Berlin – Die deutsche Wirtschaft rechnet nach dem Ausbleiben größerer Fortschritte bei den Brexit-Verhandlungen mit massiven Belastungen für Unternehmen. Deutsche Unternehmen mit einem Standbein in Großbritannien müssten nun Vorsorge für den Ernstfall eines „sehr harten Brexit“ treffen, sagte Joachim Lang, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), in Berlin.
Die bisher vier Gesprächsrunden zwischen Großbritannien und der EU sowie die jüngsten Äußerungen von Premierministerin Theresa May gäben jedenfalls keinen Anlass zur Zuversicht. Die britische Regierung „rede viel“, habe aber kein „klares Konzept“, so Lang. Firmen, die jetzt keine Vorkehrungen treffen würden, seien „naiv“.
„Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit und keine Verlängerung der Hängepartie. Denn sie müssen jetzt wissen, worauf sie sich einstellen müssen“, betonte auch Martin Wansleben, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Ende September.
Großbritannien ist einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Deutsche Firmen exportierten zuletzt pro Jahr Waren im Wert von rund hundert Milliarden Dollar nach Großbritannien. Deutsche Firmen beschäftigen rund 400 000 Mitarbeiter im Vereinigten Königreich.
Grundsätzlich bereite sich die deutsche Wirtschaft in Arbeitsgruppen auf alle möglichen Szenarien vor, so der BDI. Wenn die Briten wie geplant im Jahr 2019 tatsächlich die EU verlassen, könnte das Branchen wie den Automobilsektor, den Energiebereich, Finanz- und Versicherungskonzerne sowie die Logistikbranche besonders stark treffen. mm