuern und Zinsen im Bahngeschäft von fast zehn Prozent. Bombardier ist ein Sanierungsfall, Alstom geht es besser, aber an die Profitabilität von Siemens reichen die Franzosen nicht heran. Deshalb hat Siemens im Poker das beste Blatt. An Siemens vorbei wird in der Bahntechnik deshalb kaum fusioniert. Am meisten könnten die Münchner dabei nach Expertenansicht gegenüber Bombardier für sich herausholen, weil der Leidensdruck bei den Kanadiern am größten ist. Der stabilere Partner wäre Alstom.

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