München – Katharina Unger hält ein Gläschen mit getrockneten Mehlwürmern in der Hand. „Die schmecken nicht schlecht“, beteuert die junge Frau und schiebt sich eine Handvoll in den Mund. Die Insekten stammen aus eigener Produktion und sollen – künftig mit Unterstützung der BayWa – Ungers geschäftlichen Erfolg sichern. Die Österreicherin hat mit ihrem Start-up Livin Farms ein System für die Massenproduktion von Mehlwürmern entwickelt – ein Kasten, gerade mal so groß wie eine Stereoanlage, in dem die Insekten innerhalb von wenigen Wochen vom Käfer zur Puppe reifen. „Landwirte können das System zu Hause aufstellen und so Futtermittel selbst produzieren“, erklärt Unger. Aber auch als Lebensmittel könne man die Mehlwürmer nutzen. Ihr Vorteil in Anbetracht immer knapper werdender Ackerflächen: Sie brauchen wenig Platz in der Produktion.
Nicht nur Unger glaubt an das Geschäftsmodell – auch der Münchner Agrarkonzern BayWa. Livin Farms ist eines von sechs Start-ups, die in diesem Jahr für das Agro Innovation Lab ausgewählt wurden, einer Innovationsplattform der BayWa und der RWA Raiffeisen Ware Austria. „Es gab 265 Bewerber aus 61 Ländern“, berichtet Reinhard Bauer, Geschäftsführer des Labs.
Neben Ungers Start-up Livin Farms, das von China und Österreich aus operiert, ist auch ein deutsches Unternehmen unter den Gewinnern: Agra2b hat einen Online-Marktplatz für Landwirte und Lieferanten entwickelt. Außerdem unter den Gewinnern: FarmHedge aus Irland – über das Unternehmen können Landwirte Ein- und Verkaufsgemeinschaften bilden. BartsParts aus den Niederlanden bietet eine Ersatzteilplattform für Landmaschinen. DroneClouds aus Südafrika unterstützt Landwirte anhand von Drohnen- und Satellitendaten bei der Schädlingsbekämpfung. Livestock Technologies, ebenfalls aus Südafrika, misst mittels eines Sensors, der im Magen des Tieres platziert wird, den Gesundheitszustand von Kühen.
Mit finanzieller und inhaltlicher Unterstützung der BayWa werden die Unternehmen in den kommenden fünf Monaten ihre Ideen weiterentwickeln. Pro Start-up stehen rund 50 000 Euro, interne und externe Mentoren zur Verfügung. „Wenn alles passt, beteiligen wir uns auch an einzelnen Start-ups“, sagt BayWa-Vorstandsmitglied Roland Schuler. Ziel der BayWa sei es, in Europa die erste Adresse für Innovationen aus dem Agrarbereich zu sein. Ein Baustein auf dem Weg dorthin ist das Lab. Schulers „Lieblings-Start-up“ in diesem Jahr ist übrigens Livin Farms. Die Mehlwürmer haben also gute Chancen auf eine BayWa-Beteiligung. Manuela Dollinger