20 Jahre Kaspersky Lab

Jubiläum im Schatten des US-Konflikts mit Russland

von Redaktion

München – Die Feier war lange geplant: Am Donnerstagabend wollte die Ingolstädter Deutschland-Zentrale des russischen Software-Herstellers Kaspersky das 20-jährige Bestehen des Konzerns feiern. Doch eine Woche zuvor war der Antiviren-Spezialist ins Visier der US-Behörden geraten.

Das US-Heimatschutzministerium hatte gewarnt, Vertreter von Kaspersky hätten möglicherweise Verbindungen zu russischen Geheimdiensten. Es bestehe das Risiko, dass die russische Regierung über Kaspersky-Produkte Informationssysteme der US-Behörden kompromittieren könnte, hieß es in einer Mitteilung. US-Bundesbehörden sollten keine Kaspersky-Programme mehr verwenden.

Die Zentrale von Kaspersky in Moskau wies die Vorwürfe zurück, die Anschuldigungen seien „komplett unbegründet“ und beruhten auf „falschen Vorwürfen und ungenauen Annahmen“. In Deutschland sah sich die Bundesregierung veranlasst, dem Unternehmen Schützenhilfe zu leisten: „Unsere Erfahrungen mit Kaspersky sind positiv“, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Auch Maizières Bonner Cybersicherheitsbehörde BSI gab Rückendeckung.

Nun könnte man glauben, bei Kaspersky Lab Deutschland herrschte bei der Jubiläumsfeier helle Aufregung wegen des Wirbels. Das Gegenteil war der Fall: Die IT-Experten sind zuversichtlich, was ihre Geschäfte angeht. Hacker-Angriffe wie WannaCry führen zu einem zunehmenden Sicherheitsbedürfnis bei Computer-Nutzern. In Ingolstadt sieht man weiterhin Wachstumschancen auf einem Markt, den auch US-Firmen wie Norton oder McAffee für sich beanspruchen.

Rätseln lässt die deutschen Kaspersky-Experten das US-Vorgehen trotzdem: „Der geopolitische Konflikt zwischen den USA und Russland wird in die Wirtschaft getragen, und wir geraten da mitten hinein“, sagte Stefan Rojacher von Kaspersky Lab Deutschland am Rande der Veranstaltung. Bislang spüre man auf dem deutschen Markt aber keine Umsatzeinbußen. „Alle Kundenanfragen, die es dazu gibt, versuchen wir zu beantworten.“

In Deutschland beschäftigt Kaspersky etwa 120 Mitarbeiter, die meisten arbeiten in Ingolstadt. Zentrale Aufgabe ist der Vertrieb der Produkte. Neben dem Online-Verkauf wird er zu einem großen Teil noch immer über Elektronikketten wie Media-Markt, Saturn oder Conrad abgewickelt. Die eigentliche Softwareentwicklung findet in Russland statt.

Die Wurzeln des Konzerns reichen dort bis in die 80er-Jahre zurück: 1989 nistet sich ein Computer-Virus auf dem Rechner des Mathematikers Eugene Kaspersky ein. Der Russe kennt sich mit Computern aus, an der Moskauer Hochschule des sowjetischen Geheimdienstes KGB hatte er sich auch mit Kryptografie befasst. Kaspersky schreibt ein Programm und befreit seinen Rechner von dem Schädling – der Start einer Karriere als Softwareentwickler. 1997 gründet er in Moskau das Unternehmen. Nach Firmenangaben nutzen inzwischen weltweit über 400 Millionen Nutzer die Sicherheitstechnik aus Russland. In 32 Ländern arbeiten 3300 Mitarbeiter für den Konzern. Sebastian Hölzle

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